Eine hebräische Bezeichnung für den Jüdischen Friedhof lautet Beth Olam, Haus der Ewigkeit. Dieser Name bezieht sich auch darauf, dass die Grabstätten nicht aufgelassen werden dürfen, sondern ewige Ruhestätten sind. Auf dem jüdischen Friedhof in Templin wurde am 30. Oktober 2011 eine Gedenktafel mit den Namen der dort Bestatteten eingeweiht.
Bestimmungen für einen jüdischen Friedhof
Ein jüdischer Friedhof soll soweit wie möglich der Natur überlassen bleiben. Es gibt keinen Blumenschmuck auf jüdischen Gräbern, da alle Menschen im Tod gleich sein sollen und die Pracht eines Blumenschmucks die Gleichheit aufhebt. Die Grabsteine sollen schlicht gestaltet sein, das Setzen eines solchen erfolgt am ersten Jahrestag des Todes nach dem jüdischen Kalender. Die gärtnerische Gestaltung eines jüdischen Friedhofes beschränkt sich darauf, zugewachsene Wege aus Sicherheitsgründen von Pflanzenwuchs zu befreien und wild gewachsene Pflanzen zu entfernen, welche Grabsteine unlesbar machen würden. Vom Menschen vorgenommene Pflanzungen sind auf jüdischen Friedhöfen nur außerhalb von Gräberfeldern erlaubt, zulässig sind zudem nur in Israel vorkommende Gewächse. Ein jüdischer Friedhof wird außerhalb des bei seiner Anlage bewohnten Gebietes einer Stadt angelegt und ist von einer Mauer umgeben. Der Besuch eines jüdischen Friedhofs soll nicht am Schabbat erfolgen, Männer tragen zu diesem Anlass eine Kopfbedeckung. Nach dem Besuch eines jüdischen Friedhofs ist das Händewaschen Pflicht.
Der jüdische Friedhof in Templin
Der jüdische Friedhof in Templin befindet sich am Poetensteig nahe des Berliner Tors, wurde während des achtzehnten Jahrhunderts angelegt und zur Zeit der Nazi-Diktatur geschändet. Bei dieser Schändung blieben jedoch einige Grabsteine erhalten. Diese wurden 1957 entfernt, als die damalige Stadtverwaltung den Friedhof zu einem kleinen Park umgestalten ließ. Erst in den ersten Jahren des einundzwanzigsten Jahrhunderts erfolgte eine Neubesinnung, ausgelöst durch eine Projektgruppe des Templiner Gymnasiums. Ein erster Gedenkstein erinnerte allgemein an die jüdische Gemeinde zu Templin und daran, dass der Ort ihr Friedhof war. Nach dem durch ein Naturereignis ausgelösten Einsturz einer Stützmauer unterstützte die Projektgruppe des Gymnasiums nicht nur deren Wiederaufbau, sondern forschte auch nach den Namen der auf dem Templiner jüdischen Friedhof bestatteten Gemeindemitglieder. Mit der Aufstellung eines weiteren Grabsteines, welcher die ermittelten Namen nennt, wird die Pflicht, auf unbegrenzte Zeit an die Verstorbenen auf dem Friedhof zu erinnern, wieder erfüllt. Beeindruckend bei der Einweihung der Gedenktafel war, dass nach langer Zeit wieder eine Feier mit jüdischen Gebeten in Templin stattfand.
Die jüdische Gemeinde in Templin
Die jüdische Gemeinde Templin errichtete im Jahr 1866 ihre neue Synagoge an der Berliner Straße. Das Gotteshaus wurde 1928 an die christliche Adventistengemeinde vermietet, da die Beteiligung am Gottesdienst nicht mehr ausreichend war. Die Templiner Juden bildeten mit Zehdenick eine gemeinsame Kultusgemeinde und besuchten die dortigen Gottesdienste. Auch die Nutzung des Gebäudes durch eine christliche Religionsgemeinschaft bewahrte die Synagoge in Templin nicht vor der Zerstörung im Jahr 1938. Heute erinnert ein Gedenkstein im Pflaster vor der ehemaligen Synagoge an diese. Nur eine Templiner Jüdin überlebte die Shoah und kehrte nach dem Krieg zurück. Sichere Angaben über die Anzahl der heute in Templin lebenden Juden lassen sich nicht vornehmen, da in Brandenburg Jüdisch nicht als Religion in das Melderegister eingetragen wird und somit auch die Jüdische Gemeinde erst durch deine persönliche Anmeldung im Gemeindebüro über ein neu zugezogenes Mitglied informiert wird. Heute in Templin lebende Juden besuchen entweder die Synagoge in Oranienburg oder eine egalitäre Berliner Synagoge, von welchen sich die Synagoge in der Oranienburger Straße am besten erreichen lässt.
Quellen:
- Einweihung der neuen Gedenktafel auf dem Jüdischen Friedhof Templin am 30.10.2011
- Artikel von Sigrid Werner in der Templiner Zeitung vom 01.11.2011, abgedruckt auf der Webseite des Templiner Gymnasiums
- Artikel zu Tod, Beerdigung und jüdischen Friedhöfen von Michael Rosenkranz auf talmud.de
