Der Chamissoplatz in Berlin-Kreuzberg

Auf dem Chamissoplatz in Kreuzberg - J-Cornelius
Auf dem Chamissoplatz in Kreuzberg - J-Cornelius
Mitten in Kreuzberg liegt der Chamissoplatz. Eine ereignisreiche Geschichte prägte diese Gegend.

Der Chamissoplatz liegt mitten im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Bis Anfang des 18. Jahrhunderts wurde diese Gegend ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. Ab 1722 diente das Areal dann dem Militär als Parade- und Exerzierplatz. Aufgrund der ständigen Militärpräsenz genoss das Gebiet über zwei Jahrhunderte den Ruf eines Offiziersviertels. Zu einem ersten Wandel kam es jedoch im Jahr 1834, als in diesem Viertel eine Chemiefabrik errichtet wurde. Allerdings führten massive Beschwerden, unter anderem wegen nicht vorgenommener Schutzmaßnahmen, 1885 dazu, dass die Fabrik ihre Pforten wieder schließen musste. Weitaus erfolgreicher war dagegen die Ansiedlung verschiedener Brauereien. Die erste Brauerei wurde 1838 errichtet. Der dazugehörige Biergarten war ein beliebter Treffpunkt für die Anwohner des Kiezes und genoss einen guten Ruf auch in der ganzen Stadt. Die Ausschankgärten und die Bierfeste waren lange Zeit eine beliebte Attraktion.

Eingemeindung nach Berlin 1861

Der Kiez um den Chamissoplatz wurde 1861 nach Berlin eingemeindet. 1871 gehörte fast das gesamte Gebiet einigen wenigen Grundbesitzern, welche die Grundstücke dann weiter an Bauwillige verkauften. Innerhalb von zehn Jahren wurde das Areal mit fünfgeschossigen Mietshäusern bebaut. Der Platz selbst erhielt seine Form im Jahr 1878. Der Kiez wurde in dieser Zeit in eine bevorzugte und ruhige Wohngegend umgewandelt in dem Ende des 19. Jahrhunderts gut 10.000 Einwohnern lebten.

Benannt wurde der Platz nach dem Dichter Adelbert von Chamisso. Geboren 1781 in Frankreich, floh er vor der Revolution nach Deutschland und wurde später preußischer Offizier in Berlin. Als Dichter schrieb er vor allem soziale Balladen und beschrieb den Berliner Alltag. Chamisso starb 1838, sein Grab auf dem Kirchhof der Evangelischen Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde am Mehringdamm ist noch erhalten.

Tivoli-Lichtspiele

Ende der zwanziger Jahre wurde im einstigen Festsaal der Habel-Brauerei an der Bergmannstraße 5 ein Kino eröffnet. Damals galten die Tivoli-Lichtspiele als das größte Filmtheater der Stadt. Heute befindet sich hier die Filiale einer Supermarktkette. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges war die Gegend um den Chamissoplatz noch relativ gut erhalten. Dann jedoch nahmen die Wohnqualität und der Zustand der Gebäude stetig ab. Die Gründe dafür lagen vor allem in ausstehenden Instandhaltungsmaßnahmen. Um die Besonderheiten des Gebietes und dessen städtebauliche Eigenart zu bewahren, wurden großen Teile des Kiezes 1964 zu einem geschützten Baubereich erklärt und als Ensemble in die Denkmalliste des Landes Berlin aufgenommen. Mitte der 1970er Jahre fanden die ersten vorbereitenden Untersuchungen für eine Sanierung des Gebietes statt. 1979 startete dann die Erneuerung mit der förmlichen Festsetzung als Sanierungsgebiet und der Bestimmung des Sanierungsträgers. Der Chamissoplatz wurde dann im August 2003 aus der Sanierung entlassen.

Zum Weiterlesen:

  • Jonas, Carsten (2009): Die Stadt und ihr Grundriss. Zu Form und Geschichte der deutschen Stadt nach Entfestigung und Eisenbahnanschluss. Tübingen: Wasmuth.

Bernadette Roth - Bernadette Roth studierte Soziologie, Kunstgeschichte und Europäische Ethnologie in Berlin und absolvierte dort auch ein ...

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