
- Homers Odyssee wurde erst durch Voss bekannt - kladcat
Der von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehene Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung ist ein wichtiger, mit 15.000 Euro dotierter Preis, der jährlich die herausragenden Leistungen eines Übersetzers würdigt.
Übersetzer erschließen die Werke bekannter Autoren aus aller Welt, stehen aber selbst selten im Rampenlicht, obwohl sie mit ihren Werken vertraut sind wie kaum ein anderer. Durch ihre genaue Wiedergabe jeder sprachlichen Nuance werden Werke erst international bekannt und geschätzt. Der Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung will genau diese außerordentliche Leistung würdigen.
Was ist der Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung?
Der Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung wird alljährlich im Mai von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen. Der seit 1958 bestehende und zunächst einfach als Übersetzerpreis bekannte Preis zeichnet “hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der Übersetzung” aus. Dabei kann das übersetzerische Lebenswerk eines Übersetzers oder einer Übersetzerin gewürdigt werden, aber auch Einzelleistungen.
Das Genre ist keineswegs auf Lyrik, Drama oder Essayistik beschränkt, sondern ist auch offen für Werke der produktiven Wissenschaft, vorausgesetzt sie sind von “schriftstellerischem Range”. Obwohl meistens für Übersetzungen in die deutsche Sprache vergeben, sind Übersetzungen deutscher Texte in andere Sprachen nicht ausgeschlossen. Auf der offiziellen Website der Deutschen Akademie finden sich die Preisträger seit 1958; unter ihnen Peter Urban, Harry Rowohlt und Zsuzsanna Gahse.
Wer war Johann Heinrich Voß?
Benannt ist der Preis seit 1977 nach Johann Heinrich Voß, einem Dichter und Altphilologen der von 1751 bis 1826 lebte. Er war nicht nur der erste, der Homers Ilias und Odyssee vom Altgriechischen ins Deutsche übersetzte, sondern tat dies so gekonnt und bildreich, dass er viele Zeitgenossen – unter ihnen Goethe – zu Vers-Epen anregte. Darüberhinaus machte er Generationen deutscher Leser mit Homer vertraut. Obwohl der Dichter Voß selbst ausdrucksstarke Gedichte verfasste, sind es doch seine gekonnten Übersetzungen, die ihn schon zu Lebzeiten bekannt machten.
Außer den Werken Homers übersetzte Voß auch viele berühmte Klassiker wie Theokrit, Vergil, Ovid und andere. Mit Hilfe seiner Söhne Heinrich und Abraham verfasste er in den Jahren vor seinem Tod eine Übersetzung von Shakespeares Dramen, die von 1818 bis 1829 in neun Bänden veröffentlicht wurde. Bis heute werden wir im täglichen Sprachgebrauch durch den Ausdruck “Wein, Weib und Gesang” an Voß erinnert, der diesen in seinem Trinkspruch “Wer nicht liebt, Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang” prägte.
Der Preis sollte nicht mit dem Johann-Heinrich-Voß-Preis für Literatur verwechselt werden. Dieser wird von der niedersäsischen Stadt Otterndorf, in der Voß von 1778 bis 1782 als Rektor der Lateinschule tätig war, alle drei Jahre verliehen. Der seit dem Jahr 2000 bestehende und mit 10.000 Euro dotierte Preis würdigt „Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich um Humanismus, Aufklärung, Menschlichkeit und Freiheit verdient gemacht haben.“
