
- Karmann Ghia Coupé - Harald Rossa
Unter dem Namen Karmann Ghia verkaufte Volkswagen ein sportlich gestyltes Fahrzeug auf der Basis des Käfers, das bei Karmann in Osnabrück gebaut wurde. Es wurde bei VW als Typ 14 geführt und ab 1955 verkauft. Eine Variante dieses Wagens wurde ab 1961 bis 1976 bei Karmann do Brasil gebaut.
Die Entwicklungsgeschichte des Karmann Ghia Typ 14
1951 gab es erste Gespräche zwischen Wilhelm Karmann und dem damaligen Generaldirektor von Volkswagen Heinrich Nordhoff über die Idee eines Sportcoupé auf Käferbasis. Hinsichtlich der Haltung Nordhoffs zu dieser Idee gibt es unterschiedliche Aussagen. Er war wohl eher skeptisch. Dennoch entstehen in Osnabrück Entwürfe für ein solches Fahrzeug.
Dann ließ Wilhelm Karmann bei Ghia in Turin einen Entwurf ausarbeiten. Von Felice Mario Boano und dessen Sohn Gian Paolo stammte dieser Entwurf, der auf der Grundlage eines von Ghia gebauten Prototyps für Chrysler entstand. 1953 wurde bei Ghia unter der Leitung von Luigi Segre ein Prototyp für Karmann gebaut. Wilhelm Karmann war von dem Ergebnis überzeugt und führte das Fahrzeug am 16. November 1953 dem VW-Chef Heinrich Nordhoff vor. Beide sollen sofort beschlossen haben, dieses Auto in Serie zu bauen,
Im Verlauf des Jahres 1954 wurde bei Karmann die Entwicklung vorangetrieben und in Osnabrück ein Montageband eingerichtet. Am 14. Juli 1955 erblickte das Karmann Ghia Coupé im Kasinohotel in Georgsmarienhütte das Licht der Öffentlichkeit. Das Echo der Fachöffentlichkeit war mehr als gespalten. Begeisterte Zustimmung und totale Ablehnung als Parodie eines Sportwagens war den Fachmagazinen zu entnehmen. „Hausfrauenporsche“ und „Sekretärinnenferrari“ waren wenig wohlmeinende Bezeichnungen für das Auto.
Im August 1955 begann die Serienfertigung des Typ 14 (werksintern Typ 143) auf Basis des aktuellen Exportmodells des Käfers mit dem 30 PS leistenden luftgekühlten Vier-Zylinder-Boxermotor im Heck. Damit waren 118 km/h zu schaffen. Der Preis: 7.500 DM ab Werk Osnabrück.
Die weitere Entwicklung des Typ 14 in Deutschland
1957 wurde auf IAA in Frankfurt das Karmann Ghia Cabriolet vorgestellt, das ab November 1957 ausgeliefert wurde. 1959 gibt es erstmals eine umfassende Modellpflege. Wie der Käfer wurde ab 1960 auch der Karmann Ghia mit dem neuen 34-PS-Motor ausgestattet.
Ab August 1965 wurde der Typ 14 mit einem 40-PS-Motor mit 1300 Kubikzentimeter Hubraum ausgerüstet. Schon im nächsten Jahr gab es wieder einen neuen Motor, der aus 1500 Kubikzentimeter Hubraum 44 PS herausholte. Das bedingte Änderungen am Fahrwerk und Bremsen. Vorn hatte der Karmann Ghia nun Scheibenbremsen.
1967 wurde der Karmann Ghia noch mal überarbeitet. Die Tanköffnung wanderte aus dem Kofferraum auf den Kotflügel und die Fahrzeugelektrik wurde auf 12 Volt umgestellt. Und erstmals wurde eine Halbautomatik mit Schräglenker-Hinterachse angeboten.
Der Karmann Ghia wurde ab 1970 mit dem 50-PS- Motor mit 1.600 Kubikzentimeter des neuen Käfers 1302 S ausgerüstet. Allerdings konnte dessen neue Federbein-Vorderachse in den Karmann Ghia nicht eingebaut werden. Doch hatte er nun hinten stets die Schräglenker-Achse. 1972 gab es letzte Änderungen am Karmann Ghia. Dazu gehörten vergrößerte Stoßstangen und große Blinker vorne. Im Frühjahr 1974 kam als Nachfolger des Karmann Ghia der VW Scirocco auf den Markt. Die Produktion des Karmann Ghia in Osnabrück endete am 31. Juli 1974.
Produktion und Absatz
Der kleine Wagen war trotz bescheidener Fahrleistungen ein Erfolg. 1964 bis 1970 wurden jährlich über 30.000 Fahrzeuge produziert. Insgesamt liefen bei Karmann vom Typ 385.803 Coupé und 81.053 Cabriolet vom Band. Über 60 Prozent davon fanden Käufer in den USA.
Der große Karmann Ghia
Ab 1961 wurde der „große" Karmann Ghia, Typ 34 genannt, auf der Basis des neuen VW 1500 gebaut. Der konnte allerdings den Erfolg des „kleinen“ Karmann Ghia nicht wiederholen und wurde schon vor seinem Vorgänger aus dem Programm bei VW gestrichen.
Die Daten des Karmann Ghia Coupe Typ 14 von 1955
- Länge: 4140 Millimeter
- Radstand: 2400 Millimeter
- Leergewicht: 820 Kilogramm
- Motor: Vierzylinder Boxermotor mit Luftkühlung im Heck
- Hubraum: 1192 Kubikzentimeter
- Leistung: 30 PS bei 3400 Umdrehungen pro Minute
- Max. Drehmoment: 75 Newtonmeter bei 2000 Umdrehungen pro Minute
- Höchstgeschwindigkeit: 118 km/h
Die Daten des Karmann Ghia Coupe Typ 14 ab 1970
- Länge: 4280 Millimeter
- Radstand: 2400 Millimeter
- Leergewicht: 910 Kilogramm
- Motor: Vierzylinder Boxermotor mit Luftkühlung im Heck
- Hubraum: 1584 Kubikzentimeter
- Leistung: 50 PS bei 4000 Umdrehungen pro Minute
- Max. Drehmoment: 106 Newtonmeter bei 2800 Umdrehungen pro Minute
- Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h mit manuellem Getriebe
