Der goldene Schnitt - sectio aurea

Wie eine mathematische Formel die Schönheit der Welt erklärt

Der goldene Schnitt findet sich überall. Architekten und Künstler nutzen ihn bis heute und auch in den Bauplänen der Natur scheint er eine wichtige Rolle zu spielen.

Seit jeher versuchen Mathematiker Harmonie, Ästhetik und Schönheit in eine Formel zu fassen. Einen dieser Versuche beschreibt der goldene Schnitt, im lateinischen auch als proportio divina, das Prinzip der göttlichen Teilung, bezeichnet. Teilt man eine gedachte Linie in zwei unterschiedlich große Längen, erhält man insgesamt 3 Strecken: die größere der beiden Teilstrecken, den Major, die kleinere, den Minor, und die Gesamtstrecke. Dividiert man nun die Gesamtstrecke durch den Major und den Major durch den Minor und erhält bei beiden Divisionen das gleiche Ergebnis, teilt dieser Punkt die Strecke im goldenen Schnitt.

Eine einfache Möglichkeit den goldenen Schnitt zu konstruieren, bietet ein fünfzackiger Stern. Statt Lineal und Zirkel greift man zu einem Stück Papier und reißt sich einen Streifen ab. In diesen Streifen macht man einen Knoten. Drückt man diesen platt, entsteht ein Pentagramm. Nun kann man die Diagonalen einzeichnen, indem man die Eckpunkte miteinander verbindet. Es entstehen fünf Diagonalen. Der Schnittpunkt von jeweils zwei dieser Diagonalen teilt die Gesamtstrecke im goldenen Schnitt.

Das Prinzip der göttlichen Teilung in Natur und Kultur

Der fünfzackige Stern findet sich überall. So ziert dieses Symbol die Staatsfahnen von über 40 Ländern der Erde, wie die der USA oder China. Auch in der Natur trifft man diese Form vielfach an. Der Seestern, die Sternfrucht, das Gehäuse eines Apfels, ein Efeublatt. Der Bauplan ist immer ein Fünfeck, dessen Diagonalen die Teilung im goldenen Schnitt repräsentieren.

Doch auch ohne das Pentagramm lässt sich der goldene Schnitt ausbilden. Viele Bauwerke, die in der Renaissance entstanden, weisen Längenverhältnisse nach dem Maßstab des goldenen Schnitts auf. Auch in Gemälden sind diese Ebenen auszumachen. Ob diese von den Künstlern bewusst berechnet wurden oder aus Zufall entstanden, bleibt oftmals unklar.

Ein eindrucksvolles Beispiel zeigt die Anatomie des menschlichen Körpers. Der Bauchnabel teilt unsere Gesamtlänge in den Major und den Minor. Setzt man diese ins Verhältnis kommt in etwa 1,6 heraus, der Zahlenwert der göttlichen Teilung.

Der goldene Schnitt und seine Schönheit

Der Begriff der Schönheit wird oft durch die Symmetrie der Dinge erklärt. Ziehen wir eine Linie durch einen Körper oder einen Gegenstand und finden zu beiden Seiten Gleichheit, empfinden wir dies oft als harmonisch und schön. Die Flügel eines Schmetterlings, die Blüte einer Sonnenblume. Die eine Hälfte ist immer ein Abbild der anderen. Der goldene Schnitt aber teilt das Gegenständliche nicht in identische Hälften. Vielmehr schafft er eine Proportion, deren Verhältnis immer dasselbe ist. Die Gesamtlänge verhält sich zum Major, wie der Major zum Minor. Es entsteht eine Asymmetrie, die durch ihre Gleichheit wieder harmonisch erscheint.

Janina Helle - "Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht." Joachim Ringelnatz

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