
- Die Majestäten des Vereins - Kadereit
Als vor zwei Jahren beim Lenneper Schützenverein 1805 wieder ein König ausgeschossen wurde, errang Erich Fuhrmann die Kaiserwürde. Der Tatsache, dass ein Schützenkaiser niemals degradiert werden darf, verdankte jetzt Erwin Fuhrmann seine erneute Kaiserwürde. Vor Jahren hatte er nämlich erstmals den Königstitel errungen, ein Jahr später wieder ins Schwarze getroffen, und war damit der Schützenkaiser. So musste er nach Jahren nicht etwa wieder „als König anfangen“.
Mit Leibe und Seele der Tradition dienen
Erwin Fuhrmann stammt aus dem Harz, kam 1954 nach hier und lebt - wie man ihm anmerkt - gern in der „Seestadt auf dem Berge“. Dass er zu den Schützen fand, verdankt er einem Zufall. Er hatte sich nämlich mit dem Schießmeister der Schützen angelegt, ohne dessen Funktion zu kennen. Der Ahnungslose ließ sich mit ihm auf ein Wettschießen ein und unterlag mit einem Ring. Für diesen Fall, so der Inhalt der damaligen Wette, sollte er Mitglied bei den 1805er Schützen werden. So kam es denn, dass er seit 1981 dem ältesten Lenneper Schützenverein angehört und mit Leib und Seele - jetzt als Oberleutnant - dabei ist.
Fehlender Nachwuchs bei den Schützen
Ein wenig traurig, so der amtierende Kaiser, ist für ihn die Tatsache, dass immer mehr der Nachwuchs fehlt. Sein Adjutant Horst Fitzner, im Verein erster Jugendwart, bestätigt den Mangel. Er betreut die Jugendlichen, die ab dem zehnten Lebensjahr unter Aufsicht schießen dürfen. Oftmals sei es so, dass die Jungen nach einiger Zeit den Mädels mehr Beachtung schenkten als dem Zielen auf die Scheibe. Dann würden sie in der Regel abspringen. An die einhundert Mitglieder hat der Verein derzeit, darunter auch Jugendliche. Früher waren es mehr.
Kein Männerprivileg mehr
„Der König wird bei uns immer zu einhundert Prozent fair und sportlich ermittelt“, versichert Fuhrmann. Moderne Technologie helfe dabei in Form einer Videokamera, die bekanntlich objektiv dokumentiere und Schummeln ausschließe. Da werde oft hart und lange gerungen, bis der beste Schütze fest stehe. Im Jahre 2006 beispielsweise habe es vier Stunden gedauert, bis einer der Bewerber auf die Königsscheibe den entscheidenden Schuss tat. Ganz ungeduldig habe zwischendurch immer wieder die Presse angerufen und nach dem Ergebnis gefragt. Ein halber Tag war den Journalisten damals auch sehr lange erschienen.
Gesellschaftliche Verpflichtungen gehören dazu
Wer sich um die Königswürde bewerben will, muss sich vorher in die Königsliste eintragen. Andere schießen auf die Ehrenscheibe. Natürlich dürfen jetzt auch Frauen im Verein schießen. Das ursprüngliche Männerprivileg aus alter Zeit musste den moderneren Denkarten weichen. Aber in der beschriebenen Session trägt wieder ein Mann die Krone. Zur Seite steht ihm das Adjutantenpaar Elke und Horst Fitzner. „Es macht Spaß!“ sagt Fitzner, der aus Franken stammt und in Remscheid heimisch wurde. Nicht zuletzt hat er im Verein Verantwortung übernommen und hilft dem König bei der Bewältigung der zahlreichen gesellschaftlichen Verpflichtungen. Beim Adjutanten sei es besonders wichtig, dass man sich auf ihn verlassen kann, unterstreicht Erwin Fuhrmann die Bedeutung dieses Postens.
Guter Umgang mit Nachbarvereinen
Wenn es einmal keinen Bewerber um die Königswürde gebe, sei das durchaus kein Beinbruch, denn dann übernehmen alle Vorstandsmitglieder im Wechsel die Repräsentationsaufgaben wie Besuche bei befreundeten Vereinen. Im nächsten Jahr sei dann eben wieder alles anders. Probleme wie in Nachbarstädten entstünden daraus für die Lenneper nicht. Eine enge Verbundenheit gibt es mit dem Schützenverein Eintracht Lennep von 1928, der den vereinseigenen Schießstand der älteren Schützenvereinigung in Endringhausen mit benutzt. Auch werde zwischen beiden Organisationen gelegentlich ein gemeinsamer Auftritt in der Öffentlichkeit vereinbart, wenn es personelle Engpässe gibt. „Wir tun uns gegenseitig nicht weh“, versichert der amtierende Kaiser.
Waffengesetz legt Steine in den Weg
Ansonsten setzt er auf Erhaltung und Vertiefung von Freundschaften. Mehr Jugendliche wünscht er sich im Verein. Letztlich dürfen ja schon die Zehn- bis Zwölfjährigen mit dem attraktiven Lasergewehr das Zielen und das Treffen üben. Ein wenig böse ist er auf „die Stadt“. Dort gebe es zu wenig Koordination, wenn es um die Veranstaltungstermine gehe. „Zu viele Freizeitangebote gleichzeitig nehmen nämlich Besucher weg“, erklärt er und von diesen lebe schließlich jedes Volksfest. Die Verschärfung des Waffengesetzes bringt den Schützen jedoch viele neue Hindernisse, weil Eltern immer weniger gern ihren Sprösslingen die Einwilligung zum Umgang mit Waffen geben.
Recherchen im "Lenneper Schützenverein 1805" und Gespräche mit den Aktiven lieferten die Hintergründe zu diesem Thema.
