Der Ig-Nobelpreis, der im Volksmund auch einfach Anti-Nobelpreis genannt wird, ist eine Auszeichnung, die erstmals 1991 von der Harvard-Universität in Cambridge verliehen wurde. Seitdem werden jährlich auffallend schrullige oder einfach nur völlig nutzlose wissenschaftliche Arbeiten prämiert. Die Abkürzung "Ig" steht für ignoble, was übersetzt "unwürdig" oder "schändlich" bedeutet. Inzwischen ist der Preis durchaus keine Schande mehr, sondern wird sogar von "echten" Nobelpreisträgern in einer Show mit Kultstatus in Oscar-Manier überreicht.

Besonders würdige Ig-Nobelpreisträger im Bereich der Chemie

Dem Franzosen Jaques Benveniste wurde bereits zweimal der Ig-Nobelpreis verliehen. Einmal 1991 für seine Erkenntnis, dass Wasser sich Ereignisse merken kann und 1998 für die Steigerung derselbigen These: Die Informationen des Wassers seien auch durch Telefon- und Internetverbindungen übertragbar. Besonders spannend sind auch die "Synthese blauer Götterspeise" von Ivette Bassa aus dem Jahr 1992 und der "Untreue-Erkennungsspray" von Takeshi Makino 1999, der auf die betreffende Unterhose des Partners gesprüht wird und so für brandheiße Enthüllungen sorgen soll.

Yukio Hirose sorgte 2003 mit seiner kreativen Bronzestatue, die zur Taubenabschreckung im Zentrum der japanischen Stadt Kanazawa dienen sollte, für Spott bringende Furore. Edward Cussler und Brian Gettelfinger bekamen im Jahr 2005 die Auszeichnung für ihren meisterhaften Vergleich der menschlichen Schwimmgeschwindigkeit in Sirup und in Wasser. Gesteigert wird dieser Forschungserfolg nur noch vom Japaner Mayu Yamamoto, der aus Kuhdung Vanilleduft extrahierte und 2007 dafür ausgezeichnet wurde.

Die Kreativität der Physiker ist ebenso lobenswert

Nicht nur die Chemiker produzierten fleißig unabdingbare wissenschaftliche Erkenntnisse, die Physiker standen ihren Kollegen in nichts nach. 2010 erhielten Sheila Williams, Lianne Parkin und Patricia Priest den Ig-Nobelpreis im Fach Physik für ihre praktische Erkenntnis, dass Socken über den Schuhen die Zahl der auf vereisten Gehwegen verunglückten Menschen drastisch senken würden. Daniel Lieberman, Katherine Whitcome und Liza Shapiro teilten sich 2009 ihre Auszeichnung für ihre Errechnungen, weshalb hochschwangere Frauen nicht nach vorne kippen. 2006 konnten sich Sebastien Neukirch und Basile Audoly über einen Anti-Nobelpreis freuen, da sie das Phänomen ergründet hatten, warum ungekochte Spaghetti nicht in zwei, sondern in mehrere Teile zerbrechen.

1996 wurde Robert Matthews für die eigentlich uns allen schon bekannte Erkenntnis gewürdigt, dass herunterfallende Toastbrotscheiben stets auf der geschmierten Seite landen. Hochverdiente Ig-Nobelpreisträger sind auch Thomas Parnell und John Mainstone, die seit 1927 tropfenden Teer in einer trichterförmigen Vorrichtung beobachten. Seit Forschungsbeginn wurden ganze acht Teertropfen gezählt. Eine wahrlich rühmenswerte Leistung, die 2005 honoriert wurde.

Eine Besonderheit gelang dem niederländischen Wissenschaftler Andre Geim: Er schaffte es bisher als einziger, den "echten" Nobelpreis für Physik (2010) und den Ig-Nobelpreis für seinen "schwebenden Frosch" im Fach Physik (2000) zu bekommen. Gemeinsam mit seinem Forschungskollegen Sir Michael Berry gelang es ihm, einen Frosch mithilfe eines starken Magnetfeldes zum Schweben zu bringen. Ein echter Überflieger war diese Erfindung allerdings nicht ...

Herausragende Gewinner des Anti-Nobelpreises für Medizin

Mehrere japanische Mediziner bekamen 1996 den Ig-Nobelpreis für Medizin - für ihre Forschungen über die Frage, welche chemischen Prozesse für Fußgeruch verantwortlich sind. Sie fanden zudem heraus, dass Personen, die glaubten, sie hätten Fußgeruch, auch welchen bekämen und andersherum die Nichtgläubigen vom Fußgeruch verschont blieben. Thomas Stillwell, F. Nolan und John Sands wurden 1993 verdient für ihre Verhaltensregeln bei in Reißverschlüssen eingeklemmten Penissen ausgezeichnet. Ebenso nützlich sind die Forschungsergebnisse von Carl Charnetski, Francis Brennan und James Harrison, die feststellten, dass die Musik in Fahrstühlen positiv auf die Immunabwehr wirkt und somit Erkältungskrankheiten vorbeugt.

Im Jahr 2001 bekam Peter Barss den Anti-Nobelpreis für Medizin aufgrund seiner Studie über mögliche Verletzungen, die durch fallende Kokosnüsse entstehen. Für Aufsehen sorgte auch Chris McManus mit seinem Bericht über die asymmetrischen Zusammenhänge der Darstellung von Hoden bei antiken Skulpturen und denen des leibhaftigen Mannes. 2003 bekamen mehrere Wissenschaftler aus London den Ig-Nobelpreis für ihren Nachweis, dass Taxifahrer aus London ein deutlich besser entwickeltes Gehirn hätten als ihre Mitmenschen. Übertroffen wird diese Studie noch von Steven Stack, der 2004 seine Auszeichnung für die Untersuchung der Wirkung von Country-Musik auf Suizidgefährdete bekam. 2005 wurde die Erfindung von Hundehoden-Prothesen gewürdigt (Gregg Miller), 2007 die Auswirkungen des Säbelschluckens auf den Körper (Brian Witcombe und Dan Meyer).

Der Ig-Nobelpreis für überragende Forschungen in der Biologie

Robert Klark Graham bekam 1991 den Anti-Nobelpreis für Biologie, da er eine Samenbank entwickelte, für die nur Nobelpreisträger oder Olympiateilnehmer als würdige Spender in Frage kommen. Ebenfalls ausgezeichnet wurde 1996 der Forschungsreport von Hogne Sandvik und Anders Barheim über die Wirkung des Genusses von Ale, saurer Sahne und Knoblauch auf den Appetit eines Blutegels. 1998 konnte sich Peter Fong über den Biologie-Ig-Nobelpreis freuen, den er für seine Studie über die wiedergewonnene Lebenslust von Muscheln durch die Gabe eines Antidepressivums erhielt.

1999 gab es eine Auszeichnung für die erfolgreiche Aufzucht einer Jalapeño (Chilipflanze), die keine Schärfe besitzt (Paul Bosland). Sensationell ist auch die Erfindung von Buck Weimer, die im Jahr 2001 prämiert wurde: eine luftdichte Unterwäsche, die automatisch Gerüche neutralisiert. 2003 gab es den Anti-Nobelpreis im Bereich der Biologie für die Entdeckung von C.W. Moeliker, der homosexuell-nekrophile Neigungen bei Stockenten dokumentiert hat. 2005 wurden mehrere Forscher für ihre Untersuchungen bezüglich der Ausdünstungen unterschiedlicher Froscharten unter Stresseinwirkung ausgezeichnet. 2008 gab es den Preis für die Erkenntnis, dass ein Hundefloh höher hüpfen kann als ein Floh, der auf einer Katze zuhause ist.

In vielen weiteren Kategorien wird der Ig-Nobelpreis verliehen. Beispielsweise im Bereich der Mathematik, Literatur, Bildung, Wirtschaft oder Psychologie. Auch Kunstwissenschaftler oder Astronomen bekamen den Wissenschaftspreis schon ausgehändigt. Sogar ein Ig-Friedensnobelpreis wird jedes Jahr in Cambridge vergeben.

Foto: Urheber John Mainstone, GFDL-Lizenz

Quellen und weiterführende Literatur:

  • Webseite des Ig-Nobelpreises (in englischer Sprache)
  • Marc Abrahams: IG Nobel Prizes. Orion, London, 2002
  • Mark Benecke, Lachende Wissenschaft. Aus den Geheimarchiven des Spaß-Nobelpreises Lübbe, Bergisch-Gladbach, 2005