Der gemeine Beifuß – Artemisia vulgaris

Schmeckt gut, tut gut

Er steht mit Klee, Sauerampfer und Löwenzahn an Weg- und Strassenrändern. Sein bitteres Aroma würzt deftige Fleischgerichte.

Schon in der Antike war der Beifuß bekannt. Der gallische Arzt Marcellus riet im vierten Jahrhundert nach Christus sich mit dem Kraut vor Lendenschmerzen zu schützen. In Zaubersprüchen des Mittelalters steht der Beifuß immer an prominenter Stelle. Er sollte unter anderem bei Hunde- oder Schlangenbissen helfen. Auch bei Wassersucht oder als gynäkologisches Mittel wandten ihn die Ärzte an. In fernöstlichen Kulturen wird das Kraut in Form kleiner Kegel bei der Moxibustion eingesetzt. Diese setzen beim Abbrennen auf bestimmten Stellen des Körpers ihre Wirkstoffe frei.

Kein gewöhnliches Kraut

An seinem kräftigen Duft ist der Beifuß leicht zu erkennen. Ursache ist der hohe Gehalt an ätherischen Ölen. Die ausdauernde Pflanze blüht zwischen August und September. Seine in Rispen stehenden Blüten sind grau-gelblich bis rotbraun gefärbt. Die Pflanze kann eine Höhe von bis zu anderthalb Metern erreichen. Charakteristisch für den Beifuß ist die rötliche Färbung der Stängel. Die Pflanze wächst bevorzugt auf nährstoffreichen Untergründen an Wegrändern, Abhängen oder Brachen. Zur Anwendung kommen sowohl die Wurzel, als auch die Blätter oder die obersten Triebe. Beste Erntezeit ist zu Beginn des Monats August. Als Gewürz kann man Beifuß sowohl frisch als auch getrocknet verwenden.

Ein Kraut – viele Namen

Über den Ursprung des Namens Beifuß gibt es verschiedene Meinungen. Einer Vermutung von Grimm nach hat das Wort seine Wurzeln im althochdeutschen „bózan“, was so viel wie schlagen bedeutet. Der Volksmund machte daraus je nach Region abweichende Bezeichnungen. Ob Biefes in der Eifel, Biefout im Plattdeutschen oder Beiwes in Thüringen; hier ist die Wurzel noch erkennbar. In der Eifel ist auch der Name Wisch für den Beifuß gebräuchlich. In diesem Wort lebt noch die fränkische Tradition der zu Mariä Himmelfahrt geweihten Kräuterbündel fort. Diese heißen im Fränkischen Werzewisch.

Nicht nur für Gänsebraten

In der Medizin hilft der Beifuß bei Erkrankungen und Beschwerden im Bereich des Magen-Darm-Traktes. Bei etwaiger Verdauungsschwäche regt er die Absonderung von Magensaft und Gallenflüssigkeit an. Daher bereitet man schwere Fleisch- oder Eintopfgerichte häufig mit einem Sträußchen Beifuß zu. Doch damit ist sein Anwendungsspektrum noch lange nicht ausgeschöpft.

Rezepte für Leib und Magen

Allgemein gilt es den Beifuß nur sorgsam zu verwenden. Sein bitterer Geschmack dringt sonst unangenehm durch.

Die folgende Mischung eignet sich als Würze für Braten oder zu Schmalzbroten.

  1. Getrockneten Beifuß, Tyhmian und Rosmarin fein rebeln.
  2. Dann im Verhältnis 5:2:2 mischen.

Ein erfrischendes Getränk erhält man, wenn 5 Gramm getrockneter Beifuß, 25 Gramm Honig und 25 Gramm Heidelbeeren mit einem Liter Wasser angesetzt werden. Nach zwei Stunden ist der Sommertrunk fertig. Je nach Geschmack kann man die Heidelbeeren auch durch andere Sommerfrüchte ersetzen.

Wenn das Essen dann doch zu schwer im Magen liegt, hilft ein Beifußtee. Dazu einen Teelöffel getrocknetes Kraut mit einem Viertel Liter kochendem Wasser übergießen. Nach zwei Minuten abseihen und trinken. Der Aufguß soll auch gegen Appetitlosigkeit, Durchfall und Mundgeruch wirken.

Warnung!

Ohne die Betreuung durch einen Arzt sollte man den Beifuss nicht über einen längeren Zeitraum anwenden. Ganz darauf verzichten sollten stillende Mütter und Schwangere. In größeren Dosen kann die Pflanze Frühgeburten auslösen. Im Zweifel immer erst den Hausarzt konsultieren.

Frank Scholz, Frank Scholz

Frank Scholz - Ich habe 1966 in der Freien und Hansestadt Hamburg das Licht der Welt erblickt. Doch seit über dreißig Jahren lebe ich in der ...

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