Der Gundermann feiert seinen Siegeszug durch deutsche Küchen

Der Gundermann ist ein köstliches Wildkraut - Tina von der Brüggen
Der Gundermann ist ein köstliches Wildkraut - Tina von der Brüggen
Lange Zeit galten Wildpflanzen als Exoten auf dem Speiseplan. Nun feiern sie ihr Comeback und sind die Antwort auf das tägliche Einerlei der Fertigprodukte.

Welcher Gartenbesitzer kennt den Gundermann nicht? Ob seiner Beharrlichkeit sich auszubreiten, gilt er bei Gärtnern fast ausschließlich als lästiges Unkraut. Nun hat man seine Qualitäten als hervorragendes Wildgewürz neu entdeckt, und er befindet sich auf einem Siegeszug durch die deutschen Küchen.

Der Gundermann (Glechoma hederacea), auch Gundelrebe genannt, gehört zur Familie der Lippenblütler. Ähnlich wachsend wie Efeu, kriecht er über feuchte Böden und erfreut das Auge im Frühling durch seine hübschen blauvioletten Blüten. Er ist ein unproblematischer Zeitgenosse, der die Sonne ebenso mag wie den Schatten und besonders gut an Zäunen, Mauern und Hecken gedeiht. Findet er etwas, woran er ranken kann, wächst er mit bis zu einem Meter langen Ausläufern in die Höhe.

Schon Hildegard von Bingen schätzte die aufbauenden Kräfte des Gundermanns

Bei den Germanen und Kelten galt der Gundermann als Heilpflanze und auch Hildegard von Bingen wusste um die aufbauende, kräftigende Wirkung des Lippenblütlers.

Sie erachtete ihn für sehr wirksam im Alter, wenn Gewicht und Verstand abnehmen und sagte über ihn: "Die Pflanze birgt gewisse Kräfte in sich, die in den grünen Farbstoffen zu suchen sind, daher ist sie sehr hilfreich, wenn sie in Speisen und Suppen eingesetzt wird". Gerne verwendete sie ihn für ihre Gundelrebe-Kartoffel-Suppe.

Gundelrebe-Kartoffel-Suppe nach Hildegard von Bingen

Nach alten Überlieferungen verwendete Hildegard von Bingen für eine Suppe für 4 Personen folgende Zutaten:

500 g Kartoffel, 250 ml Wasser, 1 Liter Gemüsebouillon, 1 Stange Lauch, 2 Möhren, je eine Handvoll (etwa 30 g) Brennnesselspitzen, Sauerampfer, Schafgarbe, 4 bis 5 Gundelrebenblätter, eine Handvoll Basilikumblätter

2 EL Butter, 100 ml süße Sahne, 3 EL Weißwein, Kräutersalz, etwas Muskatnuss und Pfeffer

Die Kartoffeln schälen, klein schneiden und knapp mit Wasser bedeckt garen. Den Lauch, die Möhren und die Wildkräuter zerkleinern. Das Gemüse für einige Minuten in Butter dünsten. Die gegarten Kartoffeln durch einen Kartoffelstampfer drücken, Gemüsebrühe, das gedünstete Gemüse und die Wildkräuter hinzugeben und mit Butter, Sahne, Weißwein und den Gewürzen abschmecken.

Kelten kochten am am Tag vor Karfreitag traditionell die Gründonnerstagsuppe

Der Gundermann fand schon früh den Weg in die heimischen Kochtöpfe. Bei den Kelten war er nach altem Brauch, zusammen mit acht anderen Kräutern, Hauptbestandteil der traditionellen Gründonnerstagsuppe. Diese galt als Kultspeise, die im Frühling die Lebensgeister vitalisieren und den gesamten Menschen nach einem harten Winter verjüngen sollte. Leider ist nicht vollständig überliefert, welche weiteren acht Kräuter für die Suppe Verwendung fanden. Sicher ist nur, dass neben dem Gundermann die Brennnessel und auch Gänseblümchen enthalten waren.

Der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt schätzte die gesunde Kräutersuppe so sehr, dass er sie jedes Jahr über mehrere Wochen hinweg auf seinem Speiseplan stehen hatte. Bei der Zubereitung zählten als Zutaten vor allem Gundelrebe, Schafgarbe, Gänseblümchen, Brunnenkresse, Gartenkresse, Brennnessel, Gartenampfer und Gartenkerbel zu seinen Favoriten.

Gründonnerstagsuppe (Neun-Kräuter-Suppe)

Für die Gründonnerstagsuppe benötigt man jeweils 1 Hand voll Löwenzahn, Gänseblümchen, Sauerampfer, Brennnessel, Spitz- oder Breitwegerich, Schafgarbe, Huflattich, Frauenmantel und ½ Hand voll Gundelrebe. Alles klein hacken, mit einer Zwiebel in etwas Butter andünsten und mit Gemüsebrühe auffüllen.

Es gibt bei dieser Suppe nicht "das eine" Rezept, sondern viele verschiedene, weil in jeder Gegend andere Kräuter wachsen. Am Besten nutzt man das Pflanzenangebot rund um seinen Wohnort. Wichtig ist, dass neun Kräuter enthalten sind. Denn in der Mythologie gilt die Neun als magische Zahl und so heißt es in alten Schriften über die Neun-Kräuter-Suppe:„Dreimal drei Zauberpflanzen sollen den Winter aus dem Körper der Menschen vertreiben und ihnen Gesundheit und Kraft für das neue Jahr bringen.“

Folgende Kräuter können verwendet werden:

Bärlauch, Brunnenkresse, Sauerampfer, Löwenzahn, Gänseblümchen, Kerbel, Gartenkresse, Gartenampfer, Schafgarbe, Zitronenmelisse, Kresse, Dill, Petersilie, Thymian, Schnittlauch, Breit- oder Spitzwegerich und Salbei.

Die Gundelrebe als Gewürzkraut

Nicht nur wegen seiner Heilkraft und aufbauenden Wirkung ist der Gundermannbzw. die Gundelrebe in der Wildkräuterküche so beliebt, auch als Gewürzkraut ist er eine Köstlichkeit, die man sich im Frühling nicht entgehen lassen sollte. Durch sein stark würziges Aroma läßt er sich ganz vorzüglich als Salzersatz. verwenden. Dazu mörsert man gedörrtes Gundelrebenkraut, vermischt es mit ein wenig Steinsalz oder verwendet es pur. Auf frisches Brot gestreut, oder nach folgendem Rezept zum Brotaufstrich verarbeitet, schmeckt es ganz wunderbar.

Kräuterbutter-Brotaufstrich

Zutaten:

Je eine kleine Handvoll feingehackte Gundelreben- und Schafgarbenblätter, Schnittlauch und Petersilie nach Belieben.

250 g Butter, 2 TL Zitronensaft, 1 Knoblauchzehe, Meersalz

Quellen:

Tina von der Brüggen, Wolfgang Stadler

Tina von der Brüggen - Tina von der Brüggen ist Heilpraktikerin mit eigener Praxis in Ruhpolding/Oberbayern. Ihre Kompetenzfelder umfassen Jin Shin Jyutsu ...

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