Der Dioxin-Skandal und warum Gift im Essen alltäglich ist

Dioxin im Frühstücksei - Ruth Weitz
Dioxin im Frühstücksei - Ruth Weitz
Am 15.01.2011 wurde bekannt, dass ein Futtermittelhersteller aus Damme unvollständige Listen abgegeben hatte. Fast 1000 Betriebe mussten geschlossen werden.

Nicht erst seit dem jüngsten Dioxin-Skandal wissen deutsche Verbraucher, dass in der Nahrung Gifte und auch sonst allerhand der Gesundheit abträgliche Stoffe enthalten sind. Pestizide, Fungizide, Anabolika, Hormone, Schwermetalle, Weichmacher und noch viel mehr nimmt der Verbraucher täglich durch das auf, was er verzehrt. Zucker und Fett, meist versteckt, aber üppig in Fastfood- und Fertigprodukten enthalten, sind zwar nicht vordergründig giftig, haben aber bei übermäßigem Genuss Übergewicht zur Folge, was wiederum den Nährboden für Herz- und Kreislauferkrankungen schafft. Antibiotika in Geflügel- und Schweinefleisch führen zur Resistenz gegen den Wirkstoff, so dass Infektionskrankheiten zum tödlichen Risiko werden können.

Gift wie Dioxin gelangt durch die Nahrungskette in den menschlichen Körper

Die Berliner Morgenpost berichtet am Sonntag, 9. Januar 2011, über das, was durch die Nahrungskette an unsäglichen Substanzen in unseren Körper gelangt. Gesetze allein genügen da nicht, um die Gefahr einzudämmen. Sie müssen auch kontrolliert werden. Doch es gibt nur Stichproben, denn das Netz der Kontrolleure hat große Löcher. Andererseits ist das Verbraucherverhalten nicht unmaßgeblich verantwortlich dafür, dass ungesunde Nahrungsmittel auf den Markt kommen.

Massentierhaltung und Agrarfabriken prägen das Bild der deutschen Landwirtschaft

Ein Fertiggericht, angereichert mit Geschmacksverstärkern und allerhand lebensmittelchemischem Schnickschnack, schnell in der Mikrowelle aufgewärmt, der flugs erledigte Einkauf im Supermarkt, wo alles unter einem Dach und dazu noch billig zu haben ist, werden einer aufwändigen Essenzubereitung vorgezogen. Der kleine Metzgerladen, wo der Inhaber weiß, wo die Schlachttiere herkommen und der Bio-Bauer, der mit großen Anstrengungen und Ethos sein Gemüse züchtet und es vorzieht, seine Hühner nicht in Geflügel-Konzentrationslager zu sperren, sondern sie glücklich gackernd ihre Eier legen zu lassen, werden nur von einer Verbraucherminderheit frequentiert. Die Agrarsubventionen befördern diese Situation. Das Politmagazin "Der Spiegel" hat unter dem Titel "Die Hektar-Falle" am 2. Januar 2011 die Hintergründe aufgezeigt. Es fehlt der politische Wille nach der Entschleunigung der Gesellschaft, weg von dem uns beherrschenden Credo "immer schneller, immer höher, immer weiter, immer größer".

Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleiter fordert Ausgleichszahlungen für geschädigte Landwirte

Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleiter, aufgerüttelt durch die Dioxin-Krise, fordert von der Politik härtere Maßnahmen und Ausgleichszahlungen für die Bauern. Mit rund 100 Euro Millionen beziffert er den Schaden, den die Landwirtschaft durch die Dioxin--Funde im Futtermittel zu beklagen hat. Es ist noch nicht sehr lange her, dass Bauern die Nahrung für ihre Tiere selbst produziert haben. Doch ein Allround-Landwirt, wie es ihn früher einmal gab, ist nicht mehr überlebensfähig. Massentierhaltung und riesige Anbauflächen für Getreide und Gemüse zählen heute zu dem, was Landwirtschaft genannt wird. Niedrige Preise, die nur durch Massenproduktion erzielt werden können, diktieren die Unternehmenspolitik der Agrarerzeuger.

Dioxin-Skandal nimmt immer größere Dimensionen an

Nach der Gammelfleisch-Affäre vor fünf Jahren nimmt nun auch der Dioxin-Skandal in Deutschland immer größere Dimensionen an. Mitte Januar 2011 wurde bekannt, dass ein Futtermittelhersteller aus Niedersachsen den Behörden unvollständige Lieferlisten vorgelegt hatte. Erst nach massivem Druck des Landesamtes für Verbraucherschutz reichte der Hersteller aus Damme die fehlenden Papiere nach. Weitere 934 Geflügel- und Schweinemastbetriebe mussten ausgebremst werden, weil sie möglicherweise mit Dioxin verseuchte Tiernahrung gefüttert hatten. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner verlangte die sofortige Ablösung der Verantwortlichen in Niedersachsen, sprach von einem Skandal und forderte mehr Bundeskompetenz bei den Kontrollen. Sie hat einen Aktionsplan vorgelegt, um weitere Eskalationen zu verhindern und Vorsorge für die Zukunft zu treffen.

Die "Grüne Woche" in Berlin und der Dioxin-Skandal

Die "Grüne Woche" vom 21. bis 30. Januar in Berlin steht unter dem Zeichen des Dioxin-Skandals, wo auch über die aktuelle Entwicklung informiert wird. Bioverbände, Landfrauen und Tierschutzorganisationen informieren über naturnahe Agrarwirtschaft. Während der deutsche Bauernverband über massive Einbrüche beim Abverkauf landwirtschaftlicher Produkte klagt, boomt es bei den Bioland-Bauern. Sie profitieren von der Dioxin-Krise. Die Verbraucher sind nicht nur wegen der Dioxin-Krise aufgeschreckt, sondern auch durch die hohen Ethephon-Werte in Paprika und die Antibiotika-Rückstände in Futtermitteln, die nahezu zeitgleich mit der Dioxin-Belastung In Eiern und Fleisch aufgedeckt wurden. "Hauptsache billig" als Leitfaden für den Einkauf ist gleichzeitig auch eine Absage an die Qualität von Nahrungsmitteln.

Quellen:

Unser täglich Gift: Schwermetall, Pestizid & Co. Von Jörg Zittlau, "Berliner Morgenpost" vom 09.01.2011

Die Hektar-Falle von Petra Bornhöft, Christoph Schult und Christian Schwägerl, "Der Spiegel" Heft 1/2011

Wie wollen wir leben? von Susanne Gaschke, "Die Zeit" vom 25.4.2008

Bauernverband beklagt 100 Millionen Euro Schaden, "Die Welt" vom 15.01.2011

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Ruth Weitz, © Ruth Weitz

Ruth Weitz - Ruth Weitz, freie Journalistin, Obernburg am Main. Presse- und PR-Arbeit. Foto-Aufnahmen. Ich habe Schreiben zu meiner Profession ...

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