
- Michael Fassbender in Inglourious Basterds - Universal Pictures
Der Name Michael Fassbender ist noch nicht vielen ein Begriff. So ist der 33jährige Schauspieler mit deutschen Wurzeln immer noch ein Geheimtipp, doch wird sich das mit Sicherheit bald ändern. Der Grundstein dazu wurde vor allem durch Quentin Tarantino gelegt, der Fassbender als Lt. Archie Hicox in „Inglourious Basterds“ besetzte. Sein wahres Können war aber schon vorher im drastischen Film „Hunger“ zu bestaunen.
Die deutsch-irische Kindheit des Michael Fassbender
Michael Fassbender wurde 1977 in Heidelberg geboren, als Sohn eines deutschen Vaters und einer irischen Mutter. Als er zwei Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm nach Killarney, eine Kleinstadt in Irland. Die Schauspielerei entdeckte er mit 16 Jahren für sich, als er an einem Theater-Projekt in der Schule teilnahm. In London besuchte er später eine Schauspielschule.
Michael Fassbender in „Band of Brothers“ von Tom Hanks und Steven Spielberg
Nach einigen kleinen Rollen auf der Bühne und im Fernsehen konnte er eine Rolle in der hoch gelobten HBO-Serie „Band of Brothers“ ergattern, die von Tom Hanks und Steven Spielberg produziert wurde. In der aufwendigen zehnteiligen Serie, die von einer Einheit im Zweiten Weltkrieg erzählt, spielte er den jungen Soldaten Sgt. Burton ‘Pat’ Christenson und konnte damit erstmals eine größere Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machen.
Danach spielte er in Fernsehfilmen und -serien Rollen wie Guy Fawkes oder den gefallenen Engel Azazeal, sprach Jonathan Harker in einer BBC-Radioproduktion von „Dracula“ und mimte den irischen Revolutionär Michael Collins auf der Bühne. Sein erster Kontakt mit einem Tarantinostoff geschah bei einer Bühnenproduktion von „Reservoir Dogs“, bei der er auch Regie führte.
Aufstieg in Hollywood: Michael Fassbender in Frank Millers „300“ von Zack Snyder
Es folgten Nebenrollen in bedeutenderen Filmen. Zack Snyder castete Fassbender als spartanischen Soldaten Stelios, wofür er sich ein Paket an Muskeln antrainieren musste.
In François Ozons erstem englischsprachigem Film „Angel“ spielte er neben Sam Neill und Charlotte Rampling den Liebhaber einer naiven Kitsch-Schriftstellerin.
Michael Fassbender in „Hunger“ von Steve McQueen
In „Hunger“ schließlich konnte er 2008 sein wahres Können das erste Mal unter Beweis stellen. Der erste Spielfilm des Künstlers Steve McQueen handelt vom Hungerstreik nordirischer IRA-Gefangener 1981. Fassbender spielt darin den Streikanführer Bobby Sands, der einen Status als politischer Gefangener durchsetzen will und schließlich selbst wie neun weitere Insassen an Unterernährung stirbt. Er musste für die Rolle 14 Kilo verlieren, darunter die Muskeln, die er für „300“ antrainierte hatte, um den zuletzt tödlich abgemagerten Sands glaubhaft darstellen zu können. Solch eine körperliche Hingabe an eine Rolle kennt man von Schauspielgrößen wie Robert De Niro oder Christian Bale. Vollkommen zu Recht erhielt Fassbender für diese Darstellung zahlreiche Preise und der Film selbst wurde in Cannes mit der Goldenen Kamera für das Erstlingswerk eines Regisseurs ausgezeichnet.
Michael Fassbender in „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino
Als Tarantino dann nach deutschsprachigen Schauspielern für seinen Zweiter-Weltkriegsfilm „Inglourious Basterds“ suchte, wurde er unter anderem bei Michael Fassbender fündig. Da er fließend Englisch und Deutsch spricht, konnte er den britischen Lt. Archie Hicox, der sich an einer Stelle als deutscher Offizier ausgeben muss, perfekt darstellen. Diese Rolle ist es wohl, die ihm zum endgültigen Durchbruch verhelfen wird. Bedeutend ist sie nicht, doch erlangte der Film eine solch gewaltige Aufmerksamkeit, besonders auch die deutschsprachigen Schauspieler, wie Christoph Waltz natürlich, dass man Fassbender in Hollywood nun nicht mehr übersehen kann.
Die Zukunft Michael Fassbenders in Hollywood: „Jonah Hex“, „Jane Eyre“ und „A Dangerous Method“
Zahlreiche renommierte Projekte und interessante Rollen warten deswegen nun auf den deutsch-irischen Schauspieler: Die Verfilmung des Comic-Westerns „Jonah Hex“ mit Josh Brolin („No Country for Old Men“), John Malkovich und Megan Fox ist bereits abgedreht und soll dieses Jahr ins Kino kommen. Gedreht wird gerade noch eine weitere Verfilmung des Brontë-Klassikers „Jane Eyre“, in der Fassbender neben „Alice im Wunderland“-Star Mia Wasikowska den Mr. Rochester spielt. Besonders spannend ist das Projekt „A Dangerous Method“ von David Cronenberg, in dem Fassbender den Psychoanalytiker C. G. Jung gibt, neben Viggo Mortensen als Sigmund Freud.
Michael Fassbender: Seine Vielseitigkeit erinnert an Christian Bale und Daniel Craig
Michael Fassbender teilt seine Schauspielzeit gewissenhaft auf unterhaltsame Hollywoodstreifen und ambitionierte künstlerische Filme auf. Er ist vielseitig, attraktiv, tiefgründig, ein bisschen geheimnisvoll und voller Leidenschaft für sein Metier. Mit diesen Eigenschaften ist er drauf und dran, in die Fußstapfen britischer Stars wie dem schon erwähnten Christian Bale oder Daniel Craig zu treten. Sein durchdringender Blick vereint diese gewisse Verletzlichkeit, Melancholie und Sehnsucht, die schon James Dean ausmachte, während er aber auch Emotionen wie Wut, Entschlossenheit und unverletzlichen Stolz in ihn zu legen vermag. Das bewies er vor allem in dem eindringlichen etwa 20-minütigen Dialog mit dem Priester in „Hunger“, in dem er seinen Plan des Hungerstreiks vehement und mit Insbrunst verteidigt.
Mit Sicherheit wird Michael Fassbender bald zu den wichtigen Namen in Hollywood gehören, zu jenen, die die Unterhaltsindustrie bestimmen und doch für Qualität stehen. Vielleicht wird er irgendwann einen Oscar in Händen halten und vielleicht wird er in seiner Dankesrede auch ein paar deutsche Worte bemühen. Ein weiteres Mal können wir Deutschen dann stolz sein auf die großartigen Schauspieler, deren Karrieren zumindest ein kleines Stück weit in diesem Land verwurzelt sind.
