Seit 2003 zeichnet die UNESCO nicht nur Denkmäler und Landschaften als schützenswürdige Kulturgüter aus, sondern auch Volkstraditionen, Gebräuche und Sitten. So nahm sie Mitte November auf ihrer Jahreskonferenz 2010 in Nairobi 46 immaterielle Kulturgüter in ihre Liste auf.

Wenn etwas für typisch Spanisch steht, mit dem auch immer wieder geworben wird, dann ist es der Flamenco. Fälschlicherweise wird er oft nur als Tanz schwarzhaariger Schönheiten in Rüschenkleidern gesehen. Flamenco aber steht ursprünglich nicht für den Tanz, es war der wehmütige Gesang der Gitanos, der Zigeuner, dargeboten zunächst nur von Männern. Der Tanz kam erst später, ebenso die Gitarrenbegleitung.

Was ist Flamenco wirklich?

Es wird überliefert, dass vor allem die Zigeuner aus Indien diese Kunstform im 15. Jahrhundert nach Andalusien brachten. In Cante, das ist der Gesang, Baile für den Tanz und Toque, das bedeutet die Gitarrenbegleitung, teilt man den Flamenco auf. „Cante jondo“ oder „Cante grande“ nennt man den Gesang, der Schwermut ausdrückt mit den Themen Leid, Verfolgung, unglückliche Liebe. Erst im 19. Jahrhundert kam der „Cante chico“ hinzu, das heißt übersetzt „der kleine Gesang“, der lebensfroh und witzig sein kann, meist in den sogenannten Sevillanas vorkommt.

Der Tanz kam erst nach dem Gesang

Um diese Zeit, also im 19. Jahrhundert, kam die Interpretation des Flamenco in Tanzform auf, zunächst auch nur für Männer, später für Frauen. Der Tanz der Männer besticht dabei durch eine komplizierte schnelle Fußtechnik, begleitet vom Gitarrenspiel und dem Klatschen der begleitenden Künstler. Dieses Klatschen wird ähnlich einem Kanon gegengleich ausgeführt. Bei den Frauen kamen dann die eleganten Hand- und Armbewegungen hinzu. Immer aber ist der Flamenco auch eine persönliche Art der Interpretion. Ursprünglich war auch der Flamenco ein Soloauftritt der einzelnen Künstler, ist er heute noch, wenn man den bedeutendsten modernen Vertreter, Joaquín Cortés, beobachtet. Doch treten sowohl Mann und Frau auch zusammen auf. Das ähnelt dann mehr einem symbolischen Stierkampf, bei dem die Frau der Torereo, der Mann der Stier ist, auch eine Interpretation des Geschlechterkampfes.

Die spanische Gitarrenmusik

Apropos Gitarre: Aus dem Flamenco entwickelte sich das, was wir heute laienhaft die „spanische Gitarrenmusik“ nennen. Doch ist sie heute nicht nur Begleitinstrument, sondern daraus entwickelte sich ein eigener Flamencostil. Hier ist der herausragende Vertreter Paco de Lucía aus Algeciras an der Costa de la Luz, der bereits unter anderem mit dem Prinz-von-Asturien-Preis ausgezeichnet wurde, dem spanischen Oscar, wie er auch genannt wird.

Der moderne Flamenco und der Tourismus

Reduziert und weniger streng wird er heute in Touristenlokalen vor allem als Tanz aufgeführt, nachdem er seinen Siegeszug durch sogenannte Tablaos, Flamencolokale, die es in allen größeren Städten Spaniens gibt, angetreten hatte. Die Flamencozentren bilden Sevilla, Jerez und Puerto de Santa Maria, letzteres nimmt für sich den Ruf als Geburtsstätte des Flamencos in seinem Zigeunerviertel in Anspruch.

Auch in Deutschland schießen Flamencoschulen allerorten aus dem Boden, doch selbst die einheimischen Spanierinnen, die diesen Tanz beherrschen und bei ihren Ferias zeigen, geben zu, dass die wahren Interpreten des Flamenco von den Gitanos kommen, oder um es wieder mit einem ihrer Stars, mit Diego de Cigala zu sagen: “Der Flamenco ist mit der Zigeunerrasse verbunden“.