Der griechische Tempel

Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Grundeigenschaften eines antiken Tempels und erläutert insbesondere die dorische Säulenordnung.

Es gibt viele Gründe, weshalb antike Monumente in heutiger Zeit nicht mehr gut oder überhaupt nicht mehr erhalten sind. Zu nennen ist die Tatsache, dass Marmorblöcke vieler Antiken entfernt wurden, um andere Gebäude damit zu bauen, oder sie wurden zerkleinert und daraufhin zu Kalk verbrannt, um mit dem damit gewonnenen Material Häuser zu tünchen (so vielerorts noch geschehen noch bis in das 20. Jahrhundert hinein). Bei archäologischen Grabungen stößt man zuoft auf mittelalterliche Kalköfen. Dennoch ist die Architektur dieser Bauwerke gut erforscht. Tempel sind auf allen Seiten aufwendig gestaltet worden, was dazu führt, dass man von außen schwer erkennen kann, welche die Vorderseite bildet. In den meisten Fällen jedoch lag der Eingang im Osten. Licht fiel kaum hinein. Antike Quellen berichten nur von wenigen Tempeln die hypäthral („unter freiem Himmel“) lagen, also kein Dach hatten.

Die räumliche Gliederung eines griechischen Tempels

Das eigentliche Heiligtum bildete die sogenannte Cella (griech. naos). Sie war achsensymmetrisch in zwei Richtungen und durch Säulenreihen in Schiffe untergliedert. Eine Vorhalle (griech. pronaos), zwischen den Anten (Zungenmauern) gelegen, und ein zusätzlicher Raum im hinteren Teil (Opistodomos) waren gängig. Unterschieden werden müssen Säulenreihen distyl in antis (Säulen zwischen den Anten) oder prostyl (Säulen vor den Anten). Die Verbindung des Kultraumes mit dem äußeren Teil des Tempels wurde so geregelt, dass die Eckkanten jeweils durch die Mittelachse der zweiten Säule der Breitseite und dem Joch der zweiten und dritten Säule der Längsseite verlaufen. Obenhin, um das Dach zu tragen, reichte eine Konstruktion bei dorischen Tempeln mit einer Säule als tragendes Element nicht aus. Die dorische Säule konnte so schwierig gelenkt werden, dass zwei kürzere aufeinandergestellt werden mussten. Eine Rampe führte nur in den seltensten Fällen (z.B. Zeustempel in Olympia) hinauf zu der mit einer Säulenhalle (Peristasis) umgebenen Cella. Kulthandlungen fanden nicht im Tempel selbst statt, sondern vor dem Gebäude an einem Altarplatz. Innen befanden sich Weihgeschenke oder transportable Kultbilder.

Die Klassifizierung griechischer Tempel

Antentempel, Doppelantentempel, Prostylos, Amphiprostylos, Tholos, Monopteros, Peripteros, Pseudodipteros, Dipteros.

Die drei Typen der Säulenordnung

  • dorisch (Volksgruppe der Dorer, verbreitet vor allem auf der Peloponnes, Sparta als Zentrum),
  • ionisch (Kleinasien und Inseln, besonders Delos; attisch ionische Variante bes. um Athen),
  • korinthisch (Korinth).

Tempelschnitt und dorische Ordnung

Vier große Zonen unterscheidet man bei einem Tempelschnitt: den Unterbau (Euthynterie als Fundament, die dreistufige Krepis mit dem Stylobat als letzte Stufe), die Säulen, das Gebälk und der Giebel. Bei der dorischen Ordnung ist zu beobachten, dass keine Säulenbasis vorhanden ist. Säulen erinnern an Baumstämme: In der Frühzeit wurden Tempel und somit auch Säulen aus Holz gefertigt. Nur allmählich wurden einzelne Teile nach und nach durch Stein ersetzt. So kommt es vor, dass in einem Tempelbau mehrere Säulentypen aus verschiedenen Zeiten anzutreffen sind. Einige Elemente, wie Anuli (Ringe unter dem runden Echinus), Abakus (quadratische Abdeckplatte) oder Knopfandeutungen (guttae) blieben als Relikte der Holzbauten als Zierde erhalten. Stilistische Veränderungen der dorischen Säulen im Laufe der Zeit (länger, schmaler, Echinusformen etc.) sind zu bemerken.

Der dorische Eckkonflikt

Eigentlich sollte es so sein, dass an der Außenecke des Tempels die Säule direkt unter der Mittelachse der letzten Triglyphe steht. Jedoch konnte wegen der ästhetischen Wirkung nicht einfach so die Säule eingerückt werden. Somit suchte man über viele Jahrzehnte hinweg nach einer Lösung des Problems. Um die optische Verträglichkeit zu wahren verkürzte man von Säule zu Säule den Achsenabstand und somit das Joch der Säulen. Eine andere Lösung beinhaltet das allmähliche Breiterwerden der Metopen.

Weiterführende Literatur

G. Gruben, Die Heiligtümer und Tempel der Griechen (erw. Aufl. 2001).

H. Knell, Architektur der Griechen (2. Aufl. 1994).

Profilbild, Markus Rinner

Markus Rinner - Clarorum virorum facta moresque posteris tradere... (Die Taten und die Sitten der ehrwürdigen Männer den Nachkommen zu ...

rss