Der englische Friedhof in Málaga

Gräber von deutschen Kriegshelden und englischen Literaten

Mitten im Zentrum von Málaga liegt hinter Steinmauern der Cementerio Inglés. Hier sind die ersten Ausländer, die an der Costa del Sol lebten, begraben

Das Schild fällt kaum auf, wenn man nicht genau hinsieht. „Saint George's Anglican Church" steht darauf. Daneben ein Tor und auf den einfassenden Säulen liegen zwei gelangweilte Löwen. Die Mauer, die sich am Paseo de Reding in Málaga weiter entlang zieht, gewährt keinen Einblick, was hinter ihnen liegen mag. Nur ein paar verwachsene Büsche ranken über die meterhohe Steinwand. Es ist der „Cementerio de los Ingleses", der Englische Friedhof, der sich hinter diesen geheimnisvollen Gemäuern versteckt.

Wagt man sich an den beiden Löwen vorbei in das Innere dieser Totenstätte, erwartet den Besucher ein anderes Málaga. So illustre Namen wie George Brenan und Gamel Woolsey findet man auf den verwitterten Steinen eingraviert. All diejenigen sind hier begraben, die in der Stadt ihre letzte Ruhestätte fanden und nicht dem katholischen Glauben angehörten. Seit dem Jahr 1487, als die „Katholischen Könige" Málaga von den letzten maurischen Herrschern zurückeroberten, gab es keinen Friedhof für Andersgläubige. Alle, die nicht dem "einzig wahren Gott" huldigten, wurden dort verscharrt, wo sie verstarben. Auch die Ausländer, die auf der Durchreise waren und plötzlich ihren letzten Atemzug taten, wurden meist ohne weitere Umstände am Strand begraben. Das Meer würde sich schon um die Ungläubigen kümmern.

Ruhestätte für Helden

Doch als die reisenden Ausländer immer häufiger wurden und viele auch blieben, musste die Stadt einen anderen Weg für die "Entsorgung" der Nicht-Katholiken finden. Der Irländer Robert Boyd ist der Veteran auf dem englischen Friedhofs. An der Seite des General Torrijos fiel der junge Mann im Kampf gegen Napoleons Truppen im Jahr 1831. Den heldenhaften Vorkämpfer für die Freiheit der Stadt konnte man nicht einfach irgendwo verbuddeln. Eine solchen Heldentums würdige Grabstätte musste her. Der Plan für den neuen Friedhof war geschaffen, auch wenn Boyd zuerst ohne die schützenden Mauern auf einem Gebiet außerhalb der Stadt direkt am Meer beerdigt wurde. Erst später wurden die hohen Mauern um den improvisierten Friedhof gezogen.

Auch deutsche Namen findet man auf den moosüberzogenen Steinen: In einem Massengrab ruht die Besatzung der Gneisenau, die im Jahr 1900 in der Bucht von Málaga versank. Es sind nicht die einzigen Soldaten, denen der englische Friedhof als letzte Ruhestätte dient. Auch die Reste von Piloten der russischen Roten Armee, die im zweiten Weltkrieg vor Málaga abgeschossen wurden, liegen hier begraben.

Streunt man weiter durch die Reihen von dunklen Grabsteinen, stößt man auch auf unbekannte deutsche und englische Namen und auch auf holländische und französische. Viele der hier Begrabenen waren noch Kinder als sie beigesetzt wurden, irgendeine Epidemie hat sie Anfang des 19. Jahrhunderts dahingerafft.

Die zwei Löwen und die hoch gewachsenen Sträucher, die über die Mauern ragen, strahlen beim nächsten Spaziergang am Paseo der Reding eine ewige Ruhe aus.

Veronica Frenzel, Veronica Frenzel

Veronica Frenzel - Seit fünf Jahren arbeitet Veronica Frenzel als freie Journalistin in Málaga, Andalusien. Für das Reisejournal der Westdeutschen ...

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