Der Bremer Bleikeller

Acht Mumien sind in der Ostkrypta des St. Petri Domes zu sehen

Eine Mumie im Bleikeller - Brooklyn Daze/Flickr
Eine Mumie im Bleikeller - Brooklyn Daze/Flickr
Bevor die Leichen in dem Gewölbe verwesen konnten, sind sie ausgetrocknet.

Wer sich in Bremen einmal richtig gruseln möchte, dem sei ein Gang in den Bremer Bleikeller geraten – denn hier gibt es eine Reihe echter Mumien zu bestaunen. Die Bezeichnung Bleikeller ist der umgangssprachliche Name für die Ostkrypta des St. Petri Domes und kommt daher, weil hier ehemals Bleiplatten für die Dachdeckung des Domes gelagert wurden.

Die Entdeckung der Mumien

1698 wurden erste Mumien von zwei Gesellen des Orgelbauers Arp Schnitger entdeckt, denen man die Ostkrypta als Arbeitsraum zugewiesen hatte. Zur damaligen Zeit war diese Entdeckung eine absolute Sensation. Schnell sprach sich dieser Fund in der ganzen Stadt herum, und die Leute kamen in Scharen, um die Mumien zu bewundern. Die älteste Leiche stammte aus dem Jahr 1450 – ein verunglückter Dachdecker, wie lange angenommen wurde, den man in dem Raum einfach vergessen hatte. Wilhelm Tacke, Autor des Buches „Bleikeller am Dom zu Bremen“, zweifelte diese Identität aber an, weil er an der Leiche keine Knochenbrüche entdecken konnte. Spätere Untersuchungen ergaben, dass der Mann von einer Kugel getroffen war. Also handelte es sich bei ihm wohl eher um einen Offizier, der im Dreißigjährigen Krieg oder in einem der folgenden Schwedenkriege gefallen war.

Im 17. und 18. Jahrhundert setzte man weitere Leichname von Nichtidentifizierten oder auf der Durchreise befindlichen Menschen in der Ostkrypta bei.

Mumifizierung

Die Gründe für die Mumifizierung sind bis dato nicht zu hundert Prozent geklärt. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass die Leichen in dem Raum auf natürliche Weise ausgetrocknet sind, bevor sie richtig verwesen konnten. Einige Leichen waren im Winter in den Bleikeller gekommen, was zudem bedeute, dass zu diesem Zeitpunkt keine Aasfliegen anwesend waren, die die Leichen zersetzen konnten. Weniger wahrscheinlich ist inzwischen, dass das Blei in dem Raum für die Mumifizierung verantwortlich war. Auch von einer radioaktiven Quelle war zeitweilig die Rede.

Die Leichen

Insgesamt befinden sich acht menschliche Leichen in dem Gewölbe. Neben dem Dachdecker oder Offizier ist der letzte schwedische Verwalter des Doms unter den Toten – ein gewisser Georg Bernhard von Engelbrechten. Ein weiterer Toter ist der Tagelöhner Conrad Ehlers, der bis zu seinem Tode von der Gemeinde versorgt wurde, dafür sich aber bereit erklärte, dass seine Leiche die konservierende Wirkung des Kellers beweisen soll. Weiter gibt es eine nicht näher benannte „englische Lady“ in dem Keller und zwei Söldner. Für weitere Experimente ließ man auch eine Katze und ein Äffchen in dem Bleikeller mumifizieren.

Post nach Weimar

Einigen Mumien fehlen Haare oder Finger, die von Besuchern mitgenommen wurden. Erst seit 1968 liegen die Mumien unterhalb von Glasscheiben. Ein mumifizierter Finger und eine Kinderhand befinden sich aber auch im Goethehaus in Weimar. Der Bremer Arzt Dr. Nicolaus Meyer hatte sie Goethe geschickt, um mit diesem Geschenk den Dichterfürsten in die Hansestadt zu locken. Goethe nahm die Einladung jedoch nicht an, sondern schenkte die Reliquien seinem Sohn August.

Von Ostern bis Oktober ist der Bleikeller täglich für Besichtigungen geöffnet.

Christian Goldmann, Christian Goldmann

Christian Goldmann - Mein Name ist Christian Goldmann. Ich bin 33 Jahre alt und arbeite seit einigen Jahren als Journalist in Bremen und Umgebung. Zuvor habe ...

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