Der Eurasische Luchs

Leiser Jäger mit großen Pinselohren und Backenbart

Ausgewachsener Luchs - hauku@pixelio.de
Ausgewachsener Luchs - hauku@pixelio.de
Luchse waren lange Zeit in vielen Teilen Mitteleuropas so gut wie ausgerottet. Neben Krankheiten waren vor allen Dingen Verkehrsunfälle am Aussterben der Katzen schuld.

Mit dem Begriff „Luchs“ wird in unseren Breiten fast ausschließlich der Eurasische Luchs oder auch Nordluchs (Lynx Lynx) bezeichnet, der gleichzeitig auch die größte Katzenart Europas darstellt. Das Revier eines männlichen Luchses erstreckt sich in der Regel über ein Territorium von 100 bis 300 Quadratkilometern. Bei den Weibchen ist es etwas weniger. Die ursprünglich in ganz Europa beheimatete Großkatze duldet in dem von ihr beanspruchten Gebiet keine weiteren, gleichgeschlechtlichen Artgenossen um sich, weshalb sich die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung durch die Verlagerung ihrer Reviere aus dem Weg gehen und so auch unter idealen Bedingungen nur selten zu mehreren anzutreffen sind.

Ausrottung und Wiederansiedlung

Die Größe der von den Luchsen beanspruchten Naturräume war neben Faktoren wie häufigen Verkehrsunfällen auf dem immer dichter werdenden Straßennetz und oftmals von Hauskatzen übertragenen Krankheiten der Hauptgrund dafür, dass die Tiere im immer dichter besiedelten Europa lange Zeit vielerorts ausgerottet waren. Mittlerweile wurden die Großkatzen in der Schweiz, im Bayrischen Wald, in Tschechien und in Slowenien wieder in bestimmten Gebieten angesiedelt. Natürliche Restpopulationen von Luchsen konnte man zuletzt nur noch in den weiten unberührten Landschaften von Skandinavien, Spanien und auf dem Balkan vorfinden.

Pinselohr und Backenbart

Das sich nur zur Paarungszeit (Ranzzeit) vom Einzelgängertum verabschiedende Tier siedelt sich mit Vorliebe in weitläufigen Wald- und Buschgebieten an. Hier findet der Pirschjäger, der nur im Falle von Gefahr auf Bäume klettert, für seine Jagd nach Beute ideale Bedingungen vor. Ein typischer Luchs hat in etwa die Größe eines Schäferhundes, für eine Katze ungewöhnlich hohe, schlanke Beine und einen kurzen, stummelförmigen, am Ende gestutzt wirkenden Schwanz. Sein Gewicht beträgt beim Männchen etwa 20 Kilogramm, beim Weibchen etwa 15 Kilogramm. Besonders markant und als das Markenzeichen des Luchses geltend sind die großen, dreieckigen Ohren mit ihren bis zu vier Zentimeter langen, schwarzen Haarpinseln an der oberen Spitze. Sie dienen der Verbesserung des Hörsinns der Tiere. Außerdem charakteristisch für die Großkatze ist der oftmals stark ausgeprägte Backenbart an beiden Seiten des Gesichtes. Das Fell kann in der Farbe tendieren zwischen fahlgrau und rotgelb, dabei weist es, je nach Tier und Jahreszeit, nur wenige bis viele schwarze Flecken auf.

Hasen und Rehe auf dem Speiseplan

Neben ihrem ausgezeichneten Hörvermögen haben Luchse mit Hilfe ihrer großen ockerfarbenen Augen sowohl bei Tag als auch in der Dunkelheit die Fähigkeit, kleinste Bewegungen ihrer potentiellen Beutetiere wahrzunehmen. Jagd macht der Luchs sowohl auf kleine Säugetiere, wie Mäuse oder Hasen, als auch auf große Huftiere, wie Rehe und Hirsche. Pro Tag benötigt ein ausgewachsenes Tier etwa 1,1 Kilogramm Fleisch, um seinen Hunger zu stillen. Hat der Luchs ein größeres Huftier, zumeist mit Hilfe eines Kehlbisses, erbeutet, kehrt er mehrere Male hintereinander an aufeinander folgenden Tagen zu seiner Beute zurück, um davon zu fressen.

Paarungszeit und Nachwuchs

Die Ranzzeit des Luchses ist im Zeitraum zwischen Februar und April angesiedelt. Weibchen sind für gewöhnlich ab dem zweiten Lebensjahr, Männchen erst ab dem dritten Lebensjahr zeugungsfähig. Das Männchen hält sich für gewöhnlich mehrere Tage in der Nähe des Weibchens auf, bis dieses signalisiert, dass es zur Paarung bereit ist. Nach dem nur wenige Minuten andauernden Paarungsakt dauert es etwa 70 bis 75 Tage, bis die zwei bis fünf Jungen in einer Felshöhle oder unter dem Wurzelgeflecht eines dicken Baumes zur Welt kommen.

Kinderstube und Eigenständigkeit

Die Kleinen sind bei der Geburt bereits behaart, jedoch die ersten zwei Wochen ihres Lebens noch blind. Die Mutter kümmert sich in den nächsten Monaten bis zu ihrem ersten Lebensjahr allein um die Jungen. Etwa vier Wochen nach der Geburt beginnen sie bereits, von der Mutter erlegtes Fleisch zu fressen, werden aber trotzdem von ihr bis zu ihrem fünften Lebensmonat gesäugt. Nach etwa einem Jahr sind die Jungen ausgewachsen und werden von der Mutter aus deren Revier vertrieben. Um zu überleben, müssen sie sich nun eigenständig ein eigenes Jagdrevier suchen. Luchse werden in freier Wildbahn durchschnittlich 10 bis 15 Jahre alt. In Gefangenschaft können sie sogar ein Alter von etwa 25 Jahren erreichen.

Stephanie Riechelmann, Stephanie Riechelmann

Stephanie Riechelmann - Hallo liebe Leser! Willkommen in meinem Profil! Ein paar Dinge über mich: Ich bin studierte Sozialwissenschaftlerin, 36 Jahre ...

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