Update am 19. März 2011: Knut ist tot

Nach Angaben von Augenzeugen richtete er sich plötzlich auf, schnappte nach Luft und ist leblos ins Wasser gefallen. Die Todesursache: eine Gehrinerkrankung. Hier ein Link zu einer seiner Bloggerinnen Christina, die in berührenden Worten zu seinem Tod, den sie selbst mit erlebte schreibt.

Ein abschließender Artikel zu Knut: Knut, eine besondere Tierpersönlichkeit.

Knut und seine Blogs

Knut was? Knut wer? So hätte die Frage noch vor 2006 gelautet. Seit dem 5. Dezember 2006 ist die Antwort eindeutig: mit Knut kann nur der Eisbär gemeint sein. Wie kam es zu so großer Popularität? Wer oder was hat mitgeholfen, aus einem unscheinbaren kleinen Eisbären einen Weltstar zu machen?

Die ersten Fernsehberichte verbreiteten die Geschichte von dem kleinen Bären und seinem Pflegevater rund um die Welt. Die Printmedien folgten und dann kam das Internet hinzu. Wenige Wochen, nachdem die internationale Nachfrage nach Neuigkeiten rund um das putzige weiße Fellknäuel immer größere Ausmaße angenommen hatte, entschloss sich der lokale Rundfunk- und Fernsehsender rbb, ein Blog aufzumachen. Ein Blog (oder Weblog) ist ein auf einer Website geführtes öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal. Die zeitgemäße Plattform "Knuts Blog" in rbb-online war geboren.

Knuts Blog

Der Ghostblogger von Eisbär Knut Torsten Rupprich schrieb Woche für Woche News aus Knut-Sicht. Später schlüpfte Doro Horedt in die Rolle des Ghostblogers. Zwischendurch durften sogar Knut-Freunde als Gast-Blogger schreiben.

Mit Feuereifer fanden sich immer mehr Leser ein, die Kommentare wurden länger, internationaler. Die Berliner und Berlinerinnen sowie Zoobesucher aus aller Herren Länder begannen, eigene Berichte zu schreiben und Fotos anzubieten. Innerhalb kurzer Zeit bildete sich eine internationale Community, die sich auch in den sprachlichen Beiträgen spiegelte. Da wurde Jahrtausende nach dem Turmbau zu Babel in allen Zungen der Welt durcheinander geredet und dennoch verstanden sich alle.

Nicht lange nach dem Tod von Thomas Dörflein entschloss sich jedoch die Programmleitung des rbb, Knuts Blog aufzulösen. Das Entsetzen unter den Blog-Teilnehmern war groß, aber nur von kurzer Dauer. Auch vorher hatten sich schon parallel zum Knut-Blog andere Seiten geöffnet.

Nachfolge-Blogs und Foren

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich zwei, drei Nachfolger des Blogs gebildet hatten. Entgegen der Prophezeiung von Zoodirektor Dr. Blaszkiewitz erlahmte nämlich das Interesse an Knut weder nach seinem ersten Geburtstag und auch nicht nach seinem zweiten. Heute noch ist eine erkleckliche Zahl an regelmäßigen internationalen Schreibern, Fotografen und Mitlesern vorhanden. Und zu Knuts drittem Geburtstag, dem 5. Dezember 2009, traf auch wieder eine international zusammengewürfelte Gruppe vor Knuts Gehege ein, brachte Knut ihr „Happy Bärsday“ dar.

Die Menschen hinter diesen Foren

Was bringt Menschen dazu, in diesen Blogs oder Foren zu posten? Der Niedlichkeitsfaktor des kleinen Eisbärbabys und die Tatsache, dass es überhaupt erstmalig von der Handaufzucht eines Eisbären Videos und Bilder gab, waren sicher die Hauptgründe, sich intensiv mit dem Bären zu beschäftigen.

Schon öfter wurde besonders in den Printmedien über die Fans von Knut mal milde, mal sarkastisch gespöttelt. Was macht aber wirklich die Faszination dieses einen Eisbären aus? Was bringt Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen dazu, gemeinsam diesem Bärenkind treu zu bleiben?

Es ist ein quer durch alle Berufsgruppen gewürfelter Haufen. Menschen, die noch voll im Berufsleben stehen, ebenso wie Menschen, die ihre Berufstätigkeit hinter sich gelassen haben. Biologen, Technologen, Lehrer, Menschen aus sozialen Berufen, alles ist vertreten. Das von den Medien gezeichnete Bild der einsamen ältlichen Hausfrau ist zwar plakatives Klischee, stimmt jedoch nicht.

Gemeinsam ist dieser Gruppe jedoch sicherlich die Liebe zu den Tieren allgemein und zu Knut im Besonderen. In einer Welt, in der nüchterne Fakten und schlechte Neuigkeiten den Menschen tagtäglich unter Negativem begraben, ist die Sehnsucht nach heiler Welt, nach positiven Nachrichten groß. Nicht "bad news are good news" ist beim normalen Menschen die Sehnsucht, sondern das Gegenteil. Wer ein noch kindlich empfängliches Herz hatte für Wärme, für Natürlichkeit, für altbackene Werte wie Vertrauen, Fürsorge, Liebe, bei dem fielen die Nachrichten um dieses kleine Wunder auf fruchtbaren Boden.

Natürlich gibt und gab es in den diversen Blogs auch Misstöne. Wo "gemenschelt" wird, fallen natürlich auch Späne und da blieb es nicht aus, dass von Zeit zu Zeit kräftig gegiftet und angefeindet wurde. Attacken von sogenannten Trolls versuchten immer wieder mal die Blogs mit ihren Ergüssen lahm zu legen, aber die Administratoren hielten immer tapfer dagegen. Mittlerweile herrscht in fast allen Blogs oder Foren ein durchaus gemäßigter freundschaftlicher Ton. Diskussionen werden großteils fair ausgetragen.

Was macht den Reiz dieser Blogs/Foren aus?

Eine Vielfalt an Berichterstattung aus sehr persönlichen Blickwinkeln macht den Charme dieser unterschiedlichen Blogs und Foren aus. "Boulevard-Blogging" -war Anfangs die Befürchtung. Dass daraus gute Unterhaltung und Information wurde, verdanken die Blogs ihren regelmäßigen unterschiedlichen Berichterstattern.

Von nüchtern sachlichen Fakten, heiteren oder auch ernsthaften Berichten bis zu fantasievollen-imaginären Abenteuern in Wort oder Bild rund um Knut, spinnt sich der Bogen. Auf diese Art findet jeder Benutzer seine Nische, in der er sich wohlfühlt.

So fantasievoll die Geschichten auch sein mögen, die Schreiber und Schreiberinnen sind sich der Grenzen zur Realität voll bewusst. Niemand davon würde, wie bereits geschehen, die Abgrenzungen der Gehege überschreiten um mit Knut zu kuscheln. Seiner Phantasie freien Lauf zu lassen, ist die eine Sache - in Wirklichkeit die erforderliche Grenze zu einem Raubtier überschreiten eine ganz andere. Wer die ganze Bandbreite entdecken will, braucht nur einmal ins Internet auf Suche gehen.

Nutzen der Blogs und Foren

Was als reiner Informationsaustausch begonnen hat, hat sich zum Teil verändert. Durch den regelmäßigen Austausch wurden Freundschaften geschlossen, auch über den weiten Ozean hinweg, Menschen aus den unterschiedlichsten Berufsschichten fanden durch das gemeinsame Interesse "Knut" zusammen. Man mag sich und man respektiert sich in seiner ganzen Vielfalt als Mensch. Man trifft sich nicht nur gelegentlich vor Knuts Gehege, sondern verabredet sich bewusst.

Aber nicht nur der soziale Ton hat sich geändert, auch das Interesse. Aus anfänglich sporadischen Zusehern eines süßen kleinen Bären wurden mittlerweile Hobby-Verhaltensforscher, die sich immer tiefer in die Materie Eisbär vertiefen.

Um in der zeitgemäßen Mediensprache zu bleiben: Die beste Daily-Soap wurde unwissentlich geboren. Was das Wunderbare daran ist: Das Drehbuch schreibt das Leben und Regie führt die Natur und das ist durch nichts zu toppen. Möge diese Art von Berichterstattung noch lange erhalten bleiben für unser aller seelisches Wohlbefinden. Wie heißt es doch so schön: Alles wird knut!