Christiane Wagner arbeitet als Redakteurin, Autorin und Moderation beim Hessischen Rundfunk. Seit einiger Zeit betreibt sie intensive Recherchen über die Geschichte der Todesstrafe, über Scharfrichter und Galgen. Ihr Mitautor Wolfgang Bauer ist als Mythenforscher, Schriftsteller und Psychotherapeut tätig. Er schrieb bereits viele Bücher über den Bereich der Volkskunde und des alten Wissens. Gemeinsam haben sie im AT Verlag das Buch "Der Henker in uns. Auf den Spuren des Grauens" veröffentlicht.

Die Lust am Töten

Wie kann man es erklären, dass bereits im Mittelalter Hinrichtungen öffentlich stattfanden und als eine Art Dorffest zelebriert wurden? Liegt es an der Evolution, da bereits vor Millionen von Jahren die männlichen Exemplare unserer Vorfahren ihresgleichen töteten und das Fleisch verzehrten? Woran liegt es, dass die Französische Revolution sehr blutig ausgetragen wurde und von den Nationalsozialisten über eine Million unschuldiger Kinder getötet wurden? Was hat es für Ursachen, dass im Iran zweitausend Menschen eine öffentliche Steinigung vollziehen und dass viele Schaulustige immer wieder Rettungskräfte bei einem Unfall behindern? Und warum sind wir so begierig nach blutigen Szenen in Krimis? Die beiden Buchautoren Christiane Wagner und Wolfgang Bauer haben sich auf die Blutspuren von Hinrichtungen aus vielen hundert Jahren begeben.

Distanz vom Bösen

Fast jeder Mensch distanziert sich vom Bösen und wird doch gleichzeitig seltsam davon angezogen. Im Mittelalter praktizierten eine Vielzahl von Henkern, die die Kunst des Tötens perfekt beherrschten. Sie waren auf Grund ihres Berufes Ausgestoßene der Gesellschaft, fungierten aber gleichzeitig auch als Heiler. Die Hinrichtungen hinterließen auch bei ihren Vollstreckern ihre Spuren. Denn sie mussten neben verurteilten Verbrechern auch Kinder und Tiere sowie "lebende Leichen" töten. Viele Menschen, die Zeuge einer Enthauptung waren, tranken danach das Blut des Getöteten. Jeder Ort hatte damals eine öffentliche Richtstätte, zu der Tausende von Menschen bei einer Hinrichtung pilgerten.

Dunkle Gedanken

In jedem von uns lauert ein kleiner Henker. Wer würde nicht manchmal am liebsten seinem Chef "den Hals umdrehen" oder einen nervigen Nachbarn "an die Wand klatschen"? Wie oft ist man von anderen Autofahrern genervt, so dass man diese am liebsten umbringen möchte. Die Ausführung der Tat ist nur einen Sekunde von unserem Gedanken entfernt. Mit Gänsehaut beobachten wir im Fernsehen grausame Unfälle und sind froh, nicht das Opfer zu sein. Wir sind fasziniert vom Töten und verabscheuen es gleichsam.

Fazit

Das Buch "Der Henker in uns" ist wirklich nichts für schwache Nerven. Die Autoren beschreiben detailliert Hinrichtungsrituale aus dem Mittelalter und ergänzen ihre Beschreibungen mit aussagekräftigen Illustrationen. Das informative Buch ist gut recherchiert und eignet sich als Nachschlagewerk über die Kulturgeschichte des Tötens. Für hart gesottene Leser sehr empfehlenswert!

"Der Henker in uns. Auf den Spuren des Grauens" von Wolfgang Bauer und Christiane Wagner, erschienen im AT Verlag, gebunden, 232 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-03800-561-2

Bildnachweis: copyright AT Verlag

Die Autorin bedankt sich beim AT Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.