Der Maya-Kalender - Prophezeiung des Weltuntergangs?

Maya-Kalender Tzolkin und Haab - Guzman m
Maya-Kalender Tzolkin und Haab - Guzman m
Die Mayas glaubten, dass ihr Kosmos durch einen gnadenlosen, unabänderlichen Zyklus aus Untergang und neuerlicher Schöpfung bestimmt wird.

Die Überlieferung der Mayas schöpft dazu aus verschiedenen Quellen. Die bei weitem bedeutendste ist das "Popol Vuh", das heilige Buch der Quiché-Maya. Dieses Volk, das eigentlich aus Nordmexiko stammt, errichtete seinerzeit im Hochland des heutigen Guatemala das mächtigste Königreich unter den verschiedenen Stadt- und Territorialstaaten des Maya-Reichs. Das "Buch des Rates", wie das "Popol Vuh" auch genannt wird, überstand die Zeit der Bücherverbrennungen durch die spanischen Eroberer. Seine ursprüngliche Version war in der traditionellen Bildzeichenschrift der Mayas verfasst. Man vermutet, dass sie ungefähr in der Mitte des 16. Jahrhunderts von Schriftkundigen der Maya-Elite in die von den Spaniern eingeführte lateinische Schrift übertragen wurde. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Buch von einem spanischen Franziskanermönch entdeckt und übersetzt.

Wie sah der Kosmos der Maya aus?

Ehe die Erde geschaffen wurde, herrschte Dunkelheit. Es gab nichts außer dem Himmel und dem Urmeer. Doch im Himmel und im Meer wohnten mächtige Götter. Huracán, der Himmelsgott und der Meeresgott Gucúmatz taten sich zusammen, um mit der Schöpfung zu beginnen. Seitdem entwickelte sich die Welt nach dem Glauben der Maya nach starren, unabänderlichen Regeln. Unerbittlich wurde diese Welt geprägt von stetig wiederkehrender Zerstörung und neuer Schöpfung. Man glaubte, dass der Kosmos bereits mehrere dieser Zyklen durchlaufen habe. Auch andere mesoamerikanische Völker, wie z. B. die Azteken, glaubten an diesen Mythos. Doch die Maya legten als einziges Volk die Zeitdauer dieser Zyklen fest. Sie waren fest davon überzeugt, sie mit astronomischen und mathematischen Berechnungen exakt bestimmen zu können, denn sie verfügten über außerordentliche astronomische und mathematische Kenntnisse.

Wie lange dauerten die Lebenszyklen des Kosmos der Maya?

Die Maya benutzten drei verschiedene Systeme, um ihren Kalender zu berechnen:

  1. Den Tzolkin, (heiliger Kalender), Zyklus 260 Tage.
  2. Den Haab, (ziviler Kalender), Zyklus des Sonnenjahres, also 365 Tage.
  3. Den Long Count

Da die Kombination des Tzolkin mit dem Haab es den Maya nicht ermöglichte, ein bestimmtes Datum innerhalb des Zeitraums einiger hundert Jahre eindeutig festzulegen, führten sie ein drittes System ein, das heute als "Long Count" bezeichnet wird: Es umfasst eine Periode von 1.872.000 Tagen, das entspricht dem Zeitraum von 13 baktún à 144.000 Tagen. Maya-Experten sind der Auffassung, dass diese Zeiteinheit von 13 baktún, ( der Zeitraum von etwa 5125,36 Sonnenjahren), die Dauer eines kosmischen Zyklus der Maya umfasst.

Ist es möglich, ein Datum aus dem Maya-Kalender einem Datum unseres Kalenders zuzuordnen?

Die Korrelation des Maya-Kalenders mit der heutigen Zeitrechnung, d. h. die Zuordnung eines bestimmtem Kalenderdatums zu einem Maya-Datum, gestaltet sich als außerordentlich schwierig. Von verschiedenen Forschern werden dafür unterschiedliche Korrelationszahlen verwendet. Das hat zur Folge, dass für das Nulldatum, das heißt, für den Beginn bzw. den Schöpfungsakt des aktuellen Maya-Zyklus, verschiedene Zeitpunkte errechnet wurden: Die Angaben bewegen sich zwischen dem 5. November 1734 v. Chr. und dem 12. August 2535 v.Chr. Die meisten zeitgenössischen Maya-Forscher bevorzugen jedoch die Korrelation nach Sir J. Eric Thompson, die unter dem Namen Thompson-Korrelation bekannt ist. Wendet man diese Berechnung an, dann hat der aktuelle kosmische Zyklus der Maya am 21. August 3113 v. Chr. begonnen und endet am 21.12.2012.

Bedeutet das Ende des kosmischen Zyklus auch das Ende der Welt?

Am 21. Dezember 2012 wird der Kalenderzyklus der Maya von Neuem beginnen, d. h. die Zählung der Tage fängt wieder von vorn an. Doch aus dem Neubeginn der Zählung kann nicht hergeleitet werden, dass sich an diesem Tag eine Katastrophe ereignen wird, die die heutige Welt vernichtet. Kombiniert man allerdings diese spezielle Kalenderberechnung mit dem Glauben der Mayas an die wiederkehrende Zerstörung und anschließende Neuerschaffung das Kosmos, so könnte man versucht sein zu glauben, dass der 21. Dezember 2012 nach dem Glauben der Maya der Tag ist, an dem die heutige Welt vergeht, um erneuert zu werden. Doch ein solcher Gedanke ist reine Spekulation, die bislang auch durch keine Information aus den Aufzeichnungen der Maya belegt worden ist. Es gibt nicht einmal Hinweise auf klimatische Faktoren, wie z. B. einen Kälteeinbruch vor etwa 5200 Jahren, die den Glauben der Maya in diese Richtung gelenkt haben könnten. Man sollte in diesem Zusammenhang auch keinesfalls außer Acht lassen, dass die Maya-Kultur erst seit etwa 500 v. Chr. existiert.

Hat eine bestimmte Planetenkonstellation die Maya beeinflusst?

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass es etwa um die Zeit des Beginns des aktuellen kosmischen Zyklus der Maya eine Konjunktion aller sichtbaren Planeten im Sternbild des Widders gegeben haben soll. Möglicherweise waren die Maya in der Lage, diese Konstellation zu errechnen und legten den Beginn ihres Zyklus auf diesen Zeitpunkt. Andererseits soll man für das Ende dieses Zyklus im Dezember 2012 eine Planetenkonstellation vorausberechnet haben, in der alle Planeten unseres Sonnensystems einschließlich der Sonne in einer Linie stehen. Und mit einer anderen Berechnung kam man angeblich zu dem Resultat, dass am 21.12.2012 die Sonne und die Erde in einer Linie mit dem Zentrum der Galaxis stehen werden. Doch was auch immer derartige Konstellationen für manche Menschen bedeuten mögen: Eine bevorstehende, wie auch immer geartete, Katastrophe für die Menschheit lässt sich aus beiden Ergebnissen nicht herleiten.

Quellen:

  1. "Mythen der Menschheit, Maya und Azteken", Copyrright 1997 by TIME LIFE BOOKS B. V., Amsterdam,
  2. "Der Maya Kalender", Peter Meyer, Hermetic Systems,

Anton Heinzinger - So verschiedenartig sich Ausbildung und Berufstätigkeit des Autors ausnehmen, so vielfältig sind auch seine Interessen: Er ...

rss