
- Collioure: 1905 Geburtsstätte des Fauvismus - wikimedia/minto
Nur knapp drei Jahre dauerte der Fauvismus in seiner Kernphase und ist damit eine der kürzesten Stilepochen der Kunstgeschichte.
Die Grundlagen des Fauvismus
Der Fauvismus basierte weder auf einer eigenen Theorie noch auf einem Manifest wie z.B. der Futurismus. Er entstand aus dem Wunsch, den Impressionismus mit seiner Flüchtigkeit und seinen zarten Farben hinter sich zu lassen. Die Theorien des Divisionismus nutzend, suchten die Maler jedoch nach einer neuen Ausdrucksform.
Die kräftigen Farben von Vincent van Gogh, die Umrisslinien von Edvard Munch, die Plakativität der Gemälde von Paul Gauguin, die wissenschaftlichen Farbtheorien des Georges Seurat - all das waren Grundlagen für den Fauvismus.
Zum Begriff "Fauvismus“ und seiner Entstehung
Vom französischen Wort fauves (wilde Tiere) leitet sich die Bezeichnung "Fauvismus“ ab. Wie auch der Begriff "Impressionismus“ war der Terminus „Fauvismus“ ursprünglich abwertend gemeint. Er stammte aus der Feder des Kunstkritikers Louis Vauxcelles, der die Ausstellung des Salon d’Automne 1905 besucht hatte. Inmitten des Ausstellungssaales mit all den bunten, modernen Gemälden hatte er eine Plastik im Stil des Renaissance-Bildhauers Donatello entdeckt und schrieb folglich: "Donatello aux milieu des fauves" (Donatello unter den Wilden). Damit gab er den Malern der Pariser Avantgarde einen neuen Namen. Die Künstler selbst, die zu dieser Gruppe gezählt wurden, lehnten es ab, sich Fauves zu nennen.
Die Maler des Fauvismus
- Henri Matisse (1869-1954) gilt heute als der führende Vertreter des Fauvismus. Als einziger Maler blieb er dem Stil des Fauvismus bis zum Lebensende weitgehend treu. Zusammen mit André Derain und Maurice de Vlaminck hatte er im Sommer 1905 einige Zeit in dem Fischerdorf Collioure verbracht. Dort hatten die Maler experimentiert und gemeinsam zu einem neuen Stil gefunden. Die Bilder dieses produktiven Künstler-Sommers wurden u.a. im Pariser Herbstsalon (Salon d'Automne) gezeigt, wo sie schließlich mit dem Namen Fauvismus betitelt wurden.
- Maurice de Vlaminck (1876-1958)
- André Derain (1880-1954)
- Georges Rouault (1871-1958)
- Raoul Dufy (1877-1953)
- Kees von Dongen (1877-1968)
- Othon Friesz (1879-1949)
- Albert Marquet (1875-1947)
- Charles Camoin (1879-1965)
- Henri Manguin 1874-1949
- Louis Valtat (1869-1952)
Merkmale des Fauvismus
- In Abgrenzung zum Impressionismus bevorzugen die Fauvisten leuchtende, ungebrochene Farben, die sie mit Vorliebe auch noch in Komplementärkontrasten nebeneinander setzen. Ein Stilmittel, dessen sich bereits der Pointillismus bediente: Die Komplementärkontraste sollten die Leuchtkraft der Farben noch verstärken.
- Die Gegenstandsfarbe wird zugunsten der Ausdrucksfarbe aufgegeben. Die Farbwahl wird getroffen aufgrund subjektiver Wahrnehmung und innerer Gemütsverfassung.
- Auch der Realismus der Proportionen weicht zugunsten der Gesamtwirkung. Gegenstände werden vereinfacht, verzerrt, überzeichnet.
- Die Darstellungen wirken flächig und auf perspektivische Tiefe wird weitgehend verzichtet. Verstärkt werden Umrisslinien verwendet, die die plakative Wirkung noch steigern.
- Farbe und Form werden zum Ausdrucksmittel. Die Komposition der Farbflächen auf der Leinwand steht im Vordergrund des Schaffens – das Bildmotiv ist zweitrangig.
- Die Fauvisten haben vieles mit den deutschen Expressionisten gemeinsam. In einem Punkt unterscheiden sie sich jedoch: sozialkritische oder symbolische Themen, gesellschaftliches Engagement finden sich im Fauvismus nicht. Die Bildinhalte der Fauvisten sind Porträts, Landschaften und Stillleben – ohne tiefere Bedeutungsebene.
Für die meisten der oben genannten Künstler war der Fauvismus eine Phase des Experimentierens. Eine Loslösung vom Impressionismus auf dem Weg zum Kubismus oder in die Abstraktion.
