Der Ilmtalradweg bis Singen, Kleinhettstedt, Bad Berka, Weimar

Goethes Gartenhaus in Weimar - Judith Weibrecht
Goethes Gartenhaus in Weimar - Judith Weibrecht
Kulinarische und kulturelle Genüsse am Radweg an der Ilm sind zahlreich. In Weimar finden Radfahrer viele Sehenswürdigkeiten an und neben der Radroute.

Nach dem ersten Abschnitt des Ilmtalradwegs ab Allzunah bis Ilmenau führt die Radroute weiter am Fluss entlang. Da kommen auch die irdischen Genüsse nicht zu kurz, führt doch ein nicht zu übersehender Abstecher, markiert durch ein gelbes Schild am Radweg, zur idyllischen Museumsbrauerei Schmitt, der kleinsten produzierenden Brauerei Thüringens in Singen. Seit 115 Jahren wird hier gebraut und direkt in der urigen Brauerei kann auch verkostet werden. Zu DDR-Zeiten war sie die einzige, die nach dem Reinheitsgebot braute.

Die Ilm ist schmal, aber reißend, so haben sich auch viele Mühlen am Wegesrand, zum Beispiel die Kunst- und Senfmühle in Kleinhettstedt, angesiedelt. Ein Kleinod, das man unbedingt besuchen sollte. Doch klein ist das Mühlengehöft aus Fachwerk nicht: Da ist das Restaurant „Zum Mühlenwirt“, Café, Museum, der Laden „Senfmühlentenne“ und ein Raum, wo es zum Kauf und zur Senfprobe geht. Übrigens wurde die Senfsaat in Thüringen angebaut und Orangen-, Feigen-, Bärlauch-, Tomate-Olive-Senf und dergleichen mehr werden angeboten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und flugs erstehen die beiden Radtouristen drei braune Steinguttöpfchen voll. Später erfahren sie im Deutschen Bienenmuseum in Oberweimar alles über die fleißigen Tiere. Ein Hofladen und eine Gastwirtschaft sind angeschlossen – ein Bienenstich muss sein. Thüringer Spezialitäten sind natürlich auch die Thüringer Rostbratwürste mit Senf und die Thüringer Klöße. Beides sollte man keinesfalls missen und in den Gaststätten am Wegesrand probieren.

Natur und Dörfer am Ilmtalradweg

Genug der Kulinaria. Am Weg liegen dichte Laubwälder, im Hintergrund Nadelhölzer und direkt neben dem Radweg die gluckernde Ilm. Meist radelt man dabei auf Asphalt oder Beton, manchmal auch auf Schotter oder Waldwegen durch schmucke Dörfer mit Fachwerkhäusern. In der Zwei-Burgen-Stadt Kranichfeld locken gar das weithin sichtbare Oberschloss und die Niederburg aus dem Sattel. Von Goethe aber wird man endlich in Bad Berka wieder eingeholt: Ein Goethebrunnen liegt im Kurpark.

Weimar ist ein Highlight an der Radroute an der Ilm

Die Naturlandschaft geht schließlich in eine wohl gestaltete Parklandschaft über: Der Ilmpark in Weimar ist erreicht. Auch Goethepark wird er genannt, da er teilweise von Goethe gestaltet wurde. Goethes Gartenhaus liegt direkt am mäandernden Radweg. Ob er bei der Planung des Parks schon die Radler im Sinn hatte? Hier ging er abends nach Anbruch der Dunkelheit und des Tages Mühen spazieren. Sein Wohnhaus befindet sich am Frauenplan in Weimar und darf besichtigt werden. Goethe ganz privat! Tatsächlich fühlt man sich eher als vertrauter Gast und Voyeur, denn als Museumsbesucher, da man ungehindert durch die Räume spazieren kann und kein Schild den Blick verstellt oder an eine Gedenkstätte erinnert. „Salve“, sei gegrüßt, wird auch als Segensgruß, der Heil, Gesundheit und Ganzheit wünscht, übersetzt. Dies steht im oberen Treppenhaus vorm Eingang zum gelben Saal angeschrieben. Und so findet man sich plötzlich im kleinen Esszimmer der Familie wieder oder vor der Bibliothek mit etwa 7.000 Bänden. Doch in Weimar weilten viele berühmte Persönlichkeiten: Schiller, Feininger, Bach, Liszt, Wieland, um nur einige zu nennen. So bleibt dem Radfahrer die quälende Wahl: Was aussuchen aus den vielen Ausstellungen und Sehenswürdigkeiten?

Ab Weimar geht es auf dem Ilmtalradweg weiter bis an die Saale.

Judith Weibrecht, Judith Weibrecht

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