Der große Brand von Hamburg 1842

Die Katastrophe zerstörte das alte Hamburg fast vollständig.

1842 forderte eine Brandkatastrophe in Hamburg über 50 Menschenleben und die Zerstörung von 1.100 Wohnungen und 120 Speichern.

Die Nacht des 5. Mai 1842 sollten die Hamburger so schnell nicht vergessen: Bei seinen Runden durch die Stadt entdeckte der Nachtwächter gegen 1 Uhr ein Feuer in der Deichstraße, das schnell um sich griff. In der unmittelbaren Umgebung des Brandherdes befanden sich viele Speicher, die mit leicht entzündlichen Materialien, wie Arrak und Gummi angefüllt waren. So wuchs sich der Brand immer weiter aus, obwohl die Löschmannschaften sofort alarmiert waren und das Feuer mit Land- und Schiffspritzen bekämpfte.

Sprengungen zur Brandbekämpfung

Trotz eines verzweifelten Kampfes der Löschmannschaften bekam man das Feuer nicht unter Kontrolle. Verschiedene Faktoren spielten hier eine Rolle: die anhaltende Hitze in den Wochen vor dem Brand, die enge Bebauung der Stadt und der stetige Wind, der das Feuer immer weiter antrieb. Als das Feuer sogar den breiten Deichstraßenfleet mühelos übersprang, wurde deutlich, dass die bisherigen Maßnahmen nicht mehr ausreichen würden, um das Feuer endlich in den Griff zu bekommen. Der Leiter der Löscharbeiten machte deshalb den Vorschlag, ganze Häuserzeilen zu sprengen: So sollten Schneisen entstehen, an denen das Feuer keine Nahrung mehr fand und sich so nicht mehr weiter ausbreitete. Diese Idee fand zunächst keine Zustimmung, da man Schadensersatzforderungen der betroffenen Besitzer fürchtete. Als man sich endlich zu dieser Maßnahme durchrang, war es bereits zu spät: Das Feuer hatte sich schon viel zu weit ausgedehnt, so dass selbst die gesprengten Schneisen kein Hindernis mehr darstellten.

Panik in der Bevölkerung und ein gesprengtes Rathaus

Nicht nur die Wetterlage und die immense Kraft des Feuers erschwerten die Löscharbeiten. In der Bevölkerung war mittlerweile Panik entstanden, die durch die Detonationen der Sprengungen noch geschürt wurde. Viele Menschen verließen fluchtartig ihre Häuser. So konnten sich auch kleinere Brandherde ungestört weiter ausbreiten und zu weiteren Zerstörungen führen. Der große Brandherd fraß sich immer weiter in Richtung Stadtzentrum, so dass der Rat der Stadt den Entschluss fasste, das Rathaus in die Luft zu sprengen, um hier das Feuer aufzuhalten. Aber auch dieser Entschluss kam zu spät. Erst mit der Sprengung weiterer Häuser ließ sich das Feuer hier nach 30 Stunden eindämmen.

Obdachlose, Betrunkene und Plünderungen

Damit war ein Problem bekämpft. An anderen Ecken der Stadt wütete das Feuer aber unvermindert weiter. Hinzu kamen weitere Probleme: Obdachlosen, die ihre letzten Habseligkeiten gerettet hatten, wurde diese oft auf offener Straße gestohlen. Leer stehende Häuser wurden geplündert und auch die Weinvorräte waren nicht mehr sicher. Viele Betrunkene starben in den Flammen. Das Chaos in der Stadt war derart groß, dass zum Schluss sogar mit Waffengewalt gegen die Plünderer vorgegangen werden musste.

8. Mai 1842: das Ende des großen Brandes

Erst in den frühen Morgenstunden des 8. Mai 1842 – also mehr als drei Tage nach dem Ausbruch – erlosch auch der letzte Brandherd. Hieran erinnert heute noch der Straßenname „Brandsende“. Weite Teile der Stadt waren vernichtet, 20.000 Menschen waren obdachlos, 51 tot, 120 verletzt. Neben 1.100 Häusern waren auch sieben Kirchen und zahlreiche öffentliche Gebäude zerstört worden. Die Aufräumarbeiten zogen sich bis weit ins Jahr hin. Da viele Lagerräume und Bäckereien zerstört waren, war die Versorgung der Bevölkerung ein großes Problem. Besonders Salomon Heine, der Onkel Heinrich Heines, trat hier als großer Wohltäter hervor: Selbst jüdischen Glaubens spendete er beträchtliche Summen für den Wiederaufbau der protestantischen Hauptkirchen St. Petri und St. Nikolai. Auf die Versicherungssumme für sein Haus am Jungfernstieg, das im Zuge der Rettungsmaßnahmen gesprengt wurde, verzichtete er.

Insgesamt bot der verheerende Brand aber eine doppelte Chance für einen Neubeginn: das Zentrum Hamburgs konnte nach modernen Maßstäben neu aufgebaut und die Verwaltung der Stadt effizienter strukturiert werden. Die erste Chance nutzten die Hamburger, die zweite nicht, wie die nächste Katastrophe 50 Jahre später zeigen sollte.

Thorsten Schwerdt, Thorsten Schwerdt

Thorsten Schwerdt - Worte haben schon immer meinen beruflichen Alltag bestimmt: Ich bin Hamburg als freier Werbetexter und Konzeptioner für ...

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