Der Holly-Meinken-Rachow ist 75

Loseblattsammlung Aquarienfische in Wort und Bild

Holly Meinke Rachow in Originalsammelordnern - Gerhard Ott
Holly Meinke Rachow in Originalsammelordnern - Gerhard Ott
Das Lieferwerk wird 1935 erstmalig erwähnt und erschien bis zum Jahre 1966. Wer wissen will, ob er komplett ist, stellt zahlreiche Ungereimtheiten fest.

Der „Holly-Meinken-Rachow“ ist mehr mit der Bezeichnung für das Trio der Autoren als mit seinem Titel „Die Aquarienfische in Wort und Bild“ bekannt. Eigentlich ist es kein Buch, sondern eine Loseblattsammlung. Solche kennen Juristen und Verwaltungsfachangestellte nur zu gut. Gesetzestexte, Dienstvorschriften und ähnliche Publikationen werden gerne in dieser Form publiziert. Der Austausch von Seiten ermöglicht, den Inhalt mehr oder weniger aktuell zu halten. Vorausgesetzt, der Bearbeiter sammelt und tauscht gewissenhaft und korrekt die Seiten aus.

Von einer solchen Idee gingen auch Maximilian Holly aus Wien, Hermann Meinken aus Bremen und Arthur Rachow aus Hamburg aus, als sie Anfang der Dreißiger Jahre zusammen mit dem Verlag Julius E. G. Wegener (Stuttgart-Winnenden) das Lieferwerk "Die Aquarienfische in Wort und Bild" ersannen. Die mittlerweile alle verstorbenen Autoren ahnten sicherlich nicht, welches Kopfzerbrechen es später einmal bereiten könnte, festzustellen, ob man denn nun eine komplette Sammlung besitzt oder nicht. 1934 wurde das Werk angekündigt und offensichtlich ab 1935 ausgeliefert. Bis 1966 sind Lieferungen erschienen.

Aktualisierung des Lieferwerks „Die Aquarienfische in Wort und Bild“

Den Sinn einer solcher Loseblattlieferung ist der Austausch von Seiten, wenn Irrtümer korrigiert werden sollen oder sich neue Erkenntnisse ergeben haben. Manche Blätter enthalten entsprechende Austauschanweisungen, andere nicht. Anhand der Nummerierung alleine ist nicht zu erschließen, was älter und was neuer ist; manchmal ist das aufgrund der Bilder zu erschließen. Farbbilder wurden getrennt gedruckt und waren vom Sammler selbst einzukleben. Manchmal hat auch ein Sammler etwas falsch eingeklebt.

Wann sind „Die Aquarienfische in Wort und Bild“ komplett?

Wer diese Publikation kennt oder sammelt, weiß, dass es sozusagen zwei Modi dieses Lieferwerks gibt. Die einen haben die Lieferungen - die nach und nach verfasst, gedruckt und versandt wurden - in dieser Reihenfolge gelassen. Andere haben ordnungsgemäß das von den Autoren erdachte Ordnungssystem benutzt, um die Blätter in die damalige fischkundliche Reihenfolge zu bringen. Man kann sagen, dass das zwei Arten Bücher zu sammeln entspricht. Die Einen sammeln aus bibliophilen Gründen, die Anderen aus fischkundlichem Interesse. Für beide Typen gilt: Jeder möchte es gerne vollständig haben.

Unter Sammlern kursieren Listen der Lieferungen, anhand deren man ermitteln können sollte, ob man komplett ist. Das klappt aber nur, wenn man selbst eine Sammlung mit "Lieferungen" hat. Tatsächliche Bestandslisten helfen eher weiter. In nur wenigen Sammlungen ist das Blatt "Vorbemerkungen" enthalten. Dieses erklärt das – auf den ersten Blick nicht erkennbare – Ordnungssystem: "Die Blätter erscheinen in bunter Reihenfolge. Auf der ersten Seite jeden Blattes unten ist in der Mitte die Nummer der Erscheinungsreihenfolge aufgedruckt … rechts unten steht dann eine Zifferngruppe, welche die systematische Ordnungszahl des Blattes angibt; die erste größere Ziffer bezeichnet die Familie, die zweite, kleinere die Gattung. Innerhalb der Gattung sind dann die Arten nach dem Alphabet der Artnamen zu ordnen."

Tatsächlich wurden allerdings noch weitere Gliederungen benutzt. In der Familie Nummer 8, also der Karpfenfische (Cyprinidae) beispielsweise 8a für die Unterfamilie Cyprininae, 8b für Rasborinae, 8c für Leuciscinae, 8e für Danioninae und 8f für Abraminae benutzt. Wer das ABC oder Alphabet kennt, merkt: 8d fehlt. Sollte das noch etwas erscheinen? Ist da etwas erschienen und es fehlt bloß in der eigenen Sammlung? Wie kann man das feststellen?

Offensichtlich ist im Laufe der Jahrzehnte der Überblick verloren gegangen. So finden sich Fischarten doppelt unter verschiedenen Ordnungsmerkmalen. Auf einigen Tafeln ist das kleine "L" kaum vom "I" - und zwar römisch "1" und nicht "i" wie "I" - zu unterscheiden. Zum Ende wird die Systematik des Lieferwerkes nicht unbedingt durchschaubarer. Es gibt Blätter/Tafeln, die nur noch als "Anhang" bezeichnet werden, manchmal von sachkundigen Sammlern manuell mit einer Familiennummer versehen. Zu etlichen Nummern gibt es offensichtlich keine Blätter/Tafeln, obwohl wahrscheinlich die Nummern für Familien frei gehalten worden sind.

Holly-Meinken-Rachow seit 1935 dokumentiert

Karl Baake aus Magdeburg schreibt in der Januar-Ausgabe 1935 der Zeitschrift „Blätter für Aquarien- und Terrarienkunde (vereinigt mit Natur und Haus)“ die beiden ersten Lieferungen hätten seinen „vollsten Beifall gefunden“; und weiter: „Der Verlag hat voll und ganz das gehalten, was bei der Ankündigung versprochen. Es ist das Werk, das jeder ernst suchende und forschende Liebhaber zur Orientierung in seinem Besitz haben müßte.“ Mindestens für Sammler aquaristischer Literatur gilt das heute noch.

Seit 75 Jahren gilt: Es ist und bleibt ein Lebenswerk, nicht nur der Autoren, sondern auch für Sammler.

Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

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