
- Moschee in Manavgat - Katharina Wieland Müller / pixelio.de
Zunächst bezeichnet man im Islam den Vorbeter, der das Gemeinschaftsgebet (salat) der Muslime leitet als Imam. Seine Aufgabe besteht darin, für den reibungslosen Ablauf des Gebets zu sorgen. Grundsätzlich kann jeder Muslim Imam werden. Für diese Funktion ausgewählt zu werden, ist für jeden Muslim eine Ehre.
Eine besondere Ausbildung braucht der Vorbeter nicht, er muss lediglich das Gebet korrekt durchführen können, wobei er soviel Arabisch können muss, dass er das Gebet richtig aussprechen kann. In größeren Moscheen gibt es meist mehre Imame, die über eine juristische und theologische Ausbildung verfügen, damit sie neben der Funktion als Vorbeter auch rechtliche und andere religiöse Aufgaben übernehmen können.
Der Imam als Leiter der Muslime
Außerhalb des rituellen Bereichs ist der Imam der Führer gesamten muslimischen Gemeinde und kann mit weitgehend mit dem Khalifen/Kalif gleich gesetzt werden. Da es im Islam keine Trennung von Religion und Politik gibt, war der Imam als Führer aller Muslime gleichbedeutend mit dem Khalifen.
Die Sunniten sind der Meinung, dass nur die ersten vier Imame ihre Aufgabe als religiöse Führer voll ausfüllten. Nach diesen vier Imamen degenerierte nach sunnitischer Auffassung die Führung aller Muslime immer mehr in Richtung weltlicher Herrschaft.
Auch wenn es ungerechte und tyrannische Imame gab, so musste es nach Meinung der sunnitischen Gelehrten immer einen Imam geben. Dieser Imam durfte nur aus dem Stamm zu dem Mohammed gehörte, den Quraisch, stammen. Eine weitere Voraussetzung für die Stellung des Imam war die Kenntnis des islamischen Rechts.
Der Imam konnte sein Amt aber auch wieder verlieren. Ein Imam sollte immer über genügend körperliche und geistige Vitalität verfügen, um alle religiösen, militärischen und politischen Aufgaben bewältigen zu können. Einige Staatstheoretiker vertraten die Auffassung, das im Falle des Abfallens vom muslimischen Glauben und anderer Verfehlungen die Ablösung des Imam erfolgen sollte.
Die Pflichten des Imam
Der Imam hatte zahlreiche religiöse und politische Aufgaben. Er sollte über die Einheit des Glaubens wachen, die Streitigkeiten unter den Muslimen schlichten und über die Einhaltung des muslimischen Recht und die angemessene Ausführung der Strafen wachen. Er war verantwortlich für die Bekämpfung der Feinde von Außen und den Frieden innerhalb der islamischen Gemeinschaft. So oblag dem Imam auch die Leitung des Dijhad, dem Kampf gegen die Feinde des Islam. Auch für die Ernennung und Überwachung der Verwaltungsbeamten war der Imam verantwortlich.
Eine weitere wichtige Aufgabe des Imam war die Weiterverteilung aller seiner Einnahmen durch Almosen, Steuern und den fünften Teil der Kriegsbeute, auf der Grundlage des islamischen Rechts.
Das Amt des Imam und die geschichtliche Wirklichkeit
Mit dem voranschreiten der islamischen Geschichte veränderte sich auch die Stellung des Imam immer mehr. Der Anspruch als religiöser und politischer Führer aller Muslime konnte nicht aufrecht erhalten werden. Spätestens mit dem Ende der Abbasidenherrschaft lag die politische Macht nicht mehr in den Händen des Imam. Innerhalb der islamischen Welt gelangten Herrscher an die Macht, die nicht zum Stamm des Propheten gehörten.
Schließlich hatte das Amt des Imam nur noch repräsentative Funktion. Hatten sich anfangs die Sultane noch in ihrer Macht vom Imam legitimieren lassen, sank der Titel des Imam soweit herab, dass dieser unter den türkischen Sultanen nur noch einer von vielen Titeln war mit denen sich diese Herrscher schmückten.
Die Abschaffung des Imamats
Kemal Atatürk schaffte dann das Imamat und damit auch das Khalifat mit der Revolution in der Türkei ab. Obwohl das Imamat zu dieser Zeit lange keine politische Bedeutung mehr hatte, bedauerten viele Muslime die Abschaffung diese Symbols der muslimischen Einheit. Bis heute ist es den Muslimen nicht gelungen das Imamat wieder herzustellen.
Quellen:
Islam-Lexikon 1-3 ; Adel Theodor Khoury, Ludwig Hagemann, Peter Heine ; Herder 1999
