Der Erste Weltkrieg ist nach 92 Jahren endlich vorbei

Der Erste Weltkrieg für Deutschland vorbei - Helmut Markgraf / pixelio.de
Der Erste Weltkrieg für Deutschland vorbei - Helmut Markgraf / pixelio.de
Am 03. Oktober 2010 endet der Erste Weltkrieg für Deutschland. Der deutsche Staat tilgt die letzten Schulden von 69,9 Millionen Euro Reparationszahlungen.

Am 03. Oktober 2010, 92 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918) ist ein unangenehmes Kapital deutscher Geschichte für die Bundesrepublik Deutschland endgültig Geschichte, zumindest aus finanzieller Sicht. Die letzte Rate der Reparationszahlungen ist an diesem Sonntag, dem Tag der Deutschen Einheit fällig.

Punkt 2.1.1.6 im Bundeshaushalt 2010 - „Bereinigte Auslandsschulden (Londoner Schuldenabkommen)“

Die letzte Rate in Höhe von 69,9 Millionen Euro steht im Bundeshaushalt 2010 unter Punkt 2.1.1.6 - „Bereinigte Auslandsschulden (Londoner Schuldenabkommen)“. Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Versailler Vertrag von 1919 verpflichtet, Entschädigungen finanzieller Art für die Kriegskosten der anderen Staaten und die Zerstörungen durch den Ersten Weltkrieg zu leisten. Während des Zweiten Weltkriegs wurden diese Zahlungen durch Adolf Hitler und sein Naziregime gestoppt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 übernahm der westdeutsche Staat einen Teil dieser Zahlungsverpflichtung aus dem Versailler Vertrag von 1919. Deutschland beglich die übernommenen Schulden bis zum Jahr 1983. Denn laut dem "Londoner Schuldenabkommen" von 1953 sollte ein Betrag in Höhe von circa 125 Millionen Euro, für die Zinsen auf die Auslandsanleihen, erst dann für den deutschen Staat fällig werden, wenn Deutschland wiedervereinigt wäre und die BRD und die DDR einen gemeinsamen deutschen Staat bilden würden.

Am 03. Oktober 1990 fand die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten statt und seit 1996 zahlt das nunmehr wiedervereinigte Deutschland wieder die Kriegsschulden aus dem Ersten Weltkrieg ab. Am 03. Oktober 2010 - einem historischen Datum 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung ist die letzte Rate fällig. Das Kapitel "Erster Weltkrieg" kann für die Bundesrepublik Deutschland aus finanzieller Sicht ad acta gelegt werden.

Der Erste Weltkrieg forderte von 1914 bis 1918 rund 17 Millionen Menschenleben

Den Auslöser für den Ersten Weltkrieg bildete das "Attentat von Sarajevo" auf den österreichischen Thronfolger Franz-Ferdinand und dessen Frau Sophie am 28. Juni 1914 durch die bosnisch-serbischen Gavrilo Princip. Durch dieses Attentat brachen große Unruhen aus und einen Monat später begann der Erste Weltkrieg. Ursprünglich bahnte sich ein sogenannter lokaler Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Serbien um die Vorherrschaft auf dem Balkan an. Doch Deutschland sicherte durch die Blankovollmacht Österreich-Ungarn seine volle Unterstützung zu. Diese Blankovollmacht sah ein deutsches Eingreifen im Falle eines russischen Eingreifens vor. Am 25. Juli 1914 beschloss Russland, die Serbien militärisch zu unterstützen. Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich Serbien den Krieg - der Erste Weltkrieg begann.

Gerade das Verhalten von Deutschland war ein wichtiger Ausgangspunkt für die politisch brisant diskutierte Kriegsschuldfrage im Vertrag von Versailles von 1919. Noch heute wird über diesen Punkt diskutiert. Hierbei gehen die Ansichten darüber auseinander, ob Inkompetenz und mangelnde Verhandlungsbereitschaft, nicht nur in der deutschen Führungsschicht, Europa in diesen Krieg stürzten.

Der Erste Weltkrieg hatte für die beteiligten Staaten eine verheerende Bilanz. Unter den Kriegssoldaten gab es zehn Millionen Todesopfer und etwa 20 Millionen Verwundete zu beklagen. Dazu kamen rund sieben Millionen Tote aus der Zivilbevölkerung. Für Deutschland leisteten 13,25 Millionen Soldaten ihren Dienst im Ersten Weltkrieg, wovon zwei Millionen ihr Leben ließen. Für Russland zogen 12 Millionen Soldaten in den Krieg, davon starben 1,85 Millionen. 8,1 Millionen Franzosen kämpften im Ersten Weltkrieg, davon kehrten 1,3 Millionen nicht nach Hause zurück. Die Briten verloren 850.00 ihrer insgesamt sieben Millionen Soldaten. Österreich-Ungarn schickte 7,8 Millionen Soldaten in den Krieg, davon starben 1,5 Millionen. Italien beklagte 700.00 Todesopfer unter seinen fünf Millionen Soldaten. Serbien verlor durch den Ersten Weltkrieg etwa elf Prozent seiner gesamten Bevölkerung und Montenegro etwa 16 Prozent.

Bildnachweis: (c) Helmut Markgraf / pixelio.de

Stephan Schulz, (c) Stephan Schulz

Stephan Schulz - Stephan Schulz schreibt seit Jahren erfolgreich für diverse Printmedien (unter anderem die Fachzeitschrift "Computer" und die ...

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