William Hogarth gilt noch heute als einer der bedeutendsten englischen Künstler. Ein Individualist mit einem scharfen Auge für das Leben und mit einer großen Begabung, es auf Papier und Leinwand zu bannen.

Biografie von William Hogarth

William Hogarth wurde am 10. November 1697 in London geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf und ließ sich zum Kupferstecher ausbilden. Zwar konnte er von dem Verdienst ganz gut leben, aber Hogarth erstrebte mehr und begann eine Ausbildung in der Mal- und Zeichenschule des Hofmalers James Thornhill. Dort packte ihn nicht nur die Leidenschaft für die Malerei, sondern auch für Thornhills Tochter Jane, die er entführte und 1729 heimlich heiratete. Nachdem er einige Jahre erfolgreich conversation pieces, eine Art von Gruppen- und Familienporträts, angefertigt hatte, wandte er sich mehr und mehr der Kunst zu, für die er heute berühmt ist: der beißend-satirischen Schilderung der Ambivalenz der englischen Gesellschaft, die er vorzugsweise in Bilderfolgen darstellte. Versuche in der Historienmalerei blieben relativ erfolglos, wohingegen es eine Reihe ganz berühmter Porträts von Hogarth gibt, allen voran „Das Krabbenmädchen“ (The Shrimp Girl, 1759), das, lange vor Aufkommen des Impressionismus, durch seine impressionistische Malweise besticht. Auch der Kunsttheorie hinterließ William Hogarth mit seiner Analysis of Beauty eine bedeutende Schrift, die die klassischen Schönheitsideale in Frage stellt. 1757, als sein Stern schon im Sinken begriffen war, wurde er zum Hofmaler ernannt. William Hogarth starb 1764 in London.

Sittenbilder der englischen Gesellschaft

William Hogarths Bilderzyklen sind eine lebendige Schilderung der Gefahren der Großstadt und des moralischen Verfalls im London des 18. Jahrhunderts. Wollust, Eitelkeit, Hochmut, Trunksucht , Tierquälerei... Hogarth lässt nichts aus. In seinen Bildern kritisiert er die Zustände - und er meint es ernst, dennoch bedient er sich dabei einer satirischen, manchmal bissigen, manchmal humorvollen Darstellungsweise. Bei der Betrachtung seiner Kupferstiche und Gemälde wird klar, dass er stundenlang durch die Straßen gestreift sein muss, um derart detaillierte und komprimierte Gesellschaftsanalysen anfertigen zu können. Man spürt Hogarths Neugier, den menschlichen Charakter zu erkunden. Er stellte das trostlose Leben der unteren Schichten ebenso schonungslos dar wie die moralische Verkommenheit der hohen Gesellschaft. Letzteres brachte ihm im Laufe seines Lebens auch eine Anzahl von einflussreichen Kritikern ein.

Lebendige Bildergeschichten

Für seine Sittenbilder bediente sich Hogarth häufig der Bilderfolge. Eine Möglichkeit, um die Schritte des zunehmenden Verfalls noch drastischer darzustellen. Wie eine Theaterbühne baut er seine Bilder auf und weist so jedem einzelnen die Bedeutung eines Bühnenaktes zu. So realistisch die Darstellung auch immer sein mag, sie entbehrt nie einer perfekten Komposition. Die serpentine line, die Hogarth in seiner Analysis of Beauty als wichtiges Bildelement erklärt, findet sich in den meisten seiner Bildkompositionen wieder. Hogarths Bilder leben vor allem auch von den Details. Sie sind voll von humorvollen kleinen Anspielungen auf Vorkommnisse und Sitten der Zeit. Vieles davon entdeckt und versteht man erst auf den zweiten oder den dritten Blick.

Besonders herauszustellen sind A Rake’s Progress (8 Bilder, 1735) und Marriage à la mode (6 Bilder, 1745). Dem Problem des Alkoholismus in London sind die beiden Stiche Beer Street und Gin Lane (1751) gewidmet.

Die gemalten Bilderfolgen wurden auch als Kupferstiche ausgeführt, was eine rasche Verbreitung in ganz Europa ermöglichte. Außerdem erreichte Hogarth damit nicht nur das angestammte Kunstpublikum, sondern eine viel breitere Öffentlichkeit. Die Darstellungen waren so populär, dass Fälschungen und Raubdrucke auf den Markt kamen, gegen die Hogarth mit einem Copyright-Gesetz, dem heute noch existierenden Hogarth-Act vorging.

Stilistisch ist William Hogarth schwer einzuordnen. Seine Bilder tragen sowohl Elemente des Barock, als auch des französischen Rokoko und des Klassizismus. Seine moral pictures werden allgemein als Beginn der englischen Karikatur gesehen. Man bezeichnete ihn deshalb auch als comic history painter, als Maler der „komischen Historie“. Seinen Hang zur Satire beweist er auch in Anspielungen auf andere berühmte Gemälde, die er in seine Bilder integrierte.