
- Wüste - N. Kasraian
Bei der ersten Begegnung hat sie ihn abgewiesen. Er sah eine langweilige, sich bis zum Horizont hinziehende Ebene, hinten am Horizont einen dunklen Strich, und dann den Himmel. Zwei langweilige Flächen, unterbrochen durch einen Strich. So notierte es seinerzeit Nasrollah Kasraian. Das war nichts für die Kamera. Doch dann hat sie sich ihm geöffnet, ganz langsam und immer intensiver. Und so wurde es eine bis heute währende Liebesbeziehung zwischen den Wüsten des Iran und dem 1944 im iranischen Khorramabad geborenen Fotografen, der heute zu den wichtigsten und bekanntesten auf der Welt zählt. Nasrollah malt die Wüste in all ihren Facetten und Schattierungen – und es hat in der Tat etwas Erotisches.
Dünen wie schlanke Leiber nackter Frauen
Im Jahr 2009 hat der Fotograf einen neuen Bildband veröffentlicht, der ganz seiner großen Liebe gewidmet ist. „Deserts of Iran“ heißt der schlichte Titel. Der voluminöse Band erzählt die Geschichte vielfältiger Begegnungen. Hier gibt es faszinierende Bilder: Langgezogene Wanderdünen, die sich hinstrecken wie der geschmeidig-schlanke Körper einer nackten Frau, von Schlagschatten durchbrochene, vom Wind hoch gewirbelte und darum bedrohlich-zackig wirkende Dünen-Ensembles, dann Bilder von Wüstendörfern und Städten, in demselben gelblich-braunen Ton gehaltenen wie die karge Wüste ringsum. Dann wieder poetisch kleine Ausschnitte: Leichte Fußspuren von Vögeln im Wüstensand, ein kleiner Grashalm, der keck aus der Düne hoch ragt, oder auch die kräftige Bahn einer Kamelherde, die den Grund stapfend aufgewühlt hat. Man sieht diese Fotos und hört dabei den Wind über die Wüste pfeifen.
Der Flughafen von Teheran – und die Slums daneben
Nasrollah Kasraian liebt sein Land. Er zeichnet im Foto auch die zerknitterten Gesichter der Alten nach, den kecken Augen-Blick junger Schöner – er zeigt Kinderarbeit am Webstuhl und schwere Arbeit auf kargem Land. Er hat den modernen Flughafen von Teheran mit seinem hochragenden Tower fotografiert. Aber dies Bild wird bestimmt von einer Ansammlung armseliger Hütten im Vordergrund, den Slums. Gesellschafts- und Sozialkritisches findet sich beispielsweise in dem Fotoband „Transition“; dort sind Fotos aus der Zeit zwischen 1967 und 1980 gesammelt. Diese Bilder, dem Thema gerecht, sind in Schwarz-Weiß gehalten.
Veröffentlichungen in „GEO“, „Life“ oder „Airone“
Eigentlich ist Nasrollah Kasraian studierter und diplomierter Jurist. Aber das Fotografieren hat ihn schon seit 1966 fasziniert. Das Abbild seines Landes und der dort lebenden ethnischen Minderheiten sind seine Themen. Davon zeugen besonders die Illustrationen zu zwei Büchern: „The nomadic people of Iran“ von Richard Tapper und JohnTompson sowie der Fotoband „Persepolis“, den er zusammen mit Mahrdad Bahar gestaltet hat. Kasraian ist national wie international mehrfach für sein fotografisches Werk ausgezeichnet worden; In Iran und Japan beispielsweise sind seine Werke als „Das Fotobuch des Jahres“ gewürdigt worden . Seine Fotos erscheinen in der deutschen Zeitschrift „GEO“ genauso wie in „Life“ oder „Airone“ (Italien).
Verheiratet ist Nasrollah Kasraian mit der Soziologin Ziba Arshi, die zumeist die Texte zu den Fotos beisteuert. Die älteste Tochter lebt in Deutschland. Sie produziert in der Redaktion "Deutschkurse der Deutschen Welle" in Bonn Online-Angebote zum Erlernen der deutschen Sprache.
Ergänzende Informationen: Fotokurs (In englischer Sprache)
