Der japanische Künstler Takashi Murakami

Gänseblümchen-Sex und böse Pilze

Murakami - ©2002 Takashi Murakami/Kaikai Kiki Co
Murakami - ©2002 Takashi Murakami/Kaikai Kiki Co
Der Japaner Murakami gehört zu den Stars der zeitgenössischen Kunstszene. Er ist nicht nur Künstler, sondern auch TV-Moderator, Modedesigner und Unternehmer.

An dem japanischen Künstler Takashi Murakami scheiden sich die Geister. Manch ein Liebhaber der schönen Künste schmäht der umtriebigen Zeichner als vor allem an guten Geschäften interessiert. Andere wiederum sehen in Murakami die asiatische Antwort auf Jeff Koons oder Damien Hirst. Zumindest was die Preise angeht kann der Japaner locker mit den Großverdienern der Kunstszene mithalten. Im Mai des Jahres 2008 versteigerte das New Yorker Auktionshaus Sotheby´s die Manga Skulptur des Kunststars „My Lonesome Cowboy" für die Rekordsumme von 13,5 Millionen Dollar.

Pop Art und Andy Warhol

Betrachtet man das Werk Murakamis aus kunstgeschichtlicher Perspektive, dann muss man ihn in eine Reihe stellen mit Andy Wahrhol und den Künstlern der amerikanischen Pop-Art. Der Japaner mischt ebenso wie Wahrhol gnadenlos Kitsch, Kommerz und Kunst. Die Arbeiten sind Zeugnis der japanischen Trash-Kultur, die von Manga-Comics bis hin zu Computerspielen reicht. Murakami nimmt diese reichhaltigen Bildwelten und inszeniert diese in den klassisch westlichen Kunstformen, wie Tafelbild, Skulptur oder Installation. Ebenso arbeitet der Künstler im öffentlichen Raum und dekoriert Straßenbahnen oder Gebäude mit bunten Blümchen. So gelingt ihm eine eigene Mischung aus Street Art, Graffiti und Kunst am Bau, die sich zwischen reiner Dekoration und kritischem Eingriff nicht so richtig entscheiden kann.

Die Arbeit Murakamis ist nie eindeutig der Kunst oder der Unterhaltungsindustrie zu zuordnen. Der Künstler moderiert im japanischen Fernsehen eine eigene TV-Show. Gleichzeitig ist er aber auch Gründer der Kunstmesse GEISAI, die junge Talente fördert. Murakamis Firma mit dem Namen KaiKai Kiki beschäftigt in New York und Tokio rund 150 Mitarbeiter. Die vielen Helfer benötigt der Künstler nicht nur zur Produktion seiner Arbeiten, sondern vor allem, um sein riesiges Merchandising-Programm unter die Leute zu bringen.

Smileys für Louis-Vuitton Taschen

Auch vor der Mode macht Murakami nicht halt. Seit 2003 kooperiert der Künstler mit Marc Jacobs, dem Kreativdirektor des französischen Luxuskonzerns Louis-Vuitton. Jacobs hat es dem japanischen Künstlerstar sogar gestattet, das Logo der Firma neu zu gestalten. Statt in gediegenem Braun gibt es das Louis-Vuitton-Logo nun in 33 unterschiedlichen Farben. Das edle Leder der teuren Louis-Vuitton Taschen hat Murakami mit bunten Kirschblüten, Blumen, Smileys oder Camouflage-Mustern aufgehübscht. Bei seiner großen Retrospektive im MKK Museum für moderne Kunst in Frankfurt im Jahr 2008 kam er auf die Idee, einen Louis-Vuitton Shop zum Mittelpunkt seiner Ausstellung zu machen. Warum auch nicht. Ist die Kunst in den letzten Jahrzehnten doch immer mehr zum Luxusgut für prestigesüchtige Neureiche geworden.

Versteckte Sexszenen

Die Bildwelt des Japaners stellt ein ganz eigenes Universum dar. Er malt glücklich lächelnde Gänseblümchen und mit Vorliebe Pilze, die manchmal sehr böse Grimassen schneiden. Einer der Markenzeichen Murakamis sind die starrenden Gluppschaugen, die überall auf den Bildern auftauchen. So unschuldig und naiv, wie die Bildwelten Murakamis auf den ersten Blick erscheinen, sind sie aber nicht. Oft schleust der Künstler versaute Sexszenen in die Bilder ein. Der Betrachter kann sich der Überdosis an Reizen kaum entziehen. Er verliert sehr schnell seine kritische Distanz und erfreut sich an der Explosion der Farben und Formen.

Peter Steinhauer, Christoph Steinhauer

Peter Steinhauer - Ich arbeite als freier Journalist in Berlin für Print und Internet. Studiert habe ich in Bonn und Köln die Fächer ...

rss