
- Motivwagen beim Braunschweiger Karnevalsumzug - Judith Weibrecht
Mit über 40 Musikgruppen, Bands und Spielmannszügen und sechs bis sieben Kilometern Länge ist der Braunschweiger Karnevalsumzug der größte Faschingsumzug in Norddeutschland und einer der größten in Deutschland. Darauf ist man stolz. Angeführt wird das Defilee der Narren vom Wagen des Zugmarschalls. Dahinter folgen in bunter Reihung von Karnevalsvereinen und anderen Gruppen gestaltete Wägen mit Aufbauten, Puppen und Motiven, die das Treiben und die Politik in Stadt und Land in närrischer Weise aufs Korn nehmen. Narren mit Orden und Kappen grüßen von Wägen herunter. Tanzgarden mit Tanzmariechen und viele andere karnevalistische Darbietungen vervollständigen den Zug. Dem besten bzw. witzigsten Wagen und der besten Karnevalsgruppe wird der „Jeckenpott“ verliehen. Für Unterhaltung mit musikalischer Untermalung ist also gesorgt. Bis zu 300.000 Zuschauer säumen die Straßen, an denen der Narrenwurm vorbeizieht, und feiern mit. „Kamelle“, Bonbons, und allerhand Tand werden von den Wägen geschmissen. Kleine genauso wie erwachsene Jecken versuchen, möglichst viele davon zu erhaschen. Wie überhaupt für das leibliche Wohl gesorgt ist: In den Straßen verkaufen Buden Currywurst, Bratwurst, Glühwein, Bier und dergleichen mehr.
Prinzensud, Biwak und andere Braunschweiger Merkwürdigkeiten
Ein besonderes Bier ist der Braunschweiger Prinzensud, der eigens für die fünfte Jahreszeit und zu Ehren des Prinzen vom Hofbrauhaus Wolters gebraut wird. Zum Funkenbiwak, das am 11.11. jeden Jahres stattfindet, wird das erste Fass vom Braunschweiger Karnevalsprinzen angestochen. Er ist ein Teil des Dreigestirns der Braunschweiger Fastnacht, bestehend aus besagtem Prinzen von der Karnevalvereinigung der Rheinländer, Till Eulenspiegel von der Braunschweiger Karneval-Gesellschaft und den Bauern der Mascheroder Karnevalgesellschaft.
Geschichte des Karnevals in Braunschweig
„Schoduvel“ wird der Braunschweiger Karneval auch genannt, der belegbar bereits seit 1293 existiert und somit länger als der Karneval in Köln. In jenem Jahr tauchte der Begriff erstmals als schriftlicher Nachweis im Stadtbuch der Löwenstadt auf. Die Bedeutung leitet sich vom mittelniederdeutschen „scho“, was verscheuchen oder vertreiben bedeutet, und „duvel“ für Teufel her. Winter, Kälte, Tod und Teufel sollten mithilfe von Lärm und Verkleidung erschreckt und ausgetrieben werden. Ein Schoduvel ist eine Maske oder Fratze, etwas, mithilfe dessen der Teufel verscheucht wird.
Ab 1979 fand wieder ein Kinderkarnevalsumzug statt, der dann aufgrund seines Erfolgs in den größten Fastnachtsumzug Norddeutschlands mündete.
Veranstaltet wird er vom Komitee Braunschweiger Karneval g GmbH. Diese wiederum setzt sich zusammen aus der Karnevalvereinigung der Rheinländer e. V., 1922 gegründet, der Mascheroder Karnevalgesellschaft e. V. “Rot-Weiß“, die seit 1965 existiert, und der Braunschweiger Karneval-Gesellschaft e. V., gegründet 1872.
Mit dem Braunschweiger Karnevalsumzug findet die närrische Zeit in Norddeutschland ihren Höhepunkt. Kleine und große Narren und Karnevalisten amüsieren sich und feiern in der ganzen Stadt längs des Narrenwurms. Das ist Straßenkarneval in seiner schönsten Form. Brunswick, helau!
