
- St. Nikolaus - Karl-Michael Soemer / pixelio.de
Jedes Jahr am sechsten Dezember ist es wieder an der Zeit, seine frisch geputzten Stiefel vor die Tür zu stellen, damit der Nikolaus sie in der Nacht mit Süßigkeiten befüllen kann. Dieser besonders bei Kindern beliebte Brauch in der Adventszeit geht auf den heiligen Bischof von Myra zurück, um den sich viele verschiedene Legenden ranken.
Der historische Nikolaus von Myra
Die besonders wundertätige und kinderliebe Figur des heiligen Nikolaus hat es in der Form, wie sie in den Legenden beschrieben wird, historisch nicht gegeben. Es handelt sich bei dem heiligen Bischof von Myra vermutlich um eine Kombination aus zwei Geistlichen - dem Bischof Nikolaus von Myra aus dem vierten Jahrhundert und dem Abt Nikolaus von Sion aus dem sechsten Jahrhundert. Beide Männer waren damals für ihre Güte bekannt. So soll Bischof Nikolaus von Myra beispielsweise das gesamte Erbe seiner Eltern an die Armen verteilt haben.
Der Nikolauskult begann im sechsten Jahrhundert
Der Kult um den sagenumwobenen Bischof von Myra startete im sechsten Jahrhundert in Konstantinopel und verbreitete sich über Griechenland und die slawischen Länder. In Deutschland wurde der heilige Nikolaus im zehnten Jahrhundert durch die griechische Frau von Kaiser Otto II. bekannt. Noch heute pilgern viele Wallfahrer nach Demre in die Türkei, wo der zerbrochene Sarkophag des Heiligen zu besichtigen ist. Demre ist die heutige Bezeichnung der Stadt Myra. Der heilige Nikolaus stellt neben Sankt Martin einen der beliebtesten Heiligen verschiedener Konfessionen dar.
Die Legende von Nikolaus und den drei verarmten jungen Frauen
Es wird berichtet, dass ein verarmter Vater seine drei Töchter nicht standesgemäß verheiraten konnte, da ihm das Geld für die nötige Mitgift fehlte. Um den Unterhalt für sich und seine Töchter zu gewährleisten, sah er daher keinen anderen Ausweg, als sie in die Prostitution zu schicken. Der junge Nikolaus, welcher gerade ein großes Vermögen geerbt hatte, hörte von diesem Schicksal und beschloss, der Familie zu helfen. In drei aufeinander folgenden Nächten warf er heimlich je einen Goldklumpen durch das Fenster. In der letzten Nacht entdeckte der Vater der Mädchen den heiligen Nikolaus und dankte ihm unter Tränen für seine Hilfe. Wegen dieser Legende wird der heilige Nikolaus häufig mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln dargestellt. Auch der Brauch, dass Stiefel oder Socken am Nikolaustag heimlich mit Süßigkeiten gefüllt werden, geht auf diese Legende zurück.
Der heilige Nikolaus und die wundersame Kornvermehrung
Während einer großen Hungersnot geschah es, dass mehrere mit Getreide beladene Schiffe am Hafen von Myra ankerten. Dieses Getreide war für den römischen Kaiser bestimmt und genau abgewogen. Als der heilige Nikolaus die Seefahrer bat, seinem Volk in der Hungersnot zu helfen, schlugen sie ihm seine Bitte vorerst ab, da ihnen aufgetragen worden war, das gesamte Getreide auszuliefern. Als der Bischof ihnen allerdings versicherte, dass sie keinen Schaden erleiden würden, willigten die Männer ein und luden einen Teil ihrer Ladung für die hungernde Bevölkerung aus. Und tatsächlich, als sie das Getreide später auslieferten, fehlte nicht ein einziges Korn. Diese berühmte Legende ist seit dem 15. Jahrhundert bekannt.
Nikolaus und das verschleppte Kind
Ein Mann machte sich auf den langen Weg nach Myra, um den heiligen Nikolaus zu bitten, ihm und seiner Frau den lang ersehnten Kinderwunsch zu erfüllen. Als er jedoch in Myra eintraf, war der Bischof gerade verstorben. Aus diesem Grund nahm er ein Stück Leinen des Heiligen als Reliquie mit nach Hause. Am sechsten Dezember des folgenden Jahres gebar seine Frau einen Sohn. Als das Kind sieben Jahre alt wurde, verschleppten die Araber es nach Babylonien, wo es als Mundschenk für den König arbeiten musste. Nach einem Jahr, wieder am sechsten Dezember, wurde der Junge auf wundersame Weise von einem Wind erfasst und zu seinen Eltern zurückgetragen. Unter anderem wegen dieser Legende gilt der heilige Nikolaus als besonders kinderfreundlich, weswegen noch heute jedes Kind am Nikolaustag beschenkt wird.
Die beliebtesten Bräuche zum Nikolaus
Seit dem Jahre 1555 gilt der heilige Nikolaus als "Gabenbringer für Kinder". Demnach beschenkt er bis heute jedes Kind am Vorabend des Nikolaustages. Dem gütigen Heiligen steht dabei sein furchteinflößender Gehilfe, in Deutschland als "Knecht Ruprecht" bekannt, zur Seite. Während der Nikolaus alle braven Kinder beschenkt, ist es die Aufgabe seines Gehilfen, die bösen Kinder zu bestrafen. im 15. Jahrhundert wurde das sogenannte "Schiffchensetzen" betrieben. Zu diesem Zweck bastelten die Menschen kleine Schiffe aus Papier, die Nikolaus, unter anderem Schutzpatron der Schifffahrt, mit Gaben befüllen sollte. Dieser Brauch hat sich im Laufe der Jahre dahin verändert, dass nicht mehr Papierschiffchen, sondern Stiefel oder Socken befüllt werden. In der römischen Kirche San Nicola in Carcere gab es zudem lange Zeit den Brauch, am Nikolaustag einen zum Tode Verurteilten zu begnadigen.
Der heilige Nikolaus als Ursprung des Weihnachtsmannes
Holländische Auswanderer brachten den Kult des "Sinterklaas" nach Amerika. Dort wurde im Laufe der Jahre die Figur des "Santa Claus" geschaffen. Der Weihnachtsmann, ein freundlicher alter Mann mit weißem langen Rauschebart, der zur Weihnachtszeit alle Kinder beschenkt, hat allerdings heute kaum noch mit dem heiligen Nikolaus von Myra zu tun.
Quellen:
