Der Carl Hirnbein Weg von Weitnau nach Missen

Erlebniswanderweg auf den Spuren des Notwenders

Allgäuer Braunvieh - © Paul Weber / pixelio
Allgäuer Braunvieh - © Paul Weber / pixelio
Der Carl Hirnbein Weg verbindet die Allgäuer Orte Weitnau und Missen/Wilhams über einen Wanderweg, der Interessantes für die ganze Familie und alle Altersgruppen bietet.

Für unsere Beschreibung wählen wir die Richtung von Weitnau nach Missen aber selbstverständlich kann man den Weg auch in die andere Richtung gehen, was den Vorteil hat, dass man am Endpunkt Weitnau im Widdumstüble einkehren kann, wo es prächtige Kuchen und deftige Brotzeiten gibt. Aber wir wollen nicht vorgreifen, sondern dem Weg ganz langsam folgen.

Schon im Ort Weitnau findet man einige der drehbaren Informationssäulen, die den ganzen Weg begleiten und den interessierten Wanderer mit erd-, kultur- oder allgemein geschichtlichen Fakten vertraut machen. Andere Infosäulen befassen sich mit der Tier- und Pflanzenwelt, der Landwirtschaft, natürlich auch mit dem Namensgeber des Weges, Carl Hirnbein.

Carl Hirnbein, der Notwender des Allgäus

Im Allgäu ist Carl Hirnbein eine bekannte Persönlichkeit. Anfang des 19, Jahrhunderts gerieten die Allgäuer Flachsbauern und Weber wegen des Konkurrenzdrucks der billigeren Baumwolle und der mechanisierten Webereien aus Großbritannien in Not. Es war Carl Hirnbein, der mit seinen Ideen zur Milchwirtschaft, der Käseproduktion und Vermarktung eine neue, bis zum heutigen Tag wirksame Wirtschaftsweise ermöglichte. Er hatte dabei mit allerlei Widerständen zu kämpfen, denn nicht umsonst gelten die Allgäuer als etwas stur. Aber Hirnbein setzte sich durch und aus dem blauen Allgäu des Flachses wurde das grüne der Milchwirtschaft. Daher auch sein Beiname Notwender - er hat die Not der Bauern im Allgäu abgewendet.

Sieht man die aktuellen Probleme der Milchbauern, so kann man den Allgäuer Bauern nur wünschen, dass ein Hirnbein des 21. Jahrhunderts auftaucht und der Landwirtschaft neue Perspektiven aufzeigt.

Der Kinderwald – Attraktion für die Kleinen

Schon auf dem Weg bis zum Kinderwald erweist sich der Carl Hirnbein Weg als familienfreundliches Wanderangebot. Kletter- und Balancierangebote machen den Weg für den Nachwuchs kurzweilig und interessant. Im Kinderwald angekommen erobert der Carl Hirnbein Weg endgültig die Herzen der Kinder. Schaukeln, klettern im Spinnennetz oder auf der Riesenspinne, die Hängebrücke, eine Hütte zum Klettern, Verstecken oder Spielen, das sind nur einige der Attraktionen, die den kleinen Wanderern hier geboten werden. Eltern nehmen sich für diese Station auf dem Carl Hirnbein Weg am besten eine Brotzeit oder spannenden Lesestoff mit, denn auf ein baldiges Weiterwandern sollte man hier nicht drängen.

Über Alpweiden bis zum Kräutergarten nach Wilhams

Weiter geht es am malerischen Trettenbach entlang bis zu den Alpweiden, über die man zum kleinen Ort Wilhams, dem Geburtsort des Namensgebers Carl Hirnbein aufsteigt. Hier kann man einen Abstecher in den Kräutergarten machen und sich über heimische Kräuter und ihre Verwendung informieren. Obwohl Wilhams nur ein kleiner Ort ist, haben sich hier durch die am Ortsrand angesiedelte Ferienwohnanlage drei Gasthäuser halten können, die zu Rast und Stärkung einladen.

Über den Klammtobel mit Wasserspielmöglichkeiten für die Kinder geht es bis in den Hauptort der Gemeinde Missen-Wilhams. In Missen bildet das Carl Hirnbein Museum den Endpunkt der kleinen Wanderung und gibt noch einmal viel Aufschluss über das Wirken dieses großen Allgäuers.

Der Carl Hirnbein Weg, eine informative und kurzweilige Familienwanderung

Wer viel mit Kindern wandert, der weiß, wie dankbar man um jede zusätzliche Attraktion, jedes attraktive Etappenziel, jede Ablenkung von der für die Kinder langweiligen Wanderei ist. Der Carl Hirnbein Weg bietet hier vielfältige Möglichkeiten, die Kinder bei der Stange zu halten, während die Erwachsenen die wunderbare Landschaft genießen, gleichzeitig aber eine Menge Informationen über Land und Leute bekommen. Auch für das Wandern im Verein ist der Carl Hirnbein Weg bestens geeignet, gibt es doch eine große Zahl von Variationsmöglichkeiten, die Route zu ändern oder zu erweitern.

Einziger Kritikpunkt ist die etwas unklare Streckenführung im Startort Weitnau, wo man die einzelnen Stationen erst durch mehrmaliges Nachfragen findet. Das tut dem Spaß aber keinen Abbruch, der Allgäuer ist zwar, wie schon erwähnt, etwas stur aber durchaus auskunftsfreudig und bei der Wegsuche noch einen kleinen Einblick in diesen urwüchsigen alemannischen Dialekt zu bekommen, das ist in jedem Falle kurzweilig, wenn auch für Nordlichter nicht unbedingt auf Anhieb hilfreich: Do hinda laufsch durs Tobl zum Wasserschpoichr nauf. Dean siasch glei, weil der isch aus Betong! (Dort hinten gehen Sie durch den Tobel bis zum Wasserbehälter. Den erkennen Sie sofort. Er ist aus Beton!)

Viel Spaß bei dieser Wanderung mit viel Allgäuer Heimatkunde!

Einige Infos:

  • 68 Stationen davon 15 Infosäulen
  • reine Gehzeit in gemütlichem Wandertempo: zwei bis zweieinhalb Stunden
  • Einkehrmöglichkeiten ein Weitnau, Wilhams und Missen
  • Erweiterungsmöglichkeiten zur Rundwanderung über das Bergbauernmuseum in Diepolz, den Hauchenberggrat und den Jägersteig zurück nach Weitnau
  • Rückfahrt mit dem Linienbus nur sehr eingeschränkt möglich
  • Im Winter ist der Teilabschnitt Weitnau Wilhams als Winterwanderweg ausgewiesen.
Rainer Hitzler , Rainer Hitzler

Rainer Hitzler - Wie so viele Autoren bin ich Autor aus Berufung, fast seit ich lesen und schreiben kann. Mittlerweile 50 Jahre alt kann ich somit auf ...

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