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Der Duft von Safran - ein Roman von Linda Holeman

Linda Holeman - Der Duft von Safran  Cover - GGP Media
Linda Holeman - Der Duft von Safran Cover - GGP Media
Sidonie hat ein zurückgezogenes Leben geführt - bis zu dem Moment, in dem sie dem Mann, den sie liebt, nach Marrakesch folgt. Exotisch, schön, spannend.

Amerika zu Beginn des letzten Jahrhunderts: Sidonie O'Shea ist ein ganz normales Mädchen: Sie trifft sich mit ihren Freundinnen, kichert und verliebt sich zum ersten Mal. Doch dann trifft es sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Sie hat Kinderlähmung. Lange Jahre soll es dauern, bis sie sich überhaupt so weit erholt, dass sie die Beine wieder bewegen kann. Sie zieht sich zurück, möchte niemanden sehen, nicht an ihr altes, freudenvolles Leben erinnert werden. Sie hilft ihrer Mutter beim Nähen, und sonst tut sie wenig, außer ab und zu Aquarellbilder zu malen. Nichts Aufregendes, nur Pflanzen, Tiere - die ganze zarte Vegetation aus der Umgebung von Albany. Sidonie hat sich damit abgefunden, dass sie still bei ihren Eltern leben und nie eine eigene Familie haben wird. Und dann stirbt ihre Mutter.

Dr. Etienne Duverger

Es ist ein Schock, plötzlich mit dem Vater allein zu sein, doch Sidonie gewöhnt sich auch daran. Sie kümmern sich umeinander, sind sich still zugetan. Sie entdecken sogar neue gemeinsame Interessen. Sidonie malt mehr, richtet sich mit ihren wenigen Lebensinhalten neu ein - und dann geschieht ein Unglück, das sie völlig allein und verstört zurücklässt. In dieser Phase lernt sie Dr. Etienne Duverger kennen, einen Mann, der sich mehr für sie zu interessieren scheint als jemals ein anderer Mann zuvor. Langsam, zögerlich erblüht die Liebe zwischen ihnen. Sidonie hat ein wenig Angst, ist sie doch inzwischen dreißig Jahre alt und hatte nie damit gerechnet, dass sich ein Mann für sie interessieren könnte - doch dann merkt sie, wie ausgehungert sie nach Zuwendung ist. Die Zeit mit Etienne ist die schönste, an die sie sich erinnern kann - bis er plötzlich verschwindet.

Marrakesch, Marokko

Eine Spur - der Hauch einer Spur, die Hoffnung auf eine Spur - führt nach Marokko. In diesem Land, das Sidonie nicht einmal auf der Weltkarte hätte zeigen können, hat Etienne lange Zeit gewohnt, und zwar in Marrakesch. Die junge Amerikanerin bricht kurzentschlossen auf zu einer Reise ans andere Ende der Welt. Sie will nicht wieder in der grauen Eintönigkeit versinken, in der sie gelebt hatte, ehe sie Etienne kennengelernt hatte. Sie will mit ihm reden, mit ihm eine Lösung finden für alle Probleme, will mit ihm zusammen sein. Sie kann nicht ahnen, dass der fremde Kontinent ihr Leben auf den Kopf stellen wird, dass die Exotik des völlig Andersartigen sie verzaubern und umgarnen wird, dass sie sich selbst völlig neu erfahren muss, wenn sie in ein Land geht, dass ihr zur Gänze unbekannt ist. Und sie kann nicht ahnen, was sie hier vorfinden wird...

Sidonie O'Shea - eine Blüte

Der Charakter der Protagonistin ist auf langsame Öffnung angelegt. Durch die schwere Krankheit in den Jugendjahren ist ihr normaler Entwicklungsstand zum Erliegen gekommen, so dass sie wieder bei Null anfangen musste. Die erste Erfahrung in der Liebe, vor allem aber die Reise mit all ihren Höhen und Tiefen und das fremde, lockende, magische Marokko aber wirken wie Katalysatoren: Unter dem bescheiden-grauen Panzer der jungen Frau zeigt sich plötzlich Leben, wie sie es selbst nicht vermutet hötte. Und dieser Prozess ist der Autorin richtig gut gelungen. Die Interaktion der Amerikanerin mit den unterschiedlichsten Menschen in Marrakesch lässt sie nicht zur Ruhe kommen, sondern stößt sie von einer Weiterentwicklung zur anderen. Ihr dabei zuzusehen macht Freude.

Spannende Romantik ohne überflüssigen Kitsch

"Junge Frau reist Geliebtem hinterher auf fernen Kontinent" - das klingt, als könnte es gefährlich nahe am Kitsch angesiedelt sein. Glücklicherweise ist es das aber nicht. Es kommen keine überzogenen, süßetriefenden Szenen in diesem Buch vor, mehr langsames Erkennen, Verstehen und der Versuch, mit Änderungen umzugehen. Es werden nicht binnen kürzester Frist felsenfeste Überzeugungen kundgetan, und wenn der Leser auch schon zu früher Stunde ahnt, wie der Roman ausgehen könnte, ist es trotzdem spannend, den Weg nachzuvollziehen, der zum Ende führt. Der Stil, dessen Linda Holeman sich dafür bedient, ist ausgesprochen angenehm und unaufgeregt. Zwar sind ihre Beschreibungen teilweise üppig und exotisch, was aber mehr an den beschriebenen Szenerien liegt als an ihrem Sprachgebrauch.

Fazit: Spannend, fremd und unterhaltsam: Ein rundum schöner Schmöker.

Linda Holeman: Der Duft von Safran. Page & Turner, September 2011. Gebundene Ausgabe, 576 Seiten. Euro 17,99

Kirsten Braselmann - Lesen ist mein Hobby, meine Leidenschaft. Ich habe Literaturwissenschaft studiert und verfasse seit Jahren Buchrezensionen, vor allem im ...

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