
- Peter V. Brett: Der große Basar - Heyne
Bevor Peter V. Brett die Geschichte des „Liedes der Dunkelheit“ in seinem zweiten Roman „Das Flüstern der Nacht“ fortsetzt, führt er seine Leser zurück zu Ereignissen, die er in seinem ersten Buch nicht unterbringen konnte. „Der große Basar“ ist der Titel von Peter Bretts kleinem Erzählband, der bei Heyne erschienen ist. Er enthält weitere Abenteuer von Arlen, dem Helden, der die Menschheit zum Sieg über die Dämonen seiner Welt führen will.
„Der große Basar“ führt in die Wüstenstadt Krasia
Man muss die Romane von Brett nicht kennen, um „Der große Basar“ zu verstehen, allerdings erleichtern Vorkenntnisse das Verständnis merklich. Der Titel „Der große Basar“ ist von einer der beiden Erzählungen übernommen (im „Lied der Dunkelheit“ war der Große Basar noch ein Eigenname). Diese spielt in Krasia, der Stadt in der Wüste, in der die Krieger nachts Dämonen im Labyrinth jagen. Der Bote Arlen ist auf dem großen Basar Krasias ein gern gesehener Gast, da er einer der wenigen Menschen ist, die den Handel zwischen Wüstengebiet und den nördlichen Regionen am Leben halten. Die Erzählung spielt zeitlich vor Arlens Entdeckung der Ruinen von Anochs Sonne, in der er in „Das Lied der Dunkelheit“ die Kriegssiegel findet, mit denen sich die Dämonen angreifen und töten lassen. In „Der große Basar“ erfahren die Leser, welche Risiken er bei seiner Suche eingeht.
Die zweite Erzählung heißt „Brayans Gold“ und spielt sogar noch vor „Der große Basar“. In „Brayans Gold“ geht Arlen erstmalig als Bote der Kuriergilde auf die Reise. In den Bergen lernt er nicht nur neue Schutzsiegel kennen, sondern stößt auch auf machtbewusste Adelige und ihm bislang unbekannte Dämonen.
Peter V. Brett erläutert Hintergründe seiner Fantasy-Welt
„Der große Basar“ enthält neben den beiden Erzählungen noch zwei gestrichene Szenen, bei denen Peter Brett erläutert, warum sie es nicht in „Das Lied der Dunkelheit“ schafften, darunter ein Prolog, den er ursprünglich seiner Dämonen-Reihe voranstellen wollte. Diese Szenen stehen zusammen mit weiteren auch auf Peter V. Bretts Homepage, sind in „Der große Basar“ aber erstmalig in Deutsch zu lesen. Ergänzt wird das schmale Erzählbändchen durch ein Lexikon, in dem krasianische Begriffe erläutert werden sowie einer Siegelkunde. Die Siegel stehen ebenfalls bereits im Netz, werden in „Der große Basar“ allerdings näher erläutert.
Neue Dämonen in „Der große Basar“
Insgesamt bietet „Der große Basar“ inhaltlich nicht viel Neues, da allenfalls der Charakter des krasianischen Händlers Abban mehr Facetten bekommt. Das größte Plus des Buches ist die Einführung neuer Dämonenarten, die in „Das Lied der Dunkelheit“ unerwähnt bleiben. Auch erfahren die Leser, dass sie sich in „Das Flüstern der Nacht“ auf weitere Arten wie Seelendämonen und Mimikry-Dämonen einstellen können. Bei den gestrichenen Szenen und den Erzählungen ergeht es einem doch wie bei den meisten gelöschten Szenen, die zum Bonusmaterial einer DVD gehören – man versteht, warum sie am Ende nicht genommen wurden, da sie die Handlung kaum weiterbringen. So muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden, ob ihm „Der große Basar“ die neun Euro wert ist.
Peter V. Brett: Der große Basar. Heyne 2010. Taschenbuch, 240 Seiten. Euro 8,95 (Österreich 9,20).
