
- Ein junger Feldhase - Albrecht Dürer
Eines der wohl bekanntesten Tiere in Deutschland ist der Feldhase. Er kommt in Märchen und Fabeln vor und ist untrennbar mit unserer Vorstellung von ländlichem Idyll verbunden. Allerdings geht es ihm alles andere als gut, auch wenn es übertrieben ist, ihn auf die Rote Liste zu setzen, wie das teilweise bereits geschehen ist.
Der Feldhase, ein Steppentier
Der Feldhase ist eigentlich ein Steppentier, das aus Innerasien stammt. Im seinerzeit praktisch vollständig bewaldeten Deutschland kam er zur Zeit der Germanen nicht vor. Erst als im Mittelalter immer größere Flächen gerodet und in Felder und Wiesen verwandelt worden waren, konnte er bei uns Fuß fassen.
Tatsächlich nennt man die heutige Feldflur auch Agrarsteppe, vor allem deswegen, weil sie so ausgeräumt ist und man mancherorts meilenweit weder Baum noch Strauch sieht. Jedoch auch die frühere, eher kleinräumige Feldflur mit Hecken und Feldgehölzen bot Meister Lampe steppenähnliche Bedingungen.
Der Hase liebt es warm und trocken. Ein lange andauernder Winter und/oder ein nasskaltes Frühjahr sind Gift für ihn. In solchen Jahren haben nicht nur sein erster Satz Junge, sondern auch der zweite kaum Überlebenschancen. Ebenfalls schädlich für Meister Lampe ist ein feuchtwarmer Herbst. Dann ist für ihn das Risiko an der oft tödlichen Myxomatose zur erkranken, besonders hoch.
Moderne Landwirtschaft schadet dem Hasen
Ein vom Menschen verursachtes Problem des Feldhasen ist die moderne Landwirtschaft. Dabei sind die flurbereinigten Agrarsteppen ohne Hecken und Gehölze noch nicht einmal das größte Problem. Die Deckung durch Hecken, Gebüschen und Feldgehölze nutzt nämlich nicht nur Meister Lampe, sondern auch seinem Erzfeind dem Fuchs. Hase und anderes Niederwild kann sich dort zwar verstecken, aber das weiß auch der Fuchs und nutzt solche Strukturen bevorzugt als Jagdgründe.
Schlimmer ist die veränderte Bewirtschaftung der Wiesen. Hier hatten sich über Jahrhunderte Pflanzengesellschaften eingestellt, die auf die Heuernte im Juni angepasst waren, sprich, es gab hier Pflanzen, die bis zu diesem Zeitpunkt bereits ausgesamt hatten. Durch die Umstellung auf Grassilage werden die Wiesen wesentlich früher gemäht. Das nimmt nicht nur dem Hasen die Deckung für seine Jungen im Frühkahr, sondern lässt auch das Biotop verarmen. Alles, was nicht bis zum ersten Grasschnitt ausgesamt hat oder es eventuell zwischen den einzelnen Schnitten schafft, verschwindet. Daher sind unsere heutigen Wiesen meist sehr artenarm.
Der Hase ist jedoch auf artenreiche Wiesen angewiesen: Nach einem alten Merkspruch benötigt er die „siebenundsiebenzig Kräutlein der Hasenapotheke“ um gesund zu bleiben. Natürlich darf man die Zahl 77 nicht wörtlich nehmen. Tatsächlich jedoch ist der Feldhase darauf angewiesen, dass er sehr viel verschiedene Pflanzen fressen kann, was ihm durch die Silagewirtschaft eben verwehrt ist.
Ein weiteres Problem ist sein Feind, der „Erzschelm Reineke Fuchs“, wie man ihn früher gerne nannte. Der rote Räuber kommt im Gegensatz zu Meister Lampe sehr gut mit den veränderten Bedingungen in der Feldflur zurecht. Daher gibt es ihn in großer Zahl, so das die Gefahr, von ihm erwischt zu werden, für jeden einzelnen, der wenigen Hasen recht hoch ist.
