
- Edward Gal und Totilas beim Aachener CHIO 2010. - Stephanie Sieckmann
Mekka des Reitsports wird der traditionsreiche Veranstaltungsort in der Aachener Soers gerne genannt. Und die Formulierung kommt nicht von ungefähr. Das Reitsportturnier, das seit über 100 Jahren vom Aachen-Laurensberger Rennverein ausgerichtet wird, sucht seinesgleichen. Eine besondere Bedeutung kommt dem CHIO auch bei der Kandidatenauswahl für anstehende Championate zu. Wer beim CHIO – i2011 vom 08. bis 17.Juli ausgetragen – beste Form zeigt, ist auf den Punkt genau fit und hat beste Chancen auf Championatsteilnahme und -medaillen.
Von Beginn an international ausgerichtet
Hubert Wienen, der 1911 das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm, strebte danach „alle Pferdezucht und Pferdesport treibenden Nationen“ auf dem Aachener Event begrüßen zu können. Und legte mit dieser internationalen Ausrichtung den Grundstein für die weitere Entwicklung des Turniers. Während andere Turniere als kleine regionale oder ländliche Austragungen starteten, allmählich an Bedeutung gewannen und durch starke ortsansässige, international orientierte Reiter zu größerem Glanz gelangten, wehte in Aachen von Beginn an ein internationaler Wind.
Großer Preis mit acht Nationen
1927 machte der Verein einen weiteren Schritt in diese Richtung. Ein internationales Reit- Spring und Fahrturnier wurde ausgerichtet, und zum ersten Mal wurde „der große Preis von Aachen“ ausgetragen. Acht Nationen gingen an den Start. Die Platzierten kamen aus Deutschland, Österreich, Italien, Schweden und Ungarn.
Trendsetter CHIO Aachen
Immer an der weltweiten Entwicklung des Reitsports orientiert, wurden beim CHIO in Aachen Prüfungen eingeführt, die dem internationalen Charakter Rechnung trugen. 1957 zum Beispiel wurde zum ersten Mal „Das internationale Championat des Springpferdes ausgeschrieben, eine Prüfung, die den Anforderungen des olympischen Wettbewerbs entsprach, und an der die 20 besten Springreiter der Welt teilnehmen durften. Auch in anderer Hinsicht zeigte sich in Aachen, was in der Welt des Reisports Trend war. 1956 war die 27-jährige Patricia Koechlin-Smythe die erste Frau, die an olympischen Reiterspielen teilnahm. 1958 musste sie sich im großen Preis von Aachen nur Magnus von Buchwaldt geschlagen geben.
Fritz Thiedemann, Ludger Beerbaum & Co.
Sowohl in der Dressur wie auch im Springen konnten im Laufe der Jahre viele der ganz großen Namen im Reitsport in Aachen Siege davontragen. In den 50-er Jahren gehörten Hans-Günter Winkler und Fritz Thiedemann dazu, in den 60-ern Josef Neckermann. Später folgten Reiner Klimke, Christine Stückelberger und Paul Schockemöhle. In den letzten 15 Jahren reihten sich Ludger Beerbaum und Isabell Werth gleich mit mehreren Siegen ein. Und erst 2010 siegten Edward Gal mit dem Jahrhundertpferd Totilas und der kanadische Olympiasieger Eric Lamaze mit seinem Hickstead.
Sieger von Aachen bei Championaten erfolgreich
Vergleicht man die Ergebnislisten vom „großen Preis von Aachen“, der seit 1927 ausgetragen wird, mit denen der olympischen Spiele, zeigt sich, dass der CHIO in Aachen die Erfolge der alle vier Jahre ausgetragenen Olympiaden spiegelt. Die im internationalen Vergleich konstant starken deutschen Dressurreiter haben den großen Preis von Aachen insgesamt besonders häufig gewonnen. In den Jahren, in denen die Deutschen Dressur-Reiter auf Medaillenplätzen bei den olympischen Spielen rangierte, hatte auch immer ein deutscher Dressurreiter den großen Preis in Aachen gewonnen.
Sieger mit Mannschaftserfolgen
Bei den Springreitern bietet ein Vergleich der Ergebnislisten ebenfalls Einblick in die Situation der Weltspitze. Weniger die übereinstimmenden Ergebnisse, als die bunt gemischten Nationalitäten zeigen, wie es um den Springsport bestellt ist. Anders als bei der Dressur gibt es im Springsport mehrere starke Nationen, die sich immer wieder gegenseitig die Spitzenpositionen streitig machen. In den 60ern und 70ern waren es neben Deutschland vor allem Italien, Frankreich, die USA und Großbritannien, die Medaillen sowohl bei den olympischen Spielen wie auch beim Großen Preis von Aachen gewinnen konnten. In den 80ern kamen die Schweiz und die Niederlande dazu. So konnte 1960 George Morris mit „Night Owl“ aus den USA den Großen Preis für sich ausmachen. Im gleichen Jahr erzielte er mit der Mannschaft die Silbermedaille bei den olympischen Spielen in Rom. 1992 schnappte sich Jos Lansink die begehrte Aachener Trophäe und erzielte kurz darauf in Barcelona mit seiner Mannschaft die Goldmedaille bei der Olympiade.
Europameisterschaften 2011
War der CHIO 2010 ein letzter Form-Check für die Weltreiterspiele in Kentucky, so wird in diesem Jahr während des CHIO in Aachen mit Argusaugen geschaut, welche Kandidaten in der richtigen Form sind um bei den Europameisterschaften an den Start zu gehen. Die Europameisterschaft Dressur wird vom 17.-21. August in Rotterdam ausgetragen, die EM der Vielseitigkeit vom 25.-28. August in Luhmühlen und die EM der Springreiter vom 13.-18. September in Madrid. Der Zeitpunkt für eine Kandidatenwahl beim CHIO ist also günstig. Nicht umsonst wird die Nominierung der Equipe-Mitglieder von den Bundestrainern gerne auf den ersten Tag nach dem Aachener CHIO festgesetzt. Wer sich hier bewährt, hat in der Regel in den vergangenen Monaten kontinuierlich beste Leistungen gezeigt und ein reitsportliches HighLight für sich entscheiden können – ist also in Top-Form. Die Championate rücken dagegen in greifbare Nähe. Und der CHIO wird auch in diesem Jahr der Wegweiser sein, der den Ausschlag gibt.
