
- Der Kalender der Maya - Constanze Ließ
In ganz Mesoamerika waren zur Zeiten der alten Hochkulturen Kalender bekannt. Kein Volk aber nutzte eine so ausgeklügelte Zeitrechnung wie die Maya. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sie drei verschiedene Kalendersysteme, welche sie parallel nutzten. Verwendet wurden sie für rituelle Zwecke, für die Landwirtschaft und um die Heldentaten der Maya-Herrscher in Stein zu bannen.
Der Tzolkin-Kalender der Maya
Der erste Kalender, den die Maya verwendeten, war der Ritualkalender Tzolkin („Zählung der Tage“), welcher auch als heiliger Kalender bezeichnet wurde und astronomisch wahrscheinlich auf den Lauf der Venus zurückzuführen ist. Ein Zyklus im Tzolkin umfasste 260 Tage, wovon jeder mit einem von 20 Zeichen und einer Ziffer von 1 bis 13 eindeutig bestimmt war. Einen solchen Tag bezeichnete zum Beispiel die Benennung 1 Kan. Nach genau 260 Tagen begannen sich die Kombinationen zu wiederholen, ein Tzolkin-Jahr löste das andere ab. Den Tzolkin benutzten die Maya-Priester, um Daten für religiöse Zeremonien und Feierlichkeiten zu bestimmen.
Mayakalender - Der Haab-Kalender
Parallel zum Tzolkin fand der Haab-Kalender Verwendung („Sonnenjahr“). Fast wie unser heute gebrauchter Kalender umfasste er 360 Tag und zusätzlich fünf Schalt- oder „Unglückstage“, um den Zyklus zu vervollständigen. Die 360 Tage wurden auf 18 Monate mit je 20 Tagen aufgeteilt. Die Tage benannten die Maya im Haab mit einer Ziffer von eins bis 20 für den jeweiligen Tag im Monat und dem Monatsnamen, ähnlich also wie in unserem heutigen Kalender. Beispielsweise konnte ein Tag im Haab-Kalender 2 Cumku heißen. Die Maya kannten in diesem Zeitsystem auch die Null, was eine Besonderheit für frühe Kalender ist. Den Haab-Kalender verwendeten sie für das tägliche Leben, beispielsweise um Saat- und Erntezeiten zu berechnen.
Die Maya nutzten beide Kalender, den Tzolkin und den Haab, parallel. Jeder Tag war doppelt bestimmt, konnte also zum Beispiel 1 Kan – 2 Cumku heißen. Dieses ausgeklügelte System ermöglicht es auch den Archäologen, welche heute die Geschichte der Maya rekonstruieren, Ereignisse zeitlich genau einzusortieren.
Erst alle 18.980 Tage, nach 52 Jahren, kam es wieder zur selben Kombination eines Tzolkin-Tages mit einem Haab-Tag. Manche Archäologen vergleichen diese Kalenderrunde mit einem „Jahrhundert der Maya“.
Die Lange Zählung – Der chronologische Kalender der Maya
Neben den beiden zyklischen Kalendern Haab und Tzolkien kannten die Maya noch einen dritten Kalender. Der Long count oder Lange Zählung beschrieb eine fortlaufende Zählung der Tage ab einem bestimmten Nullpunkt, vergleichbar mit dem christlichen Jahr Null. Einen Tag im August 3.114 v. Chr. (andere Quellen sprechen auch von 3.373 v. Chr.) schienen die Maya demnach mit der Erschaffung ihrer gegenwärtigen Welt bestimmt zu haben. Worauf die Maya dieses Datum bezogen, ist bisher nicht geklärt. Ihre eigene Kultur kam erst um 500 v. Chr. auf.
Mit dem so genannten Vigesimalsystem unterteilten sie die fortlaufende Zählung in verschiedene Untereinheiten, jeweils multipliziert mit der Einheit 20. Kin war ein Tag, 20 kin bildeten ein uinal, 18 uinal ein tun. Ein tun enthielt 360 kin – also 360 Tage. 20 tun wiederum waren ein katun. Die höchste gebräuchliche Einheit nannte man baktun, sie bestand aus 20 katun, also 144.000 Tagen.
Mit der Langen Zählung war es den Maya möglich weit in der Zeit zurück zu schauen und Prognosen für die Zukunft zu stellen. Die Geschichte ihrer Herrscherdynastien hielten sie datumsgenau fest oder sagten astronomische Ereignisse wie Sonnenfinsternisse voraus.
Konkrete Vorhersagen der Maya aber können heutige Archäologen nur selten bestimmen und eindeutig belegen. Dies hängt auch mit der geheimnisvollen, noch immer nicht vollständig entschlüsselten Glyphenschrift der Maya zusammen, welche fast immer Spielraum für Fantasie und Interpretation lässt. In der Langen Zählung steht der 23.12.2012 als ein Endpunkt der heutigen Welt, was Wahrsager und Esoteriker gern für Weltuntergangs- oder Weltweiterbewegungsprognosen hernehmen. Es gibt durchaus archäologische Fundstücke, welche man so interpretieren kann. Andere wiederum sprechen eine andere Sprache oder reichen gar bis in das Jahr 9898. Die Maya selbst jedenfalls haben den Kalender der Langen Zählung schließlich nicht mehr verwendet. Die letzte Stele mit entsprechender Inschrift stammt aus dem Jahr 909. Die alte Hochkultur der Maya jedoch hatte – wenn auch gezeichnet von schweren Krisen – bis ins 16. Jahrhundert Bestand.
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Bücher zum Thema:
- Die Maya; Autor Davide Dominici, ISBN 978-3867260022, WHITE STAR VERLAG, 2008
- GEO Epoche Maya, Inka und Azteken; 14/2004, Gruner + Jahr
