
- Gesundheitsschäden durch Wachstum per Spritze - Andrea Damm
Mitten hinein in die schöne Olympia-Welt platzt der neueste Dopingfall eines britischen Rugby-Spielers. Eines was? Die Person ist dabei weit weniger wichtig als bei den berühmten Sportlern, denen Dopingpraktiken vorgeworfen oder nachgewiesen wurden. Es handelt sich nicht um Größen wie Lance Armstrong, Jan Ullrich, Claudia Pechstein, sondern um einen (zugegeben) bekannteren Sportler aus einer Randsportart. Das entscheidende bei dem Fall ist also nicht der Name, sondern die nachgewiesene Substanz.
Wachstumshormone als letzte Doping-Bastion
Den Forschern der LMU-München gelang der Nachweis von injizierten körpereigenen Wachstumshormonen bereits 1999 und veröffentlichten ihre Ergebnisse in der angesehenen Fachzeitschrift Lancet. Danach ließ sich die Wada Zeit und prüfte ganz genau nach, ob die Methode auch den Fehler zweiter Art, also Dopingbezichtigungen sauberer Sportler, ausschließt. Nach elfjähriger Abwägung kommt das Verfahren seit einigen Monaten zur Anwendung und überführte sogleich Terry Newton, der als Rugby-Profi jetzt zwei Jahre aussetzen muss. Die Wirkungen des Hormons HGH (human growth hormone) lesen sich wie en Wunschzettel eines Sportlers: verstärkter Muskel- und Knochenaufbau und vermehrter Fettabbau.
Größere Muskeln, weniger Fett
Mit dieser Erkenntnis wuchs in den letzten Jahren der Markt für solche Präparate, vor allem im Bereich der Kraft- und Schnellkraftdisziplinien. So verfügen HGH-nutzende Bodybuilder über eine größere Muskelmasse und damit einhergehend einer breitere Taille, aufgeblähte Bäuche und sogar eine unnormale Form des Kiefers. Während die gewollten Reaktionen des Körpers auf obige kurze Formel gebracht werden können, bilden die Nebenwirkungen eine lange Liste, die sich liest wie eine Aufzählung von Dingen, mit denen man auf gar keinen Fall etwas zu tun haben will. Vor allem die Reaktion des Körpers, die eigene Ausschüttung des Hormons in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zurückzufahren müsste jeden normal denkenden Menschen vor dem Gebrauch zurückschrecken lassen. Damit begibt sich der Nutzer in eine Abhängigkeit, die durch die Verringerung der Insulinausschüttung noch gesteigert wird. Das muss anschließend nämlich zusätzlich aufgenommen werden und am Ende steht der "Sportler" jeden Tag vor einem Medikamentenmix, ohne den der Körper nicht mehr funktioniert.
Aufruhr in Sportlerkreisen
Nun unterliegen Bodybuilder nicht dem Antidopingprogramm der Wada und somit zumindestens von weltlicher Seite vor strafen gefeit. Ganz anders aber liegt die Sache bei den Athleten bei Olympia und den spezifischen globalen und kontinentalen Meisterschaften. David Howman, Direktor der Wada warnt bereits: "Die Botschaft an die Sportler, die ihre Leistung unerlaubt mit Wachstumshormon steigern wollen, ist ganz klar: Wir kriegen euch." Ob diese Ankündigung oder die wirklich erzielten Ergebnisse die größeren Wellen schlagen wird, bleibt abzuwarten. Die Dopingtests müssen innerhalb 24, höchstens 36, Stunden nach Einnahme durchgeführt werden, das heißt, es kommen nur unangemeldete Trainingskontrollen in Frage. Für die dopingfreie Sportwelt – die es zum Glück noch gibt – wäre es ein weiterer Schritt hinein in das Rampenlicht, wenn weitere Betrüger überführt werden und aus den Wettkämpfen ausscheiden. Vor allem ist es aber wieder ein Zeitpunkt, um weniger über den Leistungsaspekt, sondern mehr über den gesundheitsschädlichen Aspekt, des Dopingsnachzudenken.
