
- Wilhelm Ruprecht Frieling: Der Bücherprinz - Jan Bouman
Wilhelm Ruprecht Frieling beschreibt in seiner spannenden Autobiografie nicht nur, wie er Verleger wurde, sondern auch warum. Mit einem vielsagenden Zitat von Tschingis Aitmantow beginnt die Reise durch die außergewöhnlichen Erlebnisse des Autors: „Alles, was der Mensch in der Kindheit erfährt, erleidet, alle Schmerzen, aller Kummer und alle Entdeckungen bleiben ihm für immer erhalten. Sie sind der Nährboden für die Phantasie, für Erinnerungen und menschliche Beziehungen, zur eigentlichen Wirklichkeit seines Lebens“.
Der Schüler Frieling: unangepasst und phantasiebegabt
Kummer erlitt Frieling bereits in seiner Kindheit im westfälischen Oelde reichlich: Die häusliche Atmosphäre war von Gefühlskälte und Strenge geprägt, denn sowohl seine Eltern als auch die Lehrer versuchten, ihre Erziehungsmaßnahmen mit dem Rohrstock durchzusetzen. Dass der Schüler Ruprecht trotzdem mit guten Noten brillierte, ist eigentlich ein Wunder. Dem Unterricht entfloh er regelmäßig in Gedanken, lebte in seiner Phantasiewelt und schrieb heimlich Gedichte unter der Schulbank. Als er sich als Jugendlicher auch noch weigerte, den Ritualen und Gesetzen der katholischen Kirche zu folgen, sich statt dessen für Beatmusik interessierte und die Haare wachsen ließ, steckte ihn seine Mutter kurzerhand in eine psychiatrische Anstalt. Was Frieling dort erlebte, kennen sicher viele aus dem Film „Einer flog übers Kuckucksnest“ mit Jack Nicholson in der Hauptrolle. Auch hier schaffte es Frieling, sich mit Hilfe seiner Vorstellungskraft und der Welt der Bücher über Wasser zu halten und durchschaute jeden Trick, ihn heimlich mit Psychopharmaka zu manipulieren, bis der Arzt nach acht qualvollen Wochen schließlich einsah, dass sein Patient eigentlich keiner war.
Frieling macht sich frei
Nach seiner Entlassung verlor Frieling endgültig jeden Glauben an die Zuneigung seiner Eltern und wollte nur noch weg. Er begann viel zu reisen, brach die Schule ab und zog mit siebzehn Jahren schließlich nach Berlin. Dort lebte er in WGs und hatte kaum etwas zu essen, fühlte sich aber frei und selbstbestimmt. Er arbeitete als Tagelöhner für wenig Geld und plante inmitten von wilden Drogenexperimenten und chaotischem Kommunendasein seine Zukunft: Frieling wusste schon lange, dass er Journalist werden wollte und begann mangels Ausbildung oder Studium, seine Artikel und Fotos verschiedenen Redaktionen anzubieten. Er hatte Glück und konnte einige bescheidene Honorare kassieren, aber zum Leben reichte es natürlich nicht. Durch Kontakte, die er nachts in Künstlerkneipen schloss, bekam er ständig neue Ideen für bebilderte Beiträge, musste aber trotzdem weiterhin in einer Fabrik arbeiten, um zu überleben. Die erste Festanstellung in einer Presseagentur erwies sich als Strapaze für die Leber, denn Frieling war bei Treffen mit seinen Auftraggebern hauptsächlich als „Kampftrinker im diplomatischen Dienst“ tätig. Er war heilfroh, als er schließlich ein Volontariat im Zeitungsdienst Berlin bekam.
Frieling schafft Tatsachen
Nebenbei wollte Frieling einen Studiengang in Publizistik absolvieren, um sich eine solide Basis zu schaffen. Dazu fehlte ihm jedoch das Abitur, das er mithilfe namhafter Gutachter und einer Sonderprüfung für Begabte nachholen konnte. Als Chefredakteur der Berliner Seniorenpost verbesserte sich seine Einkommenssituation deutlich, wurde jedoch von Manipulationsvorgängen im Unternehmen enttäuscht und wandte sich zahlreichen neuen Projekten zu, in denen er wertvolle und vielseitige Erfahrungen sammelte, die ihn schließlich dazu veranlassten, sein eigenes Unternehmen aufzuziehen. Mit dem Slogan „Verlag sucht Autoren“ traf Frieling den Nerv vieler Autoren und konnte ihnen helfen, ihre Werke zu veröffentlichen. Seine Werbe- und Verlagsgesellschaft war schließlich so erfolgreich, dass er dafür vom „Börsenblatt“ zum „Bücherprinz“ gekrönt wurde.
Eindrücke mit Nachdruck
Bei der lebhaften Beschreibung seiner Erlebnisse spart Frieling auch die Misserfolge nicht aus. Private oder berufliche Enttäuschungen lassen ihn wachsen und weise werden. So beurteilt er selbst leidvolle Situationen und begangene Fehler mit einem innerlichen Abstand, den der Leser einfach anziehend finden muss. Frieling lässt an seinen Erfahrungen in einer sehr offenen und eindrücklichen Weise teilhaben, sodass man das Buch nicht so schnell vergessen wird! Es zeichnet einen Menschen, der trotz vieler Stolpersteine in seinem Leben das Beste aus sich herauszuholen vermag und der mithilfe des geschriebenen Wortes seine eigene Freiheit gefunden hat.
Wilhelm Ruprecht Frieling: Der Bücherprinz - Wie ich Verleger wurde. Internet-Buchverlag, Berlin, 2009. Paperback, 368 Seiten, 60 Abbildungen. Euro 19,80. ISBN 978-3-941286-50-4
