Der Elch lebt am häufigsten in Schweden

Achtung Elch - Gefahr im Straßenverkehr - Heike Dommnich
Achtung Elch - Gefahr im Straßenverkehr - Heike Dommnich
Die meisten Elche leben in Schweden, einige werden auch wieder in Deutschland beobachtet. Wie leben Elche? Sie vollbringen erstaunliche Leistungen.

Mit einer Schulterhöhe bis 230 Zentimeter ist der Elch (Alces Alces) die größte Hirschart der Erde. Sein Gewicht kann bis zu 500 Kilogramm betragen, wobei auch schon 800 Kilogramm in der Literatur angegeben wurden. Wohl jedem ist sein gewaltiges Schaufelgeweih ein Begriff. Elche besiedeln die nördlichen Gebiete der Erde. In Europa existieren heute etwa eine Millionen Elche, eine weitere Million lebt in Nordamerika. Obwohl es sehr kraftvolle Tiere sind und sie mit ihren schmalen Hufen selbst den Schädel eines Bären eintreten könnten, leben Elche sehr scheu und zurückgezogen. Im August und September zur Brunftzeit kann ein Elch jedoch auch aggressiv werden, wenn der Mensch ihm zu nahe kommt. Zwischen April und Juni bringt die Elchkuh ein bis drei Junge zur Welt. Sie säugt diese etwa drei bis vier Monate und verteidigt sie vehement. Junge Elchkälbchen wachsen sehr schnell. Sie folgen ihrer Mutter bereits nach 20 Tagen überallhin.

Der Elch vollbringt beachtliche Leistungen

Elche sind mit ihren langen Stelzbeinen, dem großen Kopf und der wulstigen Nase keine Schönheit. Dafür kann die Nase besser riechen als eine Hundenase. Die kleinen Augen erreichen ein Blickfeld von fast 360 Grad und die Ohren sind außergewöhnlich empfindlich. Mit den langen Beinen überwindet der Elch ein Meter hohe Hindernisse ohne zu springen. Er rennt einfach darüber hinweg. Auf morastigem Boden sinkt der Elch trotz seines Gewichtes nicht so schnell ein, da er zwischen seinen Hufhälften eine Schwimmhaut aufspannt. Am beeindruckendsten ist beim Elch sein Schaufelgeweih. Schwere Schaufeln mit bis zu 24 Enden wiegen 15 Kilogramm und sind zwei Meter breit. Sie dienen lediglich zum imponieren. Gekämpft wird selten. Allerdings verteidigen die Bullen ihre Kühe gegen Widersacher. Dabei schieben sie sich hin und her, bis einer aufgibt. Das Geweih besteht nicht aus Horn, sondern aus Knochen. Es wird im November abgeworfen und wächst jedes Frühjahr bis zum September neu. Der Knochen kann pro Tag ein bis zwei Zentimeter wachsen. Dies entspricht dem schnellsten Knochenwachstum im Tierreich.

In Schweden leben die meisten Elche

Schweden ist das Land der Elche. In keinem anderen Land Europas gibt es mehr. Etwa 400.000 Elche leben in Schwedens Wildnis. Hier sieht man die Tiere nicht nur als Aufkleber am Auto, sondern auch real am Straßenrand. Rund 4500 Kollisionen zwischen Elch und Auto werden jährlich registriert. Im Frühjahr sind es die von den Müttern verstoßenen Jährlinge, die auf den Straßen herum irren. Im Herbst werden Bullen im Paarungsrausch gefährlich und im Winter locken die gesalzenen Straßen die Tiere magisch an. Als Dämmerungstiere werden Elche zusätzlich noch vom Licht der Autoscheinwerfer angezogen. Das Warnschild „Vorsicht Elch“ steht nicht nur zum Spaß da und sollte ernst genommen werden.

Auch in der Forstwirtschaft sind Elche umstritten

Elche ernähren sich von Knospen, Zweigen, Blättern und Wasserpflanzen. Sie bevorzugen als Lebensraum sumpfige Laub- und Mischwälder mit Unterholz. Wenn sie im Wasser nach Wasserpflanzen suchen, verschließen Elche die Nasenlöcher zu Schlitzen. Bis zu 50 Kilogramm Grün frisst ein Elch am Tag. An Land sind es gerade die jungen Zweige und Knospen der Bäume, die Elche besonders lecker finden. Schonungen mit jungen Bäumchen werden geliebt. Da ist es nachvollziehbar, dass die schwedischen Forstwirte die Wiederkäuer für Schädlinge halten. Sie beklagen einen jährlichen Schaden durch Elche in Höhe von mehreren zehn Millionen Euro. Um so mehr begrüßen sie es, dass in Schweden die Elchjagd sehr beliebt ist. Etwa 100.000 Elche werden jährlich zur Jagd frei gegeben. Das ergibt ungefähr 9.000 Tonnen Elchfleisch. Der Bestand bleibt trotzdem konstant, da die Elchkühe genügend Nachwuchs heranziehen.

Der Elch in Deutschland

Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild wählte den Elch zum Tier des Jahres 2007. Sie setzt sich für Tierarten ein, die früher in Deutschland heimisch waren, dann aus dem Land verschwanden und nun wieder auf natürlichem Wege in ihren Lebensraum zurückkehren. Nach dem Kriegsende und dem Verlust von Ostpreußen gab es in Deutschland keine Elche mehr. In den letzten Jahren wurden jedoch immer wieder wenige Tiere in Westfahlen, Württemberg und Bayern gesichtet. Aber auch in Brandenburg leben einzelne Elche. Die großen Hirsche sind Weitwanderer. In der Lausitz, in der Muskauer Heide, wo seit Jahren auch ein Wolfsrudel lebt, werden immer wieder Elche beobachtet.

Vom Aussterben bedroht waren die Elche in Deutschland schon mehrfach. Selbst Friedrich der Große ordnete nach dem Siebenjährigen Krieg eine längere Schonzeit für Elche an. Die Revolution von 1848 brachte eine allgemeine Jagdfreiheit mit sich. In der Folge waren die Tiere beinahe ausgerottet. Im frühen Mittelalter lebte der Elch noch in ganz Deutschland. Das beweisen Funde von Geweihen, Zähnen und Knochen. Dort wo heute die Berliner U-Bahn fährt, lebten einst Elche.

Der Elch als Magnet für Touristen

Handgeschöpftes Papier aus Elchkot verkauft ein findiger Schwede als Souvenir. Mehrere zahme Elche leben auf seiner Farm „Moose Garden“ , die im Sommer bis zu 400 Touristen täglich besuchen. Im Hofladen verkauft er sein Elchpapier und Waffeln aus Elchmilch. Mehrere weitere Elchfarmen gibt es über Schweden verteilt. Man kann Elche aber auch in freier Wildbahn auf Safari beobachten. Für diese Touren finden Sie mehrere Anbieter . Mehr als 3.000 Jahre alte Felszeichnungen mit Elchen sind in Tanum, zwischen Göteborg und der norwegischen Grenze zu bewundern. Etwa 10.000 Zeichnungen, davon viele Elche, können bei Führungen bestaunt werden. Doppelt so alt sind die 40 Elchbilder von Glösa Älgriket. Auch hier werden Führungen angeboten.

Als Magnet für Touristen wird der Elch gerne genutzt. Als Nutztier im Sinne eines Haustieres, wie es Schweine, Kühe oder andere sind, hat sich der Elch als zu stur und zu arbeitsaufwändig in der Haltung erwiesen. Er lässt sich leicht zähmen, man kann auf ihm reiten und er bewältigt Lasten bis zu 1800 Kilogramm. Alles wohl aber nur, wenn es der Elch gerade möchte. Versuche, die Tiere als Nutztiere einzusetzen, blieben bisher bis auf wenige Ausnahmen in Russland erfolglos.

Quellen und weitere Info:

Heike Dommnich, Heike Dommnich

Heike Dommnich - Heike Dommnich schreibt als freie Autorin für verschiedene Internetportale, fotografiert als gärtnernde Imkerin vor allem ...

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