Der Hamburger, der vielleicht wirklich aus Hamburg kommt

Der Hamburger - Thommy Weiss/Pixelio.de
Der Hamburger - Thommy Weiss/Pixelio.de
Um die Entstehung des kultigen „Grundnahrungsmittels" ranken sich zahlreiche Mythen. Eine Theorie berichtet von dem „Hamburger Rundstück warm".

Der Hamburger ist eine uramerikanische Erfindung, doch ein Vorläufer aus Schweinebraten, der auf den Namen „Hamburger Rundstück warm“ hört, stammt tatsächlich aus der deutschen Hafenstadt. Der ehemalige Radio-Bremen-Produktionsleiter Hans-Peter Gumprecht hat sich mit dem Thema ein wenig länger auseinander gesetzt und eine interessante Entstehungsgeschichte recherchiert.

Laut Hans-Peter Gumprecht waren die Kneipenwirte rund um den Hamburger Hafen bereits zu Kaisers Zeiten nicht gerade berühmt für ihre Neigung zum Feinschmeckertum. Zu Trinken gab es reichlich, aber Essbares war kaum im Angebot, ganz besonders nicht zu vorgerückter Stunde, wo sich nach etlichen Schnäpsen und Bieren bei Seeleuten noch einmal Appetit einzustellen pflegte. Steinharte Frikadellen oder knochentrockene, kalte Koteletts waren das Höchste der Gefühle.

Nicht selten ließen die Seebären den Gastwirt spüren, dass sie in dieser Hinsicht an anderen Plätzen der Welt Besseres gewöhnt waren. Die Entschuldigung, dass Bierkneipen ja über keinen richtigen Kochherd verfügten, ließen sie nicht gelten.

Ein rühriger Wirt erfand das „Hamburger Rundstück warm“

Einen Wirt ließ das nicht ruhen, und so bestellte er für seine Stammkundschaft beim Schlachter einen fertigen Schweinebraten. Wann immer sich nun ein Gast mit Hunger meldete, schnitt er eine oder zwei Scheiben vom Braten ab, machte sie notdürftig warm, goss Bratensoße darauf und klemmte das Ganze dann zwischen zwei Brötchenhälften. Zur Geschmacksverfeinerung kamen noch rohe Zwiebelringe und ein paar Gurkenscheiben hinzu.

Diese Super-Erfindung hieß „Hamburger Rundstück warm“, und sie trat tatsächlich so etwas wie einen internationalen Siegeszug an, weil sie zumindest bei den Seeleuten in aller Welt bekannt wurde. Nicht nur Hafenkneipiers kopierten das einfache Rezept. Auch im Hamburger Umland erlangte das „Hamburger Rundstück warm“ Popularität. Bei Junggesellen, Vereinsfesten und an Muttis Waschtag wurde das erste hanseatische „Fast Food-Produkt“ ein Begriff.

Der amerikanische Hamburger

Einer der ebenfalls davon gehört hatte, war ein New Yorker Geschäftsmann, der vermutlich nie in Hamburg gewesen war. Dieser Mann hatte ein Verfahren entwickelt, mit dem man Fleischreste aus den Knochen geschlachteter Rinder, die üblicherweise entsorgt wurden, nutzbar machte. Er ließ das Knochenfleisch kochen, auslösen und versetzte die Fleischmasse mit gewürzter Gelatine. So erhielt er eine besondere Art von Fleischbrät, das sich in beliebige Formen pressen ließ, und das bis heute unter dem Namen Formfleisch gehandelt wird.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es für die neue Erfindung allerdings noch wenige Vertriebsgelegenheiten. Eine der Möglichkeiten bestand darin, das Brät in Handteller große Stücke zu pressen, diese zu erwärmen, sie zwischen zwei Brötchenhälften zu legen und mit Soße, Zwiebeln und Gurke zu versehen. Ganz so wie es der Kneipenwirt aus Hamburg gemacht hatte, und wie es die amerikanischen und fremden Seeleute unter dem Namen „Hamburger“ kannten.

Für jedes Kind ein Leckerbissen

Die Deutschen wussten in den 1950er Jahren noch nichts mit der amerikanischen Erfindung anzufangen. Man kannte sie auch nur vom Hörensagen. Viele Menschen in Hamburg glaubten, es müsse sich wohl um Frikadellen mit Brötchen handeln, und gemessen an Michel, Aalsuppe und Reeperbahn war so etwas ja alles andere als hamburgisch.

Zwar hat ein richtiger appetitlicher Hamburger weder etwas mit Buletten noch etwas mit Hackfleisch zu tun, und natürlich auch nichts mit Michel und Aalsuppe. Aber ein wenig mit Reeperbahn und seinen Kneipen schon. Und heute kennt jedes Kind diesen Leckerbissen. Längst ist er Kult und trotz seiner Bezeichnung uramerikanisch. Denn der echte Hamburger aus Formfleisch vom Rind ist ja eine amerikanische Idee. Natürlich: Den Namen, den hat er immerhin von Hamburg und seinem „Rundstück warm“ geerbt.

Bildnachweis: © Thommy Weiss/Pixelio.de

Christian Goldmann, Christian Goldmann

Christian Goldmann - Mein Name ist Christian Goldmann. Ich bin 33 Jahre alt und arbeite seit einigen Jahren als Journalist in Bremen und Umgebung. Zuvor habe ...

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