"Der dunkle Thron" von Rebecca Gablé

Rebecca Gablé hat mit "Der dunkle Thron" einene Roman vor dem Hintergrund der Regierungszeit Henrys des VIII. geschrieben. Es ist ein Buch der Extraklasse.

Dass Rebecca Gablé stets mitreißend schreibt, darüber muss man gar nicht mehr reden. Aber mit ihrem neuesten Roman, dessen Handlung sich vor der historischen Kulisse der Regierungszeit Henrys VIII. abspielt, hat sich die Bestellerautorin selbst übertroffen. Spannend und aufwühlend wie nie erzählt sie über einen unberechenbaren und grausamen König und eine Familie, die diesem Herrscher zu trotzen versucht. Gablé-Fans wissen es längst: Es handelt sich um die Familie Waringham - die Saga geht mit Band vier weiter.

Königin verstoßen

Wir schreiben das Jahr 1529. Der knapp vierzehnjährige Nicholas (Nick) Waringham muss miterleben, wie sein Vater wegen Schriften ketzerischen Inhalts verhaftet und gefoltert wird und schließlich an den Folgen stirbt. Er bleibt zurück mit einer verhassten Stiefmutter, die ihm das Leben zur Hölle macht. Als Henry VIII., König von England, seine rechtmäßige Gemahlin, Catalina von Spanien, verstoßen will, um seine neue Auserwählte, Anne Boleyn, heiraten zu können, gerät Nick in eine verfängliche Situation: Catalina, die weiß, dass der König seinen Willen bekommen wird, ringt Nick das Versprechen ab, ihre Tochter Mary, die nun als Bastard gilt und keine königlichen Rechte mehr genießt, zu beschützen.

Ein Leben für Mary

Nick nimmt diesen Auftrag mehr als ernst und richtet fortan sein ganzes Leben nach Prinzessin Mary aus. Dabei riskiert er mehr als einmal nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner Angehörigen und Freunde. Aber Nick kann nicht anders - zu sehr fühlt er sich an das Versprechen, das er Königin Catalina gegeben hat, gebunden und zu sehr leidet er selbst unter der der himmelschreienden Ungerechtigkeit und Demütigung, die Catalina und Mary widerfährt.

Ein König wie ein Windfähnchen

Nick kämpft um Marys Recht und lehnt sich offen gegen den Willen des Königs, der sein Land nur entsprechend seiner eigenen Befindlichkeiten regiert, auf. Er weigert sich, einen Eid zu leisten, mit dem er anerkennen würde, dass es eine neue Thronfolgerregelung gibt, die Mary übergeht, und dass er König Henry als alleiniges Oberhaupt der Kirche anerkennen würde. Um sein Leben zu retten, muss er Waringham und seinem geliebten Gestüt für lange Zeit den Rücken kehren. Wird Nick letztendlich Prinzessin Mary und sich selbst retten können?

Spannend und rasant

Rebecca Gablé legt in ihrem Roman Der dunkle Thron ein rasantes Tempo vor. Das muss sie auch, denn im Verlauf der Handlung verschleißt König Henry fünf Frauen und wird von einer sechsten überlebt. Die Geschichte zieht den Leser in einen Sog aus Faszination und Mitgefühl. Denn in ihrem Roman verbindet die Autorin das Leben und Wirken historischer Personen so kunstvoll mit dem der fiktiven Personen, das man als Leser den Unterschied nicht mehr spürt.

Gelungene Figuren

Auch die Figuren des Romans sind außerordentlich gelungen. König Henry und sein Lord Cancellor, Thomas Cromwell sind in ihrer ganzen Grausamkeit und Machtgier so unsympathisch dargestellt, dass man sie als Leser hasst, als hätte man selbst unter ihnen gelitten. Auch Prinzessin Mary ist gut getroffen in ihrer Traurigkeit über den Verrat ihres Vaters einerseits und ihrer Sturheit, was ihren Glauben und ihren Thronanspruch betrifft. Nick Waringham, eigentlicher Protagonist, wirkt ebenfalls sehr authentisch, denn er ist nicht aalglatt und eindeutig angelegt. Zwar hat er einerseits die Sympathie des Lesers, weil er sich mutig und selbstlos für eine gute Sache einsetzt. Andererseits wirkt er aber auch herrisch und überheblich, wenn man beachtet, wie er seine erste Frau behandelt. Diese ist von niedrigerem Stand als er und deshalb als Gemahlin nicht gut genug, andererseits hat ihn das nicht davon abgehalten, zwei Kinder mit ihr zu zeugen.

Fazit: Unbedingt lesen

Würde man sagen, Der dunkle Thron sei ein gelungenes Buch, dann wäre das stark untertrieben. Selten wurde historischer Stoff so mitreißend aufbereitet und so geschickt mit einer fiktiven Geschichte verwoben. Das Buch lässt einen als Leser nicht mehr los und ist am Ende doch nicht lang genug, vor allem wenn man die Historie kennt und weiß, was noch folgt. Es sei aber auch gesagt, dass die Authentizität, die den Roman auszeichnet, nicht nur Vorteile hat. Unter Henry VIII. und Thomas Cromnwell geschahen viel grausame Dinge, die man als Autor nicht weglassen kann, wenn man über dies Ära schreibt. Und diese Dinge verfolgen einen das eine oder andere Mal. Und dennoch: Wer historische Romane liebt und einiges "wegstecken" kann, sollte Der dunkle Thron unbedingt lesen. Es ist ein außergewöhnlich eindringliches und mitreißendes Buch, bei dem es trotz seiner fast 1000 Seiten nicht eine Sekunde lang langweilig wird.

Lesetipp: Gablé, Rebecca: Der dunkle Thron: Bastei Lübbe 2011. 956 Seiten. 24,99 Euro.

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