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Der Glasfrosch: Durchsichtiger Frosch in sensationellem Look

Glasfrosch - transparentes Kuriosum - Diogo B. Provete - calphotos.berkeley.edu
Glasfrosch - transparentes Kuriosum - Diogo B. Provete - calphotos.berkeley.edu
Der Glasfrosch ähnelt einem Spielzeug-Frosch aus Gummi - ihn gibt´s aber wirklich! Primär in Südamerika sind die seltenen, transparenten Frösche beheimatet.

Medizinstudenten können aufatmen: Endlich ist es nicht mehr nötig, Frösche zu sezieren, um ihr Innenleben analysieren zu können. Die Natur der Glasfrösche lässt den Blick auf die inneren Organe zu, ohne dass die Tiere aufgeschnitten werden müssen. Die kuriosen Frösche mit dem lateinischen Namen Centrolenidae leben hauptsächlich in den Regenwäldern von Kolumbien, Mexiko, Costa Rica, Bolivien, Argentinien und Brasilien.

Glasfrösche sind leicht zu durchschauen

Die transparente Bauchhaut der außergewöhnlichen Frösche ist namensgebend für die hübschen Regenwaldbewohner. Wie auf dem Bild zu sehen, zeichnen sich klar die Gedärme, das Herz und die Eier des Weibchens durch die Bauchhaut ab. Der Herzschlag des Tieres ist deutlich zu erkennen und sogar die weißen Augäpfel sind durch die Kehlhaut hindurch auszumachen. Durch die dünne Hautmembran ist zudem erkennbar, ob man eine Glasfroschart mit grünen oder weißen Knochen vor sich hat. Bei manchen Glasfröschen wird sogar die Hautschicht an den Armen von den Knochen durchbohrt, beispielsweise beim Daumendornfrosch, dem Armdornenfrosch, Teratophyla, Centrolene und Centrolenella.

Ein ganz besonderer Frosch

Meist hat der Glasfrosch eine durchscheinend grüne Farbe und besitzt je nach Art gelbe, braune, blaue, weiße, schwarze oder gar rote Punkte. Aufgrund der satten Grünfärbung und den Haftscheiben an den Füßen werden die kleinen Gesellen oftmals mit Laubfröschen verwechselt. Schaut man ihnen tief in die Augen, fällt allerdings auf, dass die Augäpfel nicht wie bei den Laubfröschen zur Seite gerichtet sind, sondern nach vorne stehen und waagrechte Schlitze aufweisen. In ihrer Anatomie unterscheiden sich Glasfrösche von sämtlichen übrigen Froschfamilien durch ihr verwachsenes Fersenbein. Die Centrolanidae sind wahre Zwerge des Regenwaldes, die meisten Arten werden kaum größer als 1,5 bis 3 Zentimeter. Lediglich der Gecko-Glasfrosch (Centrolene geckoideum) erreicht eine beachtliche Länge von 8 Zentimetern. Durch ihre farbliche Angepasstheit im grünen Blätterwerk und ihr recht kleines Auftreten sind die beispiellosen Amphibien recht schwer aufzuspüren. Lediglich ihr helles, kurzes Piepsen verrät, dass sie sich irgendwo in den Bäumen und Sträuchern des umliegenden Regenwaldes versteckt halten. Am häufigsten kommen die durchsichtigen Hüpfer übrigens in Costa Rica vor, wo mindestens 13 Arten beheimatet sind. Die Systematik der Glasfrösche ist allerdings noch nicht ausreichend geklärt, im Moment werden an die 150 Arten unterschieden.

Gelaicht wird in luftiger Höhe

Glasfrösche leben vorzugsweise an fließenden Gewässern. Der Gecko-Glasfrosch hält sich sogar am liebsten im Sprühbereich von Wasserfällen auf. Hauptsächlich an und über kleinen Bachläufen sind seine Froschverwandten zu finden. Sie sitzen oft auf oder sogar unter Blättern, die über den Bach hängen. Dort legen sie auch ihre Eier ab. Die Laichzeit beginnt zumeist in der Trockenzeit, wenn das Gewässer noch nicht so reißend ist. Manche Arten legen die Eier direkt auf den Blättern ab, während einige Glasfrösche ihr Gelege an die Blattunterseite "kleben". Dieses ist dann meist weiß oder grün gefärbt, wohingegen die Eier auf der Blattoberseite eine dunkle Färbung aufweisen. Dies ist auf die Melaninschicht zurückzuführen, die sie vor schädlicher UV-Strahlung schützen soll. Außerdem muss das Glasfrosch-Gelege mithilfe eines dicken Gallertschleims vor dem Austrocknen bewahrt werden.

Die Glasfrosch-Väter sind Wachposten und Nanny zugleich

Die Männchen der Glasfrösche sind auffallend bemüht um ihren Nachwuchs, während sich die Froschmütter nach der Eiablage nicht mehr um die kleinen Nachkommen kümmern. Im Verlauf der Embryonalentwicklung, die rund drei Wochen dauert, kommen die Froschväter immer wieder zum Gelege zurück und setzen sich auf die Eier. Sehr wahrscheinlich wollen sie so einer Austrocknung vorbeugen. Die Glasfrosch-Männchen verteidigen außerdem ihr Territorium und wenden dafür sogar körperliche Gewalt an. Manche Arten bekämpfen mit ihren Dornen an den Oberarmen ihre Eindringlinge und versuchen auf diese Art, sie vom Blatt zu stoßen. Dies ist vor allem bei der Gattung Centrolenella zu beobachten. Einzelne Glasfroscharten bewachen die Eier nur nachts (beispielsweise Hyalinobatrachium colymbiphyllum), andere wiederum sorgen sich rund um die Uhr um das Gelege (Hyalinobatrachium valerioi). Nach dem Schlüpfen der Kaulquappen erlischt die väterliche Fürsorge und die ungewöhnlichen Mini-Amphibien sind gänzlich auf sich alleine gestellt.

Raffinesse verhilft dem Glasfrosch ins Leben

Während ihrer embryonalen Entwicklung bilden sich die Larven der Glasfrösche in den Eiern bis zu einem speziellen Stadium heran, in welchem sie dann verharren und auf einen starken Regenguss warten. Erst dann schlüpfen sie und werden so mit dem Wasser vom Blatt ins darunter befindliche Fließgewässer gespült. Dieser raffinierte Trick verhindert, dass die Glasfrosch-Kaulquappe am Blatt kleben bleibt und was noch wichtiger ist: Durch das Aufkommen im Wasser während des Regens bekommen potenzielle Fressfeinde die Ankunft des leckeren Snacks nicht mit und die Überlebenschancen der Kaulquappen erhöhen sich enorm. Das bedeutet Pech für die Krebse, Grillen, Weberknechte und die sonstigen zahlreichen Feinde der pfiffigen Frösche.

Ist der Glasfrosch gut im Terrarium zu halten?

Die hübschen Transparenz-Künstler sind wahrlich interessante Geschöpfe und wären für viele Amphibien-Liebhaber eine Bereicherung in ihrem Terrarium. Doch so schön die Frösche auch sind, sie sind wie die meisten Bachbewohner überaus empfindlich und nur schwer im Terrarium zu halten. Wer den Versuch trotzdem wagen will, sollte darauf achten, das Terrarium dicht zu bepflanzen und für den Frosch einen kleinen Bachlauf mit einzubauen. Die Luftfeuchtigkeit muss sehr hoch sein und die Temperatur je nach Herkunft der Frösche zwischen 18 und 28 Grad liegen. Eine erfolgreiche Glasfrosch-Haltung ist allerdings nicht einfach und nur selten ist es gelungen, eine Nachzucht aufzuziehen. Die Kaulquappen sind sehr empfindsam gegenüber Wasserverunreinigungen und eine Aufzucht der Glasfrösche ist bisher nur in sehr wenigen Fällen von Erfolg gekrönt gewesen.

Lesen Sie auch den spannenden Artikel über den skurrilen Tiefsee-Anglerfisch, bei dem die Männchen mit den Weibchen zusammenwachsen.

Quellen und weiterführende Informationen:

  • www.ulmer.de: Glasfrösche - zarte Juwelen im Regenwald
  • Jungfer, K.H. (1988): Froschlurche von Fortuna, Panama. II Hylidae(2), Centrolenidae, Dendrobatidae. – herpetofauna, Weinstadt,10 (56), S 6-12.
  • Frösche & andere Amphibien, Thomas Marent, Dorling Kindersley Verlag (2009)
  • The glass frog tadpoles of Costa Rica (Anura: Centrolenidae): A study of morphology, Heinz Hoffmann, Schweizerbartsche Verlagsbuchhandlung (2010)
  • Artenliste der Familie Centrolenidae bei Amphibiaweb
Autorin Bettina Daiber, Foto: Bettina Daiber

Bettina Daiber - Bettina Daiber entschied sich nach ihrem Abitur für den Beruf der Arzthelferin und studierte nach erfolgreichem Abschluss ...

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