Der Dam in Amsterdam - Vom Schutzwall zum Stadtzentrum

Jahrmarkt auf dem Dam - S. Begerow
Jahrmarkt auf dem Dam - S. Begerow
Auf dem Damm in der Amstel entstand vor etwa 500 Jahren der noch heute bedeutendste Platz der Niederlande.

Die Stadt Amsterdam entstand aus zwei kleine Siedlungen, die zu beiden Seiten der Amstel gegründet worden waren. Zwischen 1265 und 1275 wurde ein Damm in der Amstel errichtet, der in erster Linie eine Schutzfunktion hatte. Zudem schuf er aber auch die erste feste Verbindung zwischen den beiden Siedlungen, welche noch heute als alte und neue Seite bezeichnet werden. Im 16. Jahrhundert wurde die Deichkrone verbreitert und es entstand genügend Freifläche für einen Stadtplatz. Der Platz war damals noch für Schiffe zugänglich und wurde als zentraler Markt- und Handelsplatz sowie für öffentliche Veranstaltungen, Kundgebungen und Hinrichtungen genutzt.

Im 19. Jahrhundert wurde der nördliche Teil der Amstel - Damrak genannt - schließlich zugeschüttet und zu einem Boulevard ausgebaut. 1910 wurde der Platz nach Norden hin erweitert und erhielt seine heutige Form. Dem südlichen Teil der Amstel, dem Rokin, wurden 1913 noch Uferstraßen hinzugefügt, 1936 wurde jedoch auch dieser Teil der Amstel zugeschüttet und der Dam konnte von Schiffen nicht mehr erreicht werden. Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte der Platz sich zu einer Art nationalem Forum, auf welchem wichtige Gedenkfeiern und Demonstrationen abgehalten wurden.

Namensgeschichte

Als der Platz im 16. Jahrhundert auf dem Damm entstand, erhielt er den Namen Middeldam, wobei der nördliche Teil Vissersdam und der südliche Teil Vijgendam - Feigendamm - genannt wurde. Auf dem Vissersdam, dem Fischerdamm, befand sich der Fischmarkt, denn die Fischerei galt noch immer als wichtige Einnahmequelle der Stadt. Am Westufer entstand schließlich ein weiterer Platz, der schlicht Plaetse - Platz genannt wurde. Der Plaetse wurde 1795 zu Zeiten der Französischen Besetzung in Place de la Révolution umbenannt, kurz darauf dann in Place Napoleon - Louis Bonaparte, der Bruder Napoleons, erklärte Amsterdam im Zuge seiner Ernennung zum König von Holland zu seiner Hauptstadt. Nach dem Ende der französischen Okkupation wurde der Platz dann schlicht Dam getauft, und so nennt man ihn bis heute.

Lage

Der Dam liegt im Zentrum Amsterdams. Nach Norden hin führt der Boulevard Damrak bis zum Hauptbahnhof, nach Süden reicht der Rokin bis zum „Muntplein“ - dem Münzplatz. Am westlichen Ende des Platzes befindet sich die Kalverstraat, die als berühmteste Einkaufsmeile der Stadt gilt. Am östlichen Ende liegen die Warmoesstraat und der Nes. Die Kalverstraat, sowie Warmoesstraat und Nes verlaufen parallel zu Damrak und Rokin. In Ost-West Richtung verläuft die Damstraat Richtung Osten und die Paleisstraat nach Westen. Des Weiteren münden einige kleine Gassen in den Platz.

Verkehr

Der Dam ist kein Verkehrsplatz im eigentlichen Sinne, dennoch verkehren hier tagtäglich die verschiedensten Fortbewegungsmittel. Die Hauptstraße aus Rokin und Damrak gliedert den Platz in zwei Hälften und ist für den Autoverkehr zugelassen. Auch einige der kleineren Querstraßen sind für Autos befahrbar, die große Einkaufsstraße Kalverstraat ist jedoch eine reine Fußgängerzone. Auf dem Dam befindet sich außerdem ein wichtiger Knotenpunkt des Straßenbahnnetzes, insgesamt sechs Linien fahren die Haltestelle an. Seit 2003 wird entlang Damrak und Rokin eine zweite Innenstadtstrecke der U-Bahn gebaut, der U-Bahnhof Rokin soll südlich des Dams entstehen. Aufgrund der engen Straßen in der Amsterdamer Innenstadt ist das Fahrrad das Hauptverkehrsmittel der Stadt, unzählige passieren zu jeder Zeit den Platz. Aber auch die Amsterdamer Polizei trägt zum bunten Verkehrsbild des Dam bei, sie ist meist auf Pferden im Einsatz.

Heutige Bedeutung

Der Dam ist auch heute noch der wohl bekannteste Platz der Niederlande. Viele der Gebäude und Denkmäler um und auf dem Dam sind von nationaler Bedeutung. Der Paleis op de Dam auf der westlichen Seite des Platzes wird von der königlichen Familie für repräsentative Zwecke genutzt, am Nationalmonument auf der östlichen Seite legt die Königin alljährlich am 4. Mai einen Kranz zum Gedenken an die Opfer des zweiten Weltkriegs nieder. An gewöhnlichen Tagen werden verschiedene Märkte aufgebaut und zahlreiche Straßenkünstler sorgen für ein buntes Stadtbild, darüber hinaus sorgen hin und wieder Jahrmärkte und andere Großveranstaltungen für Abwechslung. Als zentraler Platz ist er Treffpunkt für Einheimische, Touristen und unzählige Tauben gleichermaßen.

Quellen:

Geert Mak, Isabelle de Keghel : Amsterdam. Biographie einer Stadt. München 2006