
- Der Autor Frederic Forsyth - Peter Baier
Er wirkt fast wie das Klischee eines konservativen britischen Gentleman: Frederick Forsyth, Jahrgang 1938, einer der international erfolgreichsten Autoren im Genre des politischen Thrillers. Die Gesamtauflage seiner Bücher („Der Schakal“, „Die Akte Odessa“, zuletzt „Der Afghane“) liegt bei etwa 35 Millionen. Das Geheimnis seines Erfolgs: eine Mischung aus sorgfältig recherchierten Fakten und klug ersonnener Fiktion. Forsyth spricht mehrere Sprachen, davon Französisch, Deutsch und Spanisch fließend.
Suite101: Mit 17 verließen Sie die Schule, um Stierkämpfer zu werden, zwei Jahre später waren Sie der jüngste Pilot der Royal Air Force. Wie kamen Sie zum Journalismus und zur Schriftstellerei?
Forsyth: Ich wollte als junger Mann raus in die Welt, war ein unruhiger Geist. Hemingways „Tod am Nachmittag“, das vom Stierkampf handelt, faszinierte mich. Als mich mein Vater aus Spanien zurückgeholt hatte, setzte ich mir in den Kopf, Pilot zu werden. Ich hatte geradezu eine Obsession für Flugzeuge. Kaum war ich Pilot, trieb mich eine neue Idee um: Ich wollte unbedingt als Auslandskorrespondent für eine Zeitung arbeiten. Paris und das damalige Ostberlin waren zwei meiner Stationen. Von da aus war der Weg nicht mehr weit zu meiner jetzigen Tätigkeit als Autor von politischen Romanen. So entstand zum Beispiel „Der Schakal“ unter dem Eindruck der OAS-Terroristen gegen Charles de Gaulle.
Ihre Bücher gelten als spannend und zugleich detailgetreu. Woher nehmen Sie die Themen Ihrer Geschichten?
Ich schaue mich genau in der Welt um. Zeitungen, Zeitschriften, Dokumentationen und Archive sind meine Arbeitsmittel. Meist entsteht ein Thema in Form einer Frage: Kann das wahr sein? Oder: Was würde passieren, wenn ... Auch glaube ich, dass Politiker in ihren Aussagen oft lügen. Dann reizt es mich, den wahren Sachverhalt aufzudecken, wenn auch nur in Form eines Romans.
In welchem Verhältnis stehen Recherche und Fiktion in Ihren Büchern?
Das ist recht unterschiedlich. In manchen meiner Bücher halten sich beide Elemente die Waage, in anderen sind es bis zu achtzig Prozent Fakten.
Ihre Helden bewegen sich in der Welt der Agenten und Spione, die Sie sehr glaubwürdig darstellen. Gehört das eher zu den Fakten oder zu einer Fiktion nach Art von James Bond?
Da ist sehr viel wahre Substanz drin. Ich beschreibe eine versteckte Welt. Die Menschen wissen natürlich, dass Terroristen existieren, oder bezahlte Killer und Waffenhändler. Die Leute wissen aber nichts Genaues darüber. Ich enthülle meinen Lesern die verdeckte Wirklichkeit.
Wie kommt es, dass Sie viele Geheimnisträger scheinbar mühelos dazu bringen, über ihre verdeckte Welt zu erzählen?
Ich muss wohl irgendwie sympathisch sein. Aber jetzt im Ernst: Ich bedrohe ja niemanden. Wenn es sich um irgendwie gefährdete Menschen handelt, garantiere ich absolute Diskretion. Oft klappt manches auch nicht, mögliche Informanten halten sich zurück. Ganz wichtig ist aber die Eitelkeit der Leute: Man glaubt gar nicht, wie gern sich viele Menschen reden hören.
Vor einigen Jahren, „Das Schwarze Manifest“ war gerade erschienen, sagten Sie, das sei vielleicht Ihr letzter Thriller gewesen. Nun sind seitdem doch noch einige erschienen, zuletzt „Der Afghane“.
Damals erschien mir es immer schwieriger, etwas zu finden, worüber ich noch nicht geschrieben habe. Aber dann kam der 11. September mit all’ seinen Folgen. Nun gibt es Themen in Hülle und Fülle für mich.
Was wird Ihr nächstes Projekt sein?
Forsyth: Darüber bin ich mir noch nicht im Klaren. Manchmal denke sich sogar, dass ich auf meine alten Tage zum Journalismus zurückkehre. Ich glaube, da würden einige Leute etwas blass werden. Auch hier gibt es für mich genug Themen. Eines brennt mir ganz besonders unter den Nägeln: die Zukunft Europas. Da sehe ich ganz, ganz schwarz.
