Der "Kirchenkampf" der SED

Die evangelische Kirche in der DDR (1950-1953)

Wie die SED die Kirchen aus dem Leben und dem Bewusstsein der Bevölkerung verdrängen wollte. Und scheiterte.

Die sowjetische Militärführung hatte die Wichtigkeit der Kirche beim Wiederaufbau der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sofort erkannt. Sie war als Institution unverändert aus der Zeit des Dritten Reiches hervorgegangen. Zudem war sie in der Bevölkerung, die eine feste Bindung zur Kirche hatte, angesehen. Allerdings war die SMAD auch an die Beschlüsse der „European Advisory Commission" gebunden (zumindest bis zum Rückzug aus dem Alliierten Kontrollrat im März 1948), die den Kirchen viele Rechte zugestand und in ihnen die einzige unbelastete Großorganisation aus der NS-Zeit sah. Dies waren die Hauptgründe der SMAD, die Kirche a.) nicht in die Bodenreformen einzubeziehen, b.) den Entnazifizierungsprozess nach eigenen Regeln gestalten zu lassen und ihr c.) finanzielle Hilfe zu gewähren.

Schnelle Trennung

In der SBZ wurde aber schnell die strikte Trennung von Staat und Kirche durchgesetzt. Ganz nach der Lehre Lenins. Die Kirche sollte auf den religiös-kultischen Bereich, wie dies zum Beispiel in Russland gelang, beschränkt werden und bleiben. Erziehung oder Bildung war allein die Angelegenheit des Staates. In den fünf Ländern der SBZ wurde in den Verfassungen Religionsfreiheit zwar gewährt, Gläubigen war der Zugang zu öffentlichen Ämtern nicht versperrt, Kirchensteuer konnte mit staatlicher Unterstützung eingezogen und Schulunterricht erteilt werden. Allerdings wurde bereits jetzt durch Polizeiaktionen, Verhaftungen und Behinderungen der Kirchenmitarbeiter deutlich, dass sich dies nach und nach ändern sollte.

Die erste Verfassung der DDR vom 7. Oktober 1949 garantierte die Ausübung von Religionsunterricht in den Schulen noch, sicherte die „Glauben- und Gewissensfreiheit sowie die ungestörte Religionsausübung" zu. Zudem durften die Kirchen zu „Lebensfragen des Volkes" Stellung nehmen. Allerdings waren diese Paragraphen nicht mehr als Lippenbekenntnisse. Bereits auf dem III. Parteitag der SED 1950 formulierten die Vertreter das Recht, den „dialektischen Materialismus" durchzusetzen. Die Kirche widersprach durch ihre Existenz dieser Lehre. Die SED ging seitdem aktiv, massiv und aggressiv gegen die Kirche und ihre Arbeit, vor allem die Jugendarbeit, vor.

Kampf gegen die „Junge Gemeinde"

Gegen die „Junge Gemeinde", die Jugendorganisation der Kirche mit mehr als 100.000 Mitgliedern, begannen 1950 die ersten behutsamen, aber geplanten Angriffe. Das Tragen des Abzeichens „Kreuz auf Weltkugel" wurde verboten, die Organisation im Frühjahr 1953 als „illegale Agenten- und Spionageorganisation" bezeichnet.

Der Kampf gegen die Junge Gemeinde wurde 1953 zum Kampf gegen die Kirche. Auf Anordnung der SED wurden kirchliche Jugendzeitschriften verboten, Zahlungen an die Kirchen eingestellt, etwa 50 Geistliche verhaftet, 3.000 Schüler und Studenten der Schule verwiesen, Schauprozesse durchgeführt, Teile des Kirchenbesitzes enteignet, Bahnhofmissionen geschlossen und der Schulunterricht verboten. Gleichzeitig baute die SED die FDJ als eigene Organisation auf, um den Jugendlichen ein Gegenangebot machen zu können und sie so effektiv von der Kirche zu trennen. Dies gelang der SED sehr wirkungsvoll.

Der 10. Juni

Am 10. Juni 1953 trafen sich DDR-Führung und Kirchenleitung, um die Lage zu entspannen. Teilweise wurde der aggressive Kurs zurückgenommen, beispielsweise der Kirchenbesitz wieder zurückgegeben. Das Treffen war aber nur deshalb zu Stande gekommen, weil aus Moskau der Befehl zu einem „Neuen Kurs" in der Politik gekommen war. Allerdings ging es darin nicht um Zugeständnisse für die Kirche, sondern um eine veränderte, weniger aggressive und offensichtliche Taktik, die in den folgenden Jahren angewendet werden sollte. Die schärfste und direkteste Phase des Kampfes der SED gegen die Kirche war aber vorbei.

Dennis Schmidt, Dennis Schmidt

Dennis Schmidt - Von der Schülerzeitung zur Lokalzeitung zu Suite 101, so kann der Weg gehen, zumindest bei Dennis Schmidt aus Korbach. Dabei stand am ...

rss