Es sind Szenen, die den fiktiven Passagen aus Cormac McCarthy Romans ‚No Country for Old Men’ (2004) gleichen: Schusswechsel in kleinen zerschossenen Dörfern. Gewalt, Brutalität und Morde sind in an der Tagesordnung. Im Grenzgebiet zwischen Mexiko und den südwestlichen Staaten der USA, Kalifornien, Arizona und allem voran Texas, tobt ein Drogenkrieg verschiedener mexikanischer Kartelle mit Ausmaßen ähnlich eines Bürgerkrieges. Wie im besagten McCarthy-Werk schleicht sich die abstrakte destruktive Macht der Drogenkartelle über die Grenze in die Vereinigten Staaten.
Über 8000 Morde am Rio Grande
Von 2007 bis 2009 sind laut dem Internetportal der Süddeutschen Zeitung über 8000 Morde im Bereich des Rio Grande und weiter westlich zur Pazifikküste aufgenommen worden. Bereits 1975 deckten die mexikanischen Drogenbarone 80 % des US-Drogenmarktes – und auch McCarthy wies mit seinem Roman aus dem Jahre 2004 auf die Problematik des Drogenschmuggels im Grenzland der USA hin und setzte die fiktive Story der Realität angeglichen ins Jahr 1980. Dennoch sind es gerade die unzählbaren Vorfälle (plus einer uneinschätzbaren Dunkelziffer) der vergangenen zehn Jahre, die den USA Kopfzerbrechen bereiten.
Gewaltwelle breitet sich aus
Im Nachbarland Mexiko herrscht der Krieg um Kokain, Macht und Geld ebenfalls seit vielen Dekaden. Doch in den vergangen Jahren breitet sich die Gewaltwelle zunehmend weiter in den Amerikanischen Südwesten bis hin in den Südosten aus. Das Verbrechen drängt über Grenzstädte wie El Paso und Tuscon bis hinein in Großstädte wie Houston und Atlanta.
Grenzland unkontrollierbar?
Das Problem stellt dabei die schwer kontrollierbare und insgesamt über 3000 km lange Grenze zwischen den USA und Mexiko dar. Über diese werden täglich Drogen und Waffen in Millionenbeträgen in Kleinlastern in die amerikanischen Wüstenbecken geschmuggelt. Die USA versuchen der Entwicklung mit Radargeräten und verstärktem Personalaufkommen entgegenzutreten. Dennoch bietet der Rio Grande und sein spärlich besiedeltes Territorial immer wieder Schlupfwinkel und Möglichkeiten für die Dealer ihre illegale Ware in den großen Nachbarn zu schmuggeln und sich gleichsam für weitere Schlachten gegen verfeindete Kartelle, Polizisten oder gar die mexikanische Armee zu wappnen.
Privatarmee und Finanzpower
Dabei steht den mexikanischen Drogen-Outfits, wie z.B. dem Kartell vom Golf von Mexiko, oftmals eine Privatarmee schwerbewaffneter ehemaliger Elitesoldaten zur Verfügung die Zielsetzungen zu Verwirklichen im rauen Alltagskampf um Macht und Drogen durchzudrücken. Vornehmlich handeln die befeindeten Klans wie das von Ciudad Juárez in Tijuana mit chemischen Drogen, Kokain aus Kolumbien, Marijohana und Heroin. Beängstigend wirkt dabei die finanziellen Möglichkeiten, die den Drogenbaronen wie Joaquín "El Chapo" Guzmán, Chef des Sinola-Klans, zur Verfügung steht: Vom Forbes-Magazin wird Guzmán mit einem Vermögen von über einer Milliarde auf dem 701. Platz geführt.
Auch wenn unter Barack Obama die Einsatzzahl der Grenzwächter angehoben wurde, verdeutlicht sich die nachhaltige Drogenproblematik durch die anhaltenden Vorfälle im ‚borderland’. Die Bush-Regierung missachtete die Wichtigkeit der Drogenproblematik und überließ dem organisierten Verbrechen somit nahezu kampflos das Feld. Dadurch manifestierte sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts ein Geschwür, das sich stetig weiter wuchert und somit über den amerikanischen Grenzbereich hinaus die USA massiv bedroht. US-Wissenschaftler stellten zudem vor kurzem anhand der Kontaminierung von US-Dollarnoten einen rasanten Anstieg des amerikanischen Drogenkonsums fest: Erschreckende neun von zehn (!) Geldscheine sind mit der Pulverdroge behaftet.
