Der Josephinismus

Joseph II. als großer Reformator

Der Sohn Maria Theresias hat jene Reformen fortgesetzt, die seine Mutter begonnen hat.

Er hat den Ruf, einer der größten Staatsmänner der Aufklärung zu sein: Joseph II., der älteste Sohn Maria Theresias. Am 27. März 1764 wurde er zum römisch-deutschen König gewählt, nach dem Tod seines Vaters Franz Stephan von Lothringen wurde er ein Jahr später Kaiser.

Über die Köpfe aller hinweg

Verschiedenste geistige Strömungen und Traditionen haben den Herrscher und seine Ratgeber geprägt: So traf der Geist der Aufkärung unter anderem auf jansenitische Ideen. Die durch den niederländischen Theologen Cornelius Jansen (1585 - 1638) begründete katholische Bewegung ging davon aus, dass der Mensch durch die Erbsünde von Natur aus schlecht sei und nur durch eine religiöse Verinnerlichung in den Genuss der Gnade Gottes kommen und so die Lust am Bösen überwinden könne. Aber auch Einflüsse des Febronianismus, eine Bewegung innerhalb der katholischen Kirche, in der auch österreichische Bischöfe für eine selbständigere Position dem Papst gegenüber und für eine Nationalkirche eintraten, fanden Eingang und alle zusammen mündeten sie in dem, was heute unter Josephinismus bekannt ist. War seine Mutter bei der Umsetzung neuer Ideen noch vorsichtig, so agierte Joseph II. in der Regel viel zu stürmisch. Friedrich II. sagte sogar, dass der Kaiser gelegentlich den zweiten Schritt vor dem ersten mache. Zwar sollten die Reformen dem Volk zugute kommen, einbezogen wurde es jedoch nie. Was dazu führte, dass manche der eigentlich gut gemeinten Reformen von denen, denen sie Erleichterung verschaffen sollten, abgelehnt wurden.

Aufhebung der Leibeigenschaft 1781

Vor allem im Rechtswesen setzte Maria Theresias Sohn die von seiner Mutter eingeleiteten Maßnahmen weiter fort. So wurde die Trennung von Justiz und Verwaltung weiter verfolgt, die grundherrliche Patrimonialgerichtsbarkeit zumindest in den deutschen Erbländern weitgehend eingeschränkt. Ein weiterer großer Schritt waren die Aufhebung der Leibeigenschaft 1781, die Abschaffung der Todesstrafe und die Einführung des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches. Neu geordnet wurde auch die Grundsteuer.

Toleranz gegenüber Andersgläubigen

Das Kernstück von Josephs Reformen waren allerdings die kirchenpolitischen Maßnahmen. So ermöglichte das 1781 von ihm erlassene Toleranzpatent Lutheranern, Kalvinern und Griechisch-Orthodoxen die bürgerliche Gleichheit mit Katholiken und Kulturfreiheit. Auch die Juden erhielten zwar noch keine bürgerliche Gleichstellung, aber doch wesentliche Rechte. So wurden sie zu Handwerken, Gewerben, der industriellen Betätigung und an Hochschulen zugelassen. Auch noch bestehende Bekleidungsvorschriften wurden abgeschafft.

Hart zu spüren bekamen hingegen Orden die Hand des Kaisers. So wurden ebenfalls 1781 alle Klöster, die weder einen Beitrag zur Erziehung der Jugend noch zur Krankenpflege leisteten aufgehoben. Kontemplatives Dasein allein reichte nach Ansicht joseph II. nicht zur Daseinsberechtigung der Klöster. Mehr als 400 Klöster wurden aufgelöst. Ebenfalls verboten wurden die meisten Prozessionen, Wallfahrten wurden radikal eingeschränkt. Gleichzeitig allerdings wurden zahlreiche neue Pfarren gegründet und Kirchen gebaut - niemand sollte länger als eine Stunde Weges zur Pfarrkirche haben.

Charakteristisch für die Maßnahmen Josephs war die Ablehnung des Kaisers aller Sonderstellungen und Privilegien. Die Monarchie sollte seiner Meinung nach gleichzeitig Wohlfahrts- als auch Polizeistaat sein, um so die besten Bedingungen für das Wohlergehen der Bevölkerung zu schaffen. Viele seiner Reformen wirken bis heute nach - selbst das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch ist noch in Kraft.

Ursula Rischanek, Ursula Rischanek

Ursula Rischanek - Schreiben ist eine Sucht - zumindest für mich. Zwei Mal habe ich dem Journalismus abgeschworen - und bin vom Schreib-Fieber immer wieder ...

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