
- Berberbraut - Rike / pixelio.de
Für die Mitglieder des Berberstammes der Ait Haddidou, der abgelegen in Marokko, im Atlasgebirge lebt, ist es oft schwer, für ihre Söhne und Töchter geeignete Heiratskandidaten zu finden. Deshalb hat sich am Moussem von Imilchil, an dem alles von nah und fern zusammenkommt, einen Heiratsmarkt etabliert, der mittlerweile über die Grenzen des Landes hinaus bekannt ist und jedes Jahr zahlreiche Touristen anzieht.
Der Moussem von Imilchil
Ein Moussem ist zu allererst ein religiöses Fest, bei dem einem Heiligen gedacht wird. Er ist der Tradition und Kultur gewidmet und dient als Jahrmarkt und Volksfest. In Marokko gibt es eine Reihe solcher Moussems, wie den Rosen Moussem oder den Moussem des Moulay Idriss. Einer der bekanntesten ist jener von Imilchil, einem Ort mit 7000 Einwohner, der auf einem 2200 Meter hohen Plateau zwischen dem mittleren und hohen Atlas liegt. Der Moussem von Imilchil findet meist in der ersten oder zweiten Septemberwoche im Dorf Adga, das unweit von Imilchil entfernt liegt, statt. Er ist das Fest des Berberstammes der Ait Haddidou, der in den Frühlings- und Sommermonaten mit seinen Herden in den Bergen verstreut ist und im Herbst die Zusammenkunft mit dem Moussem feiert, in dem auch des Stammesheiligen Sidi Ahmed gedacht wird. Es wird Vieh verkauft, man versorgt sich mit notwendigen Gütern und hält Ausschau nach Ehepartnern für Söhne und Töchter. Das Fest dauert von Freitag bis Sonntag.
Der Heiratsmarkt von Imilchil
Am Moussem herrscht reges Treiben. Vieh steht zum Verkauf bereit, vor Marktständen und in Festzelten tummeln sich die Menschen, der Duft von gebratenem Hammelfleisch liegt in der Luft. Vor den Zelten führen die Stammesfamilien die für sie typischen Tänze und Gesänge vor, traditionell bekleidete Frauen, behangen mit Bernsteinketten stehen an der Seite und klatschen begeistert mit. Schön gekleidete Mädchen und Frauen schlendern herum und flirten selbstbewusst mit den Männern, für sie herrscht hier eine Freiheit, die sonst im islamischen Marokko undenkbar wäre. Es wird Ausschau nach möglichen Ehepartnern gehalten, Hochzeiten werden vereinbart und schon abgemachte Ehen werden geschlossen. Bei Mädchen die das erste Mal heiraten, wird die Ehe von den Eltern vereinbart, Frauen die geschieden oder verwitwet sind, man erkennt sie an ihren spitzen blauen Hauben, dürfen sich den Ehepartner selbst aussuchen. So ist es bei den Berbern Sitte, und es ist wohl nicht zuletzt auf diesen Brauch zurückzuführen, dass die Scheidungsrate bei ihnen deutlich höher als im übrigen Marokko ist. Die Hochzeiten finden am Samstag statt. Die verschleierte Braut wird auf einem Esel zum Bräutigam gebracht, mit ihm schreitet sie zu einem Standesbeamten, der auf einem Tisch unter freiem Himmel die Papiere abstempelt. Anschließend wird in einem Zelt gefeiert.
Die Anreise zu dem Fest mit dem Auto ist etwas mühsam, doch mittlerweile organisieren schon eine Reihe von Reiseveranstaltern eine Fahrt dorthin. Der Tourismus nimmt stetig zu, sehr zum Missfallen vieler Einheimischer. Nicht zu unrecht befürchten viele von ihnen, dass das für sie so wichtige Fest zu einer Touristenattraktion verkommt.
