Der E-Postbrief – Kritikpunkte des Systems

E-Postbrief schreiben am PC - Benjamin Klack - pixelio.de
E-Postbrief schreiben am PC - Benjamin Klack - pixelio.de
Mit dem E-Post-Brief kann man Briefe am PC schreiben, versenden und empfangen. Was spricht gegen diese neue Art des Briefverkehrs?

Im Zeitalter von PC und E-Mail ist das Schreiben und Versenden von Briefen einfacher geworden. Zu Weihnachten schickt man keine Weihnachtskarte mehr, sondern eine E-Card oder E-Mail. Man spart Zeit und Geld. Alles wird heute von der Technik bestimmt. Seit kurzem gibt es nun den E-Postbrief der Deutschen Post.

Was ist der E-Postbrief?

Mit dem E-Postbrief kann man Briefe am PC verschicken und empfangen. Der Versand des Briefes läuft also über das Internet, wie bei einer E-Mail. Laut der Deutschen Post soll der E-Postbrief aber sicherer sein als eine E-Mail. Man soll vor Viren, Spam und unerwünschter Werbung geschützt sein. Der E-Postbrief soll verbindlich, vertraulich und verlässlich sein. Wenn der Empfänger keinen elektronischen Briefkasten hat, druckt die Deutsche Post das Dokument aus und stellt es per Boten zu. Selbst als Einschreiben werden E-Postbriefe verschickt.

Die Neuigkeit ist jetzt, dass Hessen als erstes Bundesland sogar die Möglichkeit anbietet, Spielscheine elektronisch abzugeben – also Lotto spielen per E-Postbrief.

Wann schreibe ich einen E-Postbrief?

Die Deutsche Post schlägt folgende Einsatzmöglichkeiten für den E-Postbrief vor:

  • Bei wichtigen Dokumenten, die den Empfänger noch am selben Tag erreichen sollen, etwa bei der Steuererklärung, Vertragsentwürfen, Bauplänen sei der E-Postbrief die Lösung.
  • Bei wichtigen Bankgeschäften, wie Freistellungsaufträgen, Kontenwechsel, Depoteröffnung eigne sich der E-Postbrief wunderbar.
  • Bei einem Umzug mit Unmengen von Behördenformalitäten wähle man einfach den E-Postbrief, etwa bei einer Wohnungsummeldung, der Bestellung eines neuen Stromanschlusses und vielen weiteren Anlässen.
  • Zur Aufbewahrung von wichtigen Dokumenten habe man dann sein elektronisches Postfach als Dokumentensafe. Hier könne man Kopien von wichtigen Unterlagen hinterlegen. Diese stünden dann bei einem Schadensfall oder wichtigem Anlass sofort zur Verfügung.

Die Registrierung für den E-Postbrief

Der Registrierungsvorgang für den E-Postbrief gestaltet sich etwas schwierig und umständlich.

In Kurzform hier die Registrierungsschritte:

  1. Sich auf www.epost.de registrieren und eine E-Post-Adresse sichern.
  2. Nach erfolgter Registrierung wird ein Postident-Coupon erstellt, den man ausdrucken und mit Personalausweis oder Reisepass in einer Postfiliale beglaubigen muss.
  3. Hat die Deutsche Post die Identität geprüft, erhält man eine SMS mit der Freischaltung. Außerdem bekommt man alle notwendigen Unterlagen per Brief. Die ausführliche Anleitung für die Registrierung kann man auf der Seite "Der E-Post Brief – Registrierung mit Hindernissen" nachlesen.

Was spricht gegen die neue Art des Briefverkehrs? Was spricht gegen den E-Postbrief?

Schon die Freischaltung für das neue System per Handy-SMS ist für Menschen, die kein Mobiltelefon besitzen, ein Problem. Außerdem muss beim Versand eines E-Postbriefes eine Transaktionsnummer (Handy-TAN) eingegeben werden. Diese TAN wird kurz vor dem Versand des Briefes erzeugt. Besitzt man also kein Handy, kann man auch keine Handy-TAN erzeugen und auch keinen E-Postbrief versenden. Möchte man seine Handynummer nicht preisgeben, ist das unter Umständen auch ein Problem beim E-Postbriefverfahren.

Die Deutsche Post sagt, der E-Postbrief sei vertraulich, weil der Brief auf seinem elektronischen Weg verschlüsselt werde. So könne kein Unbefugter das Schreiben einsehen. Auch die Dokumente im eigenen Briefkasten seien immer verschlüsselt. Die Deutsche Post geht hier aber nach dem Prinzip "Security through obscurity" vor. Das E-Postbrief-Portal wird durch eine TLS-Verschlüsselung gesichert. Man könnte die Sicherheit des Systems anzweifeln, wie bei einer üblichen Mail. Deshalb bietet die Deutsche Post auch die Option auf eigene Zertifikate an, welche die E-Postbriefe verschlüsseln. Und eingehende Dateianhänge werden automatisch durch Virenscanner der Post gescannt.

Der Datenschutz ist bei der neuen Art des Briefverkehrs nicht gewährleistet. Die Post speichert nämlich die Adressdaten aller Kunden in einem Verzeichnis, auf das alle E-Postbriefkunden zugreifen können. Eine elektronische Mitteilung fällt laut Rechtsprechung des BVerfG nicht unter das Briefgeheimnis, sondern unter das Fernmeldegesetz. Das Fernmeldegesetz bietet aber keinen so umfassenden Schutz wie das Briefgeheimnis.

Die termingerechte Zustellung eines E-Postbriefes kann nicht immer garantiert werden. Bei der Versandart klassisch stellt die Deutsche Post die elektronischen Briefe am nächsten Arbeitstag zu. Dies aber nur, wenn der elektronische Brief bis 18.00 Uhr aufgegeben wurde. Danach und an Wochenenden und Feiertagen wird es dann schwierig. Hier werden E-Postbriefe erst am übernächsten Arbeitstag zugestellt.

Ein E-Postbrief gilt übrigens als zugestellt, auch wenn ein Kunde sein E-Postfach nicht abgefragt hat. Dadurch können gerade für Geschäftsleute wichtige Fristen verstreichen. Man ist also gezwungen, sein E-Postfach wirklich jeden Tag abzufragen, wie bei einem E-Mail-Postfach. Was dann einen zusätzlichen täglichen Aufwand bedeutet. Eine Integration des neuen Briefsystems in bestehende E-Mailkonten ist im Übrigen nicht möglich.

Der Druckservice des neuen Briefsystems ist noch ziemlich unausgereift. Bei ausgedruckten Briefen kann man nicht sicher sein, was beim Empfänger ankommt. Fehldrucke müssen trotzdem bezahlt werden.

Was kostet ein E-Postbrief?

Ein E-Postbrief bis 20 MB kostet 55 Cent. Wird der E-Postbrief per Postbote zugestellt, kostet er auch 55 Cent einschließlich Kuvert und Druck von bis zu drei Seiten in Schwarz-Weiß.

Dieser Preis ist laut Stiftung Warentest eindeutig zu hoch. Ein E-Postbrief kostet demnach so viel wie ein normaler Brief. Und ein Einschreiben per E-Postbrief ist sogar teurer als ein normaler Brief.

Kann das E-Postbriefsystem empfohlen werden?

Als Resümee lässt sich sagen, dass die neue Art des Briefverkehrs noch nicht voll ausgereift scheint. Hier liegt es an der Post noch etwas für die Verbesserung des E-Postbriefsystems zu tun. Unter obigen Gesichtspunkten kann das neue System nicht empfohlen werden. Der normale Brief oder eine E-Mail sind dann angebrachter und sinnvoller.

Bildnachweis: © Benjamin Klack / Pixelio.de

Karin Sebelin, Karin Sebelin

Karin Sebelin - Karin Sebelin ist freie Autorin in Suite101 und ständige Autorin zum Thema Haushalt. Sie hat sich auf die Hauptgebiete Haushalt, ...

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