
- Kallmünz am Fünf-Flüsse-Radweg - Judith Weibrecht
Start und Ende ist in der mittelalterlichen Stadt Nürnberg, von wo aus es zunächst auf Radwegen parallel zur Pegnitz Richtung Hersbruck geht. In der bundesweit beliebten Region für Radurlauber liegt der Beginn dieser Radtour: in Franken. Hinter Hersbruck geht`s weiter zum Happurger Stausee, runter vom Rad und ab ins kühle Nass. Am Radweg selbst ändert sich bis Weigendorf wenig. Hier jedoch biegt er ab auf eine schmale, kleine Nebenstraße ins liebliche Hörgenbachtal nach Oed, wo einer der vielen schattigen Biergärten der Hersbrucker Schweiz lockt. Hinter Etzelwang radelt man auf einer Art Feldweg, dann auf einer ruhigen Nebenstraße vorbei an Schönlind. Hier überquert man die europäische Haupt-Wasserscheide und landet schließlich in der historischen Herzogstadt Sulzbach-Rosenberg. Beim Gasthaus „Drei Mohren“ in Poppenricht sind Rollerblader und Radler im Schatten des Hauses friedlich vereint. Der Wirt ist entsetzt: „Wie komma ba der Hitzn blouß mitm Radl foahrn!“. Vielleicht liegt’s ja am guten Winklerbier. Die Oberpfälzer sind freundlich. Man hat Zeit, auch für Fremde, jedenfalls nachdem man sie eine Zeit lang beobachtet hat.
Der Radweg ab Amberg
Der Radweg zwischen Amberg und Schmidmühlen, nun entlang der Vils, verdient höchstes Lob: Eine aufgeschüttete, ehemalige Bahntrasse ist bequem zu befahren und gut ausgeschildert. Im ehemaligen Bahnhof Theuern befindet sich denn auch ein brechend voller Biergarten, wo es kleine Häppchen zu essen und natürlich jede Menge Getränke für Radfahrers durstige Kehle gibt. „Tour de Vils“ steht daneben auf einem gemalten Schild zu lesen.
Gerne werden Radfahrer von der lustigen Wirtin Wally in Ensdorf im „Vilsthaler Hof“ aufgenommen. Das Rad wird in den Carport verfrachtet und ab geht’s zu den lokalen Spezialitäten, diversen Braten mit Klößen. Später ist immer noch Zeit für die örtlichen Sehenswürdigkeiten, z. B. für die Asamkirche St. Jakob mit ihren barocken Fresken.
Radtour an der Vils und über die Donau
Ab Schmidmühlen Radweg de Luxe: am schattigen Waldrand die Vils entlang, glatt asphaltiert. Radler grüßen sich mit „Grüaß Gott!“, und selbst die Schulkinder sind schon an die Fahrradklingeln gewöhnt: „Radl!“ rufen sie einander zu und spritzen auseinander. Steil steigen die Jurafelsen hinter Kallmünz auf. Man sitzt unter Linden, Kastanien und Platanen an der hier gestauten Vils, die man nun verlassen muss, denn weiter wird am Naabtalradweg gestrampelt.
Ab der Wallfahrtskirche Mariaort folgt man bis Neumarkt den Schildern der „Tour de Baroque“. Laut Karte geht`s über die Eisenbahnbrücke. Also hoch das Rad über die Donau und weiter flussaufwärts! In Matting, der Name ist Programm, sitzen matte Radfahrer im zünftigen Wirtsgarten, bevor die meisten in die alte Wittelsbacherstadt Kelheim weiterstrampeln und in die liebliche Landschaft des Altmühltals, wo müde Biker folgenden Trick anwenden: Mit einem der schmucken Schiffe der Personenschifffahrt Steibl entlang der wildromantischen Kulisse der Jurafelsen bis Riedenburg oder Berching tuckern. Räder können mit an Bord genommen werden.
Radpause auf dem Schiff
Steuerbords liegt der Radweg, und so gleitet man auf dem Wasser vorbei am Kanaldurchstich bei Kelheim, an Essing mit seiner Burg, an waldreichen Anhöhen und bizarren Felswänden. Man fährt unter Europas größter Holzspannbrücke hindurch und an Schloss Prunn vorbei bis Riedenburg, wo man das gastliche Schiff verlassen und wieder auf seinen Pedalesel steigen kann.
Staub sollst du fressen, und das mit Lust! Der Weg längs des Main-Donau-Kanals ist mit Kalksplitt aufgeschüttet, der selbst knallrote Ortliebpacktaschen in kürzester Zeit mit einer gräulichen Schicht überzieht. Ergraut erreicht man Berching, das 1100-jährigen Städtchen mit Stadtmauer und Stadttoren im Naturpark Altmühltal, der beliebtesten bayerischen Urlaubsregion. Dort sitzt man unter Schirmen vor den Wirtschaften und lässt „den Herrgott an gutn Mo sei“. Ein Plakat kündet von einer Stadtführung per Rad mit dem Bürgermeister. Radler scheinen hier willkommen zu sein. Und wirklich werden Radfahrer aufs freundlichste im Gasthaus und Hotel „Zur Blauen Traube“ empfangen, wo es fürs Radl sogar einen abschließbaren Stadl und für den Körper erst mal eine „Oberpfälzer Brotzeit“ gibt.
Am Ludwigskanal entlang per Fahrrad
Über abgelegene Landstraßen vorbei an Freystadt nach Neumarkt führt der Weg zum idyllischen Ludwigs-Kanal, wo er auf ehemaligen Treidelwegen verläuft. Immer wieder tauchen ehemalige Schleusenwärterhäuschen auf und schließlich das Treidelschiff „Elfriede“.
Auch hier: Kein Mangel an Biergärten! Der mit Abstand größte allerdings, der fast Kultstatus hat, ist der urige Riesenbiergarten am Brückkanal, wo scheinbar Tausende von Radlern aus dem nahen Nürnberg und Umgebung Tausende von Radlermaßen in sich hineinschütten.
„Allmächd!“, wie ein Franke sagen würde, man nähert sich schon dem Ende. Nun heißt es nur noch vorbei an Wendelstein zurück nach Nürnberg rollen und wie alle Auswärtigen am Ring des Schönen Brunnens am Hauptmarkt drehen. Das bedeutet: ich komme wieder!
Informationen
Fünf Flüsse und zwei Kanäle begleiten den Radweg. Immer am kühlenden Wasser entlang und stets einen schattigen Biergarten in der Nähe. Für Flüssigkeit in jedweder Form ist also gesorgt! 310 Kilometer lang. Weitere Informationen, Radwanderführer und Karten gibt es auf der Website zum Fünf-Flüsse-Radweg
